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Das Sampras-Comeback in London

Es ist ein paar Jahre her, dass er in London war. Sechs um genau zu sein. 2002 trat Pete Sampras, inzwischen 37, zum letzten Mal in Wimbledon an. Er verlor damals in Runde zwei gegen George Bastl in fünf Sätzen. Jetzt kehrt er zwar nicht an die Stätte einstigen Ruhmes Sampras siegte siebenmal an der Church Road zurück, aber die Royal Albert Hall im Nobelstadtteil Kensington, ein ähnlich historischer Ort wie Wimbledon, ist keine Autostunde entfernt.



Dort spielte Sampras schon einmal. Vor rund 20 Jahren bei der Doppel-WM. Ich erinnere mich an eine großartige Atmosphäre. Man konnte die Gläser klirren hören, als die Zuschauer in ihren Smokings und Abendkleidern mit Champagner anstießen, sagte der Amerikaner vor seinem Auftritt.

Ivanisevic ist nicht dabei

Die Atmosphäre dürfte ähnlich toll sein, wenn die Oldies in diesem Jahr wohl zum letzten Mal in der 1871 eingeweihten Arena auflaufen. Pink Floyd, die Beatles und The Who spielten hier ein passender Rahmen für die ehemals Besten ihrer Zunft.

Gespielt wird in zwei Gruppen im Round Robin-System. In Gruppe A treffen John McEnroe, Pete Sampras, Cedric Pioline und Jeremy Bates aufeinander. In Gruppe B heißen die Kandidaten Stefan Edberg, Greg Rusedski, Guy Forget und Pat Cash. Der Australier, Wimbledonsieger von 1987, ersetzt Goran Ivanisevic. Das ist insofern ärgerlich als dass der Kroate die Jahreswertung der BlackRock Tour of Champions anführte. Während seine Kollegen den Oldie-Master ausspielen, unterzieht sich Ivanisevic einer Knieoperation.

John McEnroes Drohung

Unterhaltsam wird es wohl trotzdem werden. Vor allem in der Gruppe A, wenn McEnroe und Sampras in ihrem Gruppenspiel am Mittwochabend aufeinandertreffen. Das ist eine Nachricht für Sampras, Edberg und die anderen Jungs, röhrte Big Mac, ich komme nicht nach London, um zu verlieren.

In ihrer aktiven Karriere standen sich Sampras und der 49-jährige McEnroe dreimal gegenüber. Sampras gewann alle Duelle, und er hatte auch gleich eine Antwort für seinen Landsmann parat: Ob heute oder vor zehn Jahren, wenn ich auf dem Platz stehe, will ich immer noch gut spielen und gewinnen.

Golf statt Tennis

Sampras in London, das ist eine kleine Sensation. Denn als er 2002 die US Open gewann und ein Jahr später, ebenfalls in New York, seinen Abschied verkündete, war er sich sicher: Ein Comeback bei den Seniors werde es für ihn, den 14-fachen Grand Slam-Sieger, nicht geben.

Sampras zog sich in seinem Haus in der Nähe von L. A. zurück, kümmerte sich um seine Familie, Ehefrau Bridgette Wilson und die zwei Söhne Christian Charles, 7, und Ryan Nikolaos, 3, und spielte vor allem Golf. Sein Handicap verbesserte er auf zwei. Mit Freunden ging er zum Basketball zu den Lakers. Manchmal ließ er sich auf Pokerturnieren blicken. Tennis spielte er nicht. Er sah es sich nicht im Fernsehen an. Er brauchte es nicht, wie er sagt.

Die ersten Showkämpfe

Doch nach zweieinhalb Jahren wurde ihm langweilig, was nicht verwundert, weil es vielen Profis vor ihm genauso ging. Man spielt jeden Tag Golf, man nimmt zu, aber es passiert nichts Besonderes, sagte Sampras, Ich machte Dinge, die andere Leute mit 60 tun, aber ich war erst 34!

Was Sampras am meisten vermisste, war ein geregelter Ablauf, so wie er es früher auf der Tour hatte: zum Turnier fliegen, ins Hotel fahren, frühstücken, trainieren, ein Match spielen, sich massieren lassen, Abendessen.

Im April 2006 begann er wieder zu trainieren. Sein erstes Match spielte er gegen Robby Ginepri bei einem Einladungsturnier in Houston. Anschließend ließ er sich fürs Team Tennis verpflichten, eine Turnierserie, die in den USA sehr populär ist.

Die Rückkehr des Königs

2007 war Sampras plötzlich wieder in aller Munde. Am Ende der Saison spielte er eine dreiteilige Showkampfserie in Asien gegen Roger Federer. Ein Match konnte er sogar gewinnen, und man war sich nicht sicher, ob er wirklich noch so stark oder der Ausgang der Partie vorher so verabredet war. Auch um die Show am köcheln zu halten. Denn ein paar Monate später, diesmal im Madison Square Garden in New York vor 19000 Zuschauern, trafen die beiden erneut aufeinander. 3:6, 7:6, 6:7 verlor Sampras knapp, und der Schweizer analysierte: Er spielt immer noch exzellent.

Return of the king die Rückkehr eines Königs, schrieb die Sunday Times, als feststand, dass Sampras beim Oldie-Masters aufschlagen wird. Eines steht schon vor dem ersten Ballwechsel in der Royal Albert Hall fest: Der 37-Jährige ist die Hauptperson auch wenn das John McEnroe nicht passen wird.

Andrej Antic

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