Alexander Zverev klettert in der Weltrangliste nach oben

Davis Cup Analyse: Reifeprüfung! Zverev besteht in der spanischen Hölle

Alexander Zverev hat seine wohl bisher größte Reifeprüfung bestanden und Deutschland beim Davis Cup-Viertelfinale in Valencia gegen Spanien mit 1:0 in Führung gebracht. Beim 6:4, 6:2 und 6:2 Erfolg gegen David Ferrer wackelte zwar der Aufschlag. Doch die Waffen des Youngsters überforderten den Routinier. Die Analyse:

Durch den klaren Dreisatzsieg gegen Ferrer schraubte Alexander Zverev seine Einzelbilanz im Davis Cup auf 4:3 und sorgte für die allererste Davis Cup-Niederlage des Spaniers auf Sand. Ferrer hatte zuvor alle 16 Matches für sich entschieden. Zverev agierte vor allem bei seinen Returnspielen stark und nahm dem 36-Jährigen zehnmal den Aufschlag ab.

Die Reaktionen:

Alexander Zverev: „Natürlich hatte ich den Druck, aber ich wollte den Punkt und habe ihn gemacht“, sagte Zverev im Interview auf dem Platz, „ich habe meinen Rhythmus auf Sand gesucht und ihn gefunden. Darüber bin ich sehr froh. Für mein erstes Match auf Sand nach langer Zeit war es nicht schlecht.“

David Ferrer: „Ich habe absolut keine Ahnung, woran es heute gelegen hat. Diese Saison spiele ich eigentlich sehr gut, aber heute war nicht mein Tag. Um ihn zu besiegen, hätte ich einfach viel besser aufschlagen müssen. So eine Serie ist mir noch nicht unterlaufen“, erklärte ein sichtbar enttäuschter Ferrer. Der Routinier hatte in den Sätzen zwei und drei insgesamt acht Aufschlagverluste hinnehmen müssen. Insgesamt waren es zehn.

Die Sätze

Satz eins:

Breakfestival zum Start. Zunächst nimmt Alexander Zverev zum Entsetzen der fast 8000 spanischen Fans dem Lokalmatadoren David Ferrer den Aufschlag ab –zu Null. Als dem spanischen Routinier das schnelle Rebreak dank eines langen Ballwechsels inklusive Stoppball gelingt, kocht die Stierkampfarena ein erstes Mal. Das insgesamt dritte Break beschert dem deutschen wenig später das 3:2. Sein Passierschlag über Einstand ist perfekt getimed.

In der Folge findet Zverev seinen Rhythmus beim eigenen Service und spielt nun variabler. Im Spiel zum 4:2 gelingt ihm ein erster toller Rückhandstopp, der die Fans verstummen lässt. Als der 20-Jährige anschließend zwei weitere Chancen bei Aufschlag Ferrer liegen lässt, explodiert der Plaza de toros und Hoffnung keimt auf. Doch Ferrers Returnstärke ist im Ruhemodus und so sichert sich Zverev nach 39 Minuten Satz eins mit 6:4, sein zweiter Satzball sitzt.

Satz zwei:

Ferrer scheint sich viel vorgenommen zu haben, das Dutzend auf der spanischen Bank macht ihn richtig heiß. Doch nach wenigen Minuten steht es 2:0 für Zverev, der nun souverän serviert. Kurios wird es, als Zverev zum 3:0 breakt. Ferrer fischt einen Überkopfball des Spaniers, der unter Zwischenrufen des Publikums genau auf der Linie landet. Zverev spielt wiederwillig weiter und profitiert von einem Rückhandfehler.

Als der Spanier zwei zauberhafte Passierschläge auspackt und für den ersten Aufschlagverlust Zverevs im zweiten Satz sorgt, keimt Hoffnung in Valencia auf. Doch mit wahnsinniger Ruhe knüpft sich die deutsche Nummer eins weiter den zu passiven Aufschlag Ferrers vor – Rebreak. Zverev hat bei 4:1 selbst arge Probleme, der erste Aufschlag wird als vermisst gemeldet. Ferrer feuert sich lautstark an, als er auf 2:4 verkürzt. Zuvor gab es für Zverev ein ersts Pfeiffkonzert, weil er sich einen Abdruck zeigen ließ. Das ist auch Davis Cup!

Was ist die Weiterentwicklung von Breakfestival? Als Zverev das 5:2 erreicht, sind alleine sechs Aufschlagverluste in diesem Satz gezählt. Das Ende von Satz zwei besiegelt Zverev aber schön. Ein Ass, ein Vorhandstopp ebnen den Weg zur 2:0-Führung nach 1:15 Spielzeit.

Satz drei:

Zverev führt rasend schnell 3:0. Ferrer muss zu Gute gehalten werden, dass er kämpft. Gut, das tut er seit fast 20 Jahren. Deshalb schnappt er sich nicht unverdient Zverevs Aufschlag. bei 3:1 dauert Ferrers Aufschlagspiel fast 15 Minuten. Zverev durchbricht aber den Widerstand des Spaniers endgültig – 4:1. Eine Vorentscheidung?

Nein, denn Zverev muss erneut einen Serviceverlust einstecken. Doch wenig später serviert Zverev bei 5:2 aus.

Der Ballwechsel des Spiels:

Bei Zverevs Breakball zum 3:0 im zweiten Satz sieht sich Ferrer in die Defensive gedrängt, fischt einen Überkopfball der deutschen Nummer eins gekonnt. Der Ball flattert knapp ins Aus. Zumindest denkt das Zverev. Er hört erst auf zu spielen, doch der Ausruf kommt nicht. Im letzten Moment chipt der Deutsche den Ball über das Netz. Ferrer ist selbst überrascht und verhaut kurze Zeit später eine Rückhand. Die Spanier schlagen die Hände über den Kopf. Der Anfang vom Ende für den Spanier.

Statistikecke:

– Beide Akteure hatten nicht nur in Satz eins wahnsinnige Aufschlagprobleme. Anders als Ferrer konnte sich Zverev aber auf seinen zweiten Service verlassen.  Zverev gewann zunächst 70 Prozent der Punkte (übers Match verteilt immerhin 56 Prozent), der Spanier nicht mal die Hälfte seiner Versuche. Das gab dem Deutschen das nötige Vertrauen in engeren Momenten. Auch weil die durchschnittliche Aufschlaggeschwindigkeit eklatant unterschiedlich war. Zverev schlug über das Match verteilt im Schnitt mit knapp mehr als 200 Kilometern pro Stunde 25 km/h schneller auf als Ferrer. So hielt er die Returnstärke des Spaniers im Zaun.

– Keine Neuigkeit, aber an diesem Freitag den Unterschied ausmachend: Die Rückhandwinner. Zu Beginn von Satz drei hatte Zverev bereits zwölf (am Ende 16) auf der Habenseite, Ferrer nur drei und das waren mehr oder minder leichte Passierschläge. Zwischenzeitlich hatte Zverev fast 30 Punkte mehr als sein Gegner erzielt. Ferrer fehlten von der Grundlinie ausd schlichtweg die Waffen, die Zverev besitzt. Da half es auch nicht, dass sich die Akteure bei den unerzwungenen Fehlern auf Augenhöhe begegneten.

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