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Davis Cup-Analyse: Drama in Valencia! Struff und Pütz besiegen French Open-Champions

Dank eines herausragenden 6:3, 6:4, 4:6, 6:7 und 7:5 Erfolgs haben Jan-Lennard Struff und Tim Pütz das DTB-Team im Davis Cup-Viertelfinale in Valencia gegen Spanien mit 2:1 in Führung gebracht. Die French Open–Sieger von 2016 Feliciano und Marc Lopez steigerten sich erst in den drei letzten Durchgängen. Am Ende entschieden die Nerven. Die Analyse:

Mit diesem nicht zu erwartenden Sieg bleibt Das Duo Struff/Pütz ungeschlagen. Im Davis Cup schrauben sie die Bilanz auf 3:0. Hinzu kommt der Challenger-Erfolg in Genua. Verlustpunktfrei sind sie zudem in der deutschen Bundesliga und bei ihren früheren Auftritten in der französichen Liga.

Die French Open-Sieger von 2016 dagegen blieben zunächst deutlich unter den Erwartungen des Heimpublikums. Eine Steigerung führte aber zu einem echten Krimi, der nach 4:40 das bessere Ende für Deutschland fand.

Im Davis Cup war es die dritte Niederlage für Lopez/Lopez im dritten Spiel. Vor allem der nachnominierte Marc Lopez fand zu selten zu seinem Spiel, blieb bis auf Teile des dritten und vierten Satzes zu passiv. Letztlich war das zu viel Bürde für Feliciano Lopez.

Deutschland liegt vor den abschließenden Einzeln am Sonntag überraschend mit 2:1 in Front. Am Sonntag könnte im mit Spannung erwarteten Spiel zwischen Alexander Zverev und Rafael Nadal (ab 11 Uhr live auf DAZN) eine Vorentscheidung fallen zu Gunsten des DTB-Teams. Verliert Zverev, muss das letzte Einzel entscheiden. Hierfür haben beide Kapitäne noch die Qual der Wahl.

Die Sätze in der Übersicht

Satz eins, 6:3:

Struff eröffnet dieses Doppel mit einem effektiven Aufschlagspiel. Zwei Asse, ein toller Lob und ein Servicewinner ebnen den Weg. Der einzige tolle Ballwechsel der Spanier hilft lediglich, die Stimmung etwas anzuheizen. Feliciano Lopez sieht sich seinerseits anschließend einem Breakball ausgesetzt. Zwei Aufschlagwinner bestätigen den Ausgleich zum 1:1. Mit einer druckvollen Vorhand durch die Mitte vorbei am spanischen Netzduo stellt Tim Pütz in seinem Premierenspiel auf 2:1.

Jetzt wackelt Doppelspezialist Marc Lopez. Das deutsche Duo nutzt insgesamt Breakball Nummer drei dank eines knallharten Passierschlages von Struff. Der Warsteiner erhöht anschliend auf 4:1 und übernimmt auch kommunikativ wichtige Aufgaben im Zusammenspielt mit Pütz.

Struff läuft hier jetzt heiß. Das merkt ebenfalls das spanische Publikum, das Feliciano Lopez lautstark unterstützt. Einen Breakball gibt es dennoch, weil Struff einen Crossball mit abgeknickten Handgelenk spielt, den ihm große Teile der Pressetribühne nicht zugetraut hätten. Mit ersten Aufschlägen hält Spanien den Anschluss – 4:2. Bald erreicht Pütz sein nächstes Level. Die Spanier schnuppern am Breakball. Doch ein aktiver Pütz verwandelt einen gutvorgetragenen Netzangriff zum 5:3. Ungläubige Blicke im weiten Rund: Das nächste Spiel geht zu Null nach Deutschland.

Satz zwei, 6:3, 6:4:

Nach exakt 45 Minuten schwächelt Struff erstmals beim eugenen Aufschlag. Ein Doppelfhler zum 15:40 wird lautstark bejubelt – Davis Cup-Stimmung kommt auf. Zwei Breakbälle wehrt Team Deutschland ab. Pütz vergibt anschließend einen Volley bei Spielball, nur um dann bei Breakball zu glänzen. Deutschland sichert sich das 1:1.

Nächste kritische Situation bei 1:2, 30:30 und Aufschlag Pütz. Die Spanier entscheiden ein enges Netzduell und plötzlich wackeln hier die Bänke. Obwohl etwas weniger los ist als am Freitag, ist es die lauteste Anfeuerung des Publikums bisher. Aber es hilft nichts: Das deutsche Duo schafft den 2:2-Ausgleich. Feliciano Lopez wird in einem mitreißenden Servicegame gebreakt. Der Regen wird etwas stärker, die Schirme werden aufgezogen. Einge verlassen sogar die Arena.

Diese Zuschauer verpassen allerdings, wie Struff der Arm schwer wird. Der 26-Jährige serviert zwei Doppelfehler am Stück und wird anschließend über Einstand von Feliciano Lopez von der Grundlinie aus unter Druck gesetzt. Doch das Momentum dreht nicht komplett, Struff befreit sich mit einem Vorhandwinner – 4:2. Anschließend hält das DTB-Team den Vorsprung und gewinnt nach 1:43 Stunden Satz zwei.

Feliciano und Marc Lopez fanden zunächst keine Mittel.

Satz drei, 6:3, 6:4, 4:6:

Im Gleichschritt dominieren die Akteure ihre Servicegames bis zum 2:3, als sich Pütz plötzlich drei Breakbällen ausgesetzt sieht. Die Sonne ist ebenfalls wieder da. Das Publikum steht geschlossen auf. Doch Pütz und Struff gelingt die Aufholjagd, die der Frankfurter mit einem Ass beendet – 3:3. Bei 3:4 verdienen sich Lopez/Lopez letztlich das Break. Die Stimmung ist jetzt am Siedepunkt. Was soll da erst kommen, wenn der Satzgewinn folgt?

Jetzt wissen wir es!

Satz vier, 6:3, 6:4, 4:6, 6:7:

Team Deutschland sorgt erst einmal für Beruhigung mit dem ersten souveränen Aufschlagspiel seit Beginn des dritten Satzes. Von wegen Beruhigung! Bei 2:2 und 30:40 serviert Pütz einen zweiten Aufschlag an die Netzkante. Das Publikum schreit sekundenlang ,uiuiuiuiui‘. Doch der nachfolgende Aufschlag kommt und Struff zittert den Volley inklusive Rahmen ins Ziel. Das Spiel hat Überlänge. Dank einer Steigerung am Netz geht das DTB-Team mit 3:2 in Führung.

Das bekommen auch die drei üblichen Teammitglieder mit, die mittlerweile dick eingepackt in Daunenjacken am Rand platzgenommen haben und das Duo anfeuern. Jetzt bleibt alles in der Reihe. Marc Lopez wird nun wieder passiver – ähnlich den beiden ersten Sätzen. Dennoch gleichen die Iberer zum 4:4 aus. Bei 5:4 für Deutschland muss Feliciano Lopez über Einstand, rettet sich aber gekonnt.

Anschließend wird Struff ein erstes mal gebreakt. Die Spanier stehen auf ihren Bänken – 5:6. Doch Marc Lopez bleibt das schwächste Glied und kassiert das Rebreak. Es geht in den Tiebreak. Der erste Ballwechsel ist einer der besten des Tages. Trotz eines Platzfehlers penetriert Pütz von der Grundlinie und sichert das 1:0, mit einem Volley durch die Mitte gelingt ihm gar das Minibreak. Wenig später schlägt das Pendel zu Gunsten der Spanier aus. 5:4 und Aufschlag für die Iberer. „Feli“-Rufe. Zwei Ballwechsel später steht Spanien im Entscheidungssatz. Der Tiebreak endet 4:7. Rafa Nadal gefällt das.

Satz fünf, 6:3, 6:4, 4:6, 6:7, 7:5:

Breakball Deutschland bei 1:1, doch Struff überpact einen Return. Marc Lopez atmet tief durch, 1:2. Deutschland muss immer nachziehen, tut das zunächst gekonnt. Zum 3:3 serviert Struff glänzend, stellt sich dabei – wie das ganze Match über – an der Grundlinie weit nach außen. Marc Lopez wackelt nun gewaltig, doch Deutschland kann den Breakball nicht verwerten, 3:4.

Pütz hat anschließend arge Probleme inklusive Doppelfehler. Deutschland wehrt zwei Breakälle ab, bei Spielball mutiert Feliciano Lopez zum Zauberer, rettet einen Volley noch in der Drehung und returniert dann ganz stark. Doch Struff und Pütz halten dagegen. Vor allem Pütz spielt nun Alles oder Nichts. Struff geht am Netz derweil kurzzeitig die Luft aus. Nach fünfmal Einstand steht es aber 4:4.

Feliciano Lopez wird hier von Minute zu Minute stärker, zu null bringt er seinen Service durch. 4:27 Stunden sind gespielt. Struff zieht aber ähnlich souverän nach. Bei 5:5 hat Marc Lopez 0:30, bei 30:30 nimmt Pütz das Grundlinienzepter in die Hand, Breakball! Und die Deutschen nutzen ihn, Marc Lopez patzt, 6:5. Pütz behält die Nerven, Deutschland gewinnt.

Der Mann des Spiels

Meine Damen und Herren, Jan-Lennard Struff! Der Warsteiner wurde die Woche nicht müde zu betonen, wie wohl er sich in diesem Team fühlt. Das zahlt er mit Leistung zurück. Der außerhalb des Platzes mitunter träge wirkende Struff war am Samstag der emotionale und spielerische Anführer im Team. Nicht nur, dass er Pütz – wie schon in Australien – immer wieder pushte, wenn dieser returnierte. Bis auf wenige Ausnahmen machte er dank seines Aufschlags mit den Spaniern was er wollte. Besonders beeindruckend: Seine am Samstag gezeigte Variabilität. Als es knapper und knapper wurde, stieg seine Nervosität, er wurde etwas fester. Insgesamt aber Sieggarant.

Der Ballwechsel des Spiels

War ein Unscheinbarer im ersten Durchgang bei 4:1 und Aufschlag Feliciano Lopez. Der eigentlich mehr als Hardhitter bekannte Struff passierte seine Gegner mit einer beidhändigen Rückhand cross aus dem Halbfeld. Dabei knickte er sein Handgelenk ab und erzielte den punkt mit viiiiiiel Gefühl. Es war en Aha-Moment in der Stierkampfarena, der die Spanier beeindruckte.

Die Ballwechsel des Matches überschlugen sich im Tiebreak des vierten Satzes. Einen davon haben wir herausgepickt:

Statistikecke

– Struff und Pütz erzielten in Satz eins acht Punkte mehr als ihre Gegner – ein eklatanter Unterschied im Doppel auf Weltklasseniveau. Die Aufschlagstärke war dafür mitentscheidend. 83 Prozent der Punkte wurden beim ersten Aufschlag gesichert (Spanien brachte nur etwas mehr als 50 Prozent ins Feld und erzielte zu 63 Prozent den Punkt).

– Im zweiten Durchgang wackelte der Aufschlag der Deutschen, die nur 49 Prozent ins Feld brachten und beim ersten Aufschlag dennoch 86 Prozent der Punkte erzielten. Das gelang, weil das Duo am Netz engmaschig auftrat und mit Winkelspiel Lösungen fand. 21 zu 13 Winner sprechen eine deutliche Sprache.

– Sechs Breakbälle gegenüber null: Im dritten Durchgang dominierten die Spanier, weil endlich vernünftig aufgeschlagen wurde. Die Iberer steigerten ihre Quoten um fast 30 Prozent. Insgesamt verloren sie beim ersten Aufschlag nur drei Punkte. Angeführt durch Feliciano Lopezs Returnstärke schafften sie den Anschluss. Spielerisch gab das Auftrieb, den sie in den entscheidenden Momenten des vierten Satzes für sich nutzten.

-Letztlich blieb Marc Lopez aber der schwächste Spieler, der über weite Teile zu passiv agierte. Deutschland schlug mehr als 30 Winner mehr, machte aber auch deutlich mehr Fehler (102 zu 76). Der Mut wurde am Ende aber belohnt.

– Letztlich war aber Marc Lopez der entscheidende Faktor, der auch zuletzt gebreakt wurde. Denn der Doppelspezalist mit dem besten Doppelranking (22) fiel deutlich ab und war zu passiv. Deutschland erzielte mehr als 20 Winner mehr als die Gegner. Bei den Unforced Errors pendelte der Unterschied etwas geringer in die andere Richtung

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