First Day Of Bullfighting In Madrid

Davis Cup-Halbfinale: Showdown in der Stierkampfarena

Die Plaza de Toros Las Ventas in Madrid ist Spaniens größte Stierkampfarena, in die mehr als 22000 Zuschauer hineinpassen. Am kommenden Wochenende werden dort aber nicht berühmte Matadore gegen wütende Stiere kämpfen. Nein, das schöne Runde wird zweckentfremdet, um den spanischen Tennisstars eine angebrachte Plattform für ihr Halbfinalmatch im Davis Cup gegen den Titelverteidiger aus den USA zu bieten. Dort, wo sonst Stierkämpfer mit roten Tüchern rasende Stiere zähmen, ist ein Sandplatz entstanden, auf dem ab Freitag die Begegnung stattfindet. Schon seit dem vergangenen Wochenende steht der außergewöhnliche Court zu Trainingszwecken bereit.



Die Tennis-Asse sind begeistert selbst die aus den USA angereisten Gäste. Es ist verdammt cool hier, sagte Andy Roddick, Spitzenspieler der USA, nach seiner ersten Trainingseinheit. Es ist toll, dass die Spanier Tennis auf so eine  ungewöhnliche Weise präsentieren können. US-Teamchef Patrik McEnroe, der seit den US Open auch persönlicher Coach von Roddick ist, schwärmte: Das ist der tollste Platz, auf dem wir jemals im Davis Cup antraten.

Team USA: Ohne James Blake und Bob Bryan

Die USA sind in dieser Partie der klare Außenseiter. Nicht nur, weil die Spanier auf Sand, dem Lieblingsbelag ihres Topspielers Rafael Nadal, antreten. Entscheidender ist, dass die USA, die seit Februar 2004 in der gleichen Besetzung spielen (Roddick, James Blake, Bob und Mike Bryan, Ersatzmann Mardy Fish), auf zwei wichtige Spieler verzichten müssen. James Blake wurde wegen körperlicher und mentaler Erschöpfung nach einem harten Sommer (McEnroe) erst gar nicht ins Team berufen. Er wird durch US-Aufsteiger Sam Querrey ersetzt. Noch schlimmer ist der Ausfall von Bob Bryan, der aufgrund starker Schulterschmerzen (Im Moment kann ich keinen einzigen Ball schlagen) nicht im Doppel an der Seite seines Zwillingsbruders Mike auflaufen wird. Die beiden Bryans bilden für die USA seit 2003 das Doppel und verloren seitdem nur zwei von 16 Doppelpartien. Nun soll Mardy Fish in das Doppel nachrücken.

In der letzten Woche hat sich fast alles bei uns im Team geändert, fasste Roddick die Ausfälle der USA zusammen. Nur eine Sache ist gleich geblieben: Ich soll nach Möglichkeit zwei Punkte im Einzel holen. Ein schwieriges Unterfangen. Aufgrund der langsamen Asche wird Roddicks Aufschlag nicht seine gewohnte Gewalt entfalten können. Damit muss ich leben, kommentierte er lapidar. 

2004 in Sevilla: „Kind entschärft Rakete“

Er war auch schon im Team, als die USA das letzte Mal in Spanien antreten mussten: 2004 in Sevilla zum Finale. Vor der Rekordkulisse von über 27000 Fans verlor er damals sein erstes Einzel gegen Nadal. Vor vier Jahren war das noch eine Überraschung. Roddick war der Weltranglistenzweite, Nadal die Nummer 51 der Welt. Nach dem Sieg feierte die spanische Presse einen neuen Sporthelden. Die schönste Überschrift dachte sich El Pais aus: Kind entschärft Rakete titelte sie.
Mittlerweile haben sich die Vorzeichen geändert. Spanien ist mit Nadal, dem Führenden im Ranking, der Favorit auf den Davis Cup-Triumph in diesem Jahr. Zusammen mit David Ferrer, Fernando Verdasco und Feliciano Lopez, die im April die Deutschen im Viertelfinale locker mit 4:1 besiegten, gelten die Spanier als derzeit stärkstes Team im Wettbewerb. 

Stark sind auch die Russen, die allerdings zum schweren Auswärtsspiel nach Argentinien reisen müssen. Nikolay Davydenko, Igor Andreev, Dmitri Tursunov und Igor Kunitsyn treffen in Buenos Aires auf David Nalbandian, Juan Martin del Potro, Augustin Calleri und Guillermo Canas. Austragungsort ist das Estadio Parque Roca, eine Mulifunktionsarena für knapp 15000 Zuschauer. Auch das zweite Halbfinale wird auf Sand ausgetragen.   

Davydenko: „Argentinien genießen und Steaks essen“

Russland, das im Davis Cup-Finale 2006 Argentinien zu Hause in Moskau besiegen konnte, wird ohne Marat Safin und Mikhail Youzhny in Argentinien antreten. Safin, im 2006er Finale mit zwei geholten Punkten der russische Held, verzichtete auf die weite Reise, um sich auf seine Einzelkarriere zu konzentrieren. Youzhny wurde von Teamchef Tarpischev wegen Formschwäche aussortiert. So rückte Igor Kunitsyn zum ersten Mal ins russische Team.

Wir wollen Argentinien genießen und viele Steaks essen, witzelte Davydenko vor der Partie. Aber er fügte auch hinzu: Die Argentinier sind die leichten Favoriten. Die Chancen stehen 60 zu 40 für die Gastgeber. Nominell haben die Russen das stärkere Team. Dafür haben die Argentinier aber Heimrecht und können auf ihrem Lieblingsbelag Sand spielen.

Für die Argentinier ist die Konstellation 2008 ideal: Im Falle eines Finaleinzugs hätten sie auf jeden Fall Heimrecht egal, ob Spanien oder die USA gewinnen. Das Finale findet vom 21. bis 23. November 2008 statt.

Tim Böseler

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