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Der geplatzte Traum

Vielleicht lag es an dem Namen. Vielleicht war er ein schlechtes Omen. Das Davis Cup-Finale 2008 zwischen Argentinien und Spanien fand im Estadio Islas Malvinas in Mar del Plata statt. Und die Islas Malvinas sind der spanische Name für die Falkland-Inseln. Diese wiederum verbindet man mit der schlimmsten Niederlage aller Zeiten in Argentinien dem verlorenen Krieg gegen England.



Diesmal hieß der Gegner nicht England, sondern Spanien, und natürlich ging es nicht um Leben oder Tod. Aber das Davis Cup-Finale, das erste zu Hause in Argentinien, hatte eine ganze Nation elektrisiert. Davismania, titelte die argentinische Tageszeitung La Nacion, und das war fast noch untertrieben. Argentinische Politiker sprachen beim Endspiel um den berühmten, nach dem Studenten Dwight F. Davis benannten Pokal vom drittgrößten Sportevent aller Zeiten im eigenen Land. Wichtiger seien nur die Fußball-WM 1978 und die Pan American Games 1995 gewesen.

Del Potros Verletzung

In Mar del Plata 2008 hatten sie am Strand eine Leinwand für 20 000 Zuschauer errichtet. Und die mit Fahnen und Trommeln bewaffneten Fans warteten sehnsüchtig auf ihre Helden Juan Martin del Potro, die Nummer acht der Welt, und David Nalbandian, drei Ränge dahinter platziert. Nalbandian wies vor dem Spektakel eine Davis Cup-Heimbilanz von 9:1-Siegen im Einzel auf. Die Spanier waren ohne den verletzten, im Urlaub auf Mauritius weilenden, Rafael Nadal angetreten. Spaniens numerisch Bester hieß David Ferrer, die Nummer zwölf der Welt und seit Monaten außer Form.

Was sollte da schon schief gehen? Es ging schief. Der Knackpunkt war das zweite Einzel. Nalbandian hatte die Blau-Weiß-Blauen souverän in Führung gebracht, schlug Ferrer 6:3, 6:2, 6:3. Es folgte der Auftritt von del Potro. Der Shootingstar der Saison traf auf Feliciano Lopez und verlor, wohl auch geschwächt vom Masters Cup in Shanghai, in vier Sätzen. Entscheidend war eine Szene zu Beginn des vierten Satzes, als sich del Potro mit schmerzverzerrtem Gesicht an den Oberschenkel fasste und anschließend behandeln ließ. Danach konnte er kaum noch Gegenwehr leisten.

Der Streit der Argentinier

Die Verletzung del Potros hat unser Team in ein Loch fallen lassen, sie hat alles geändert, analysierte Argentiniens Kapitän Alberto Mancini später. Am zweiten Tag verloren Nalbandian und Agustin Calleri das Doppel in vier Sätzen gegen Lopez und Fernando Verdasco. Wie enttäuscht die Argentinier bereits zu diesem Zeitpunkt waren, als noch nichts verloren war, wurde an der Reaktion Nalbandians deutlich. In der Umkleidekabine stritt er sich heftig mit Calleri, danach erschien er nicht zur Pressekonferenz. Er hat sich nicht wohl gefühlt, mehr mental als physisch, versuchte Mancini zu beschwichtigen, räumte aber ein: Unser Team ist verwundet.

Am Sonntag, beim Zwischenstand von 1:2 aus Sicht der Gastgeber, war die Oberschenkelverletzung del Potros immer noch nicht besser. Für Argentiniens Nummer 1 trat Juan Acasuso an. Sein Gegner: Fernando Verdasco, und nicht wie urspünglich vorgesehen David Ferrer.

Dreifacher Davis Cup-Sieger Spanien

Um es kurz zu machen: Nach fast vier Stunden und fünf Sätzen war der argentinische Traum geplatzt. Verdasco, der insgesamt bessere, konstantere und fittere Spieler gewann die Partie 6:3, 6:7, 4:6, 6:3, 6:1. Dann sank er im ohrenbetäubenden Jubel auf die Knie und ließ sich vorwärts auf den blauen Hallenboden fallen, die Mannschaftskameraden stürmten auf den Court und herzten ihn 3:1 für Spanien in Argentinien, der dritte Triumph nach 2000 und 2004. Das war das wichtigste Match meines Lebens, stammelte Verdasco später. Er war der glücklichste Mensch auf der Welt, der traurigste Acasuso. Er ist jetzt der einzige Spieler, der in einem Davis Cup-Finale zwei entscheidende Partien verloren hat, 2006 war er dem Russen Marat Safin unterlegen gewesen. In unserer Umkleidekabine herrschte große Trauer, sagte Acasuso. Sie wird eine lange Zeit anhalten.
Andrej Antic 

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