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Die Macken der Stars

Nicolas Kiefer: Vorsicht Linie!

Nicolas Kiefer pfegt eine ganze Reihe von Macken, Marotten, Ritualen. Vor wichtigen Punkten berührt
er mit seinem Racket die äußere Doppellinie und nimmt dann mit dynamischen Sidesteps die Position zum Return ein. Jetzt zählts!, sagt dann seine innere Stimme. Nach gewonnenen Punkten lässt er sich vom Ballkind den Ball geben, mit dem er erfolgreich war. Goran Ivanisevic, mit dem Kiefer früher befreundet war, hat das auch so praktiziert. Kiwi hat sich das ein bisschen abgeguckt von seinem früheren Idol. Der 30-jährige Hannoveraner vermeidet es auch, auf Linien zu treten. Das sieht dann manchmal wie eine Slapstick-Einlage aus oder wie ein Spiel bei einem Kindergeburtstag. Warum er nicht die weißen Linien berühren will? Bringt Unglück. Purer Aberglaube, aber wenns hilft.

Tommy Haas: Der Tick mit den sieben Schlägern



Die Zahl 7 ist eine besondere Zahl. Es gibt die sieben Weltwunder, die sieben Brücken, über die man bekanntlich gehen muss, die sieben Todsünden und das ominöse siebte Spiel im Tennis. Für Tommy Haas hat die Ziffer 7 auch eine besondere Bedeutung. Der Deutsche lässt sich vor jedem Match jeweils sieben Schläger frisch bespannen. Wichtig ist, dass jeder Rahmen mit brettharten 30 Kilopond besaitet ist (womit Fachleute auch Haas ständige Schulterprobleme erklären). Wichtig ist aber auch, dass genau sieben Rackets in der Tasche stecken. Ob Haas dabei auch daran denkt, dass ein Grand Slam-Turnier über sieben Runden geht? Vielleicht. Es ist der größte Wunsch des Wahlamerikaners, einmal in Melbourne, Paris, Wimbledon oder New York zu siegen. Da kann man schon mal seine Marotte pflegen.

Lleyton Hewitt:Zupfen, bis der Arzt kommt

 Wenn man an Lleyton Hewitt denkt, kommt einem dieses Come on! in den Sinn, das er über die
globalen Plätze brüllt. Kaum einer feuert sich so an wie der kleine Australier. Aber kaum einer zupft auch so viel an sich und seinen Schlägern herum. Das Zupfen ist eine echte Macke des früheren Weltranglistenersten. Praktisch nach jedem Ballwechsel richtet Hewitt seine Saiten. Bevor er den Aufschlag des Gegners erwartet, nestelt er hektisch an seinem Hemd. Er ist in dieser Disziplin noch besser als Andy Roddick, Hewitt ist der uneingeschränkte Weltmeister im Zupfen. Sein Spitzname ist übrigens Rusty. Das bedeutig rostig. Einrosten wird der 27-Jährige bei seiner Hyperaktivität bestimmt nicht.

Rainer Schüttler: Der Ordentliche

Es ist ein bisschen stiller geworden um Rainer Schüttler. 2003 hatte er sein Wahnsinnsjahr, katapultierte sich ins Finale der Australian Open gegen Andre Agassi und schaffte am Saisonende beim Masters Cup in Houston das Halbfinale. Damals stand er auf Platz fünf der Weltrangliste, inzwischen ist er die 92. Die Erfolge schwanden, seinen Marotten ist er treu gewesen. Es gibt keinen ordentlicheren Spieler als den Sohn eines Postbeamten. Schüttler legt selbst die durchgeschwitzten Handtücher sorgfältig zusammen. Er faltet die Hemden so exakt wie ein Rekrut bei der Bundeswehr. Rainer Schüttler ein Pedant? Ja, aber einer der sympathischsten.

Elena Dementieva: Viele Toilettenpausen

Es gibt einfach Dinge im Tenniscircuit, auf die Verlass ist: die Nightsessions bei den US Open, der Vier-Uhr-Tee in Wimbledon und die Toilettenpausen von Elena Dementieva. Ich habe noch nie eine Spielerin gesehen, die immer nach dem zweiten oder dritten Satz (bei Grand Slam-Turnieren) eine
Pause nimmt. Sie verschwindet dann für mindestens zehn Minuten vom Platz. Dass das noch niemand bestraft hat, verstehe ich nicht, sagt Eurosport-Kommentator Jürgen Höthker, der schon tausende Matches auf der WTA-Tour kommentiert hat. Mit ihren ständigen Pausen fällt die 26-jährige Russin noch mehr auf als durch ihr eigenwilliges Stöhnen beim Schlagen. Alles Taktik? Eine schwache Blase? Oder trifft sie sich heimlich mit ihrer Mutter Vera, die sie auf allen Turnieren begleitet, um sich Tipps zu holen? Letzteres bestimmt nicht. Denn die Damen dürfen sich bekanntlich nach jedem Satz auf dem Court coachen lassen. Auch die chronische Toiletten-gängerin Dementieva.

Nicole Vaidisova: Blick zum Coach

Um sich während eines Matches Kraft zu holen, geben Sportpsychologen die unterschiedlichsten Tipps. Einige raten dazu, sich beim Seitenwechsel ein Handtuch über den Kopf zu legen und tief im Bauch ein- und auszuatmen. Andere empfehlen den Blick in die Bäume, um sich dort die Energie für die folgenden Ballwechsel zu holen. Nicole Vaidisova blickt immer zum Coach. Nach jedem Ballwechsel, in jeder Pause. Der Trainer ist der Bezugspunkt für die gebürtige Nürnbergerin. Früher war das ihr Stiefvater Ales Codat, jetzt heißt der Mann in ihrem Visier David Felgate. Eine ungewöhnliche Macke ist es aber nicht, viele Spielerinnen tun das. Nur: Nicole Vaidisova ist der absolute Champion in dieser Disziplin.

Novak Djokovic: Dribbelkünstler

Der Serbe Novak Djokovic stürmte im letzten Jahr in die Weltspitze, und damit wurden auch seine Matches viel häufiger im Fernsehen gezeigt als in den Jahren zuvor. Die Igelfrisur, die präzisen Schläge, aber auch eine Marotte, die es so noch nie gab, wurden plötzlich sichtbar für jedermann. Das Ballaufprellen es ist bei Djokovic ein echter Tick. Er hat es schon als Junior gemacht, um sich zu konzen-trieren. Er dribbelt den Ball vor dem Aufschlag nicht zwei-, dreimal wie seine Kollegen, sondern bis zu 25-mal! Für erste und zweite Aufschläge verrinnt da schon mal eine halbe Minute. Ich brauche das, um mich zu sammeln, sagt Djokovic. Stören wolle er niemanden. Seine Gegner nervt das Prozedere trotzdem.

Marion Bartoli: Flummi vor dem Service

Im letzten Jahr schaffte Marion Bartoli die Sensation in Wimbledon. Im Halbfinale schlug die 23-Jährige die hohe Favoritin Justine Henin. Und jeder konnte sehen: Die Französin mit Wohnsitz Genf hat ein höchst seltsames Ritual vor dem Aufschlag. Erst sprintet sie auf der Stelle wie ein Hundert-
Meter-Läufer vor dem Sprung in die Startblöcke. Anschließend hüpft sie wie ein Flummi an der Grundlinie. Erst dann kann es losgehen. Beigebracht hat ihr das alles ihr Vater, Dr. Walter Bartoli. Der passionierte Schachspieler hat seine Tochter schon trainiert, als sie sechs Jahre alt war. Und tut das noch immer. Krach mit dem französischen Verband hat es in der Vergangenheit auch gegeben. Wegen der Trainingsmethoden des Monsieur Bartoli. Allerdings: Der Erfolg gibt ihm und ihr recht. Im letzten Herbst knackte Marion Bartoli die Top Ten. Zur Zeit ist sie die Nummer elf. Wenn sie es braucht, soll sie ruhig weiterhüpfen.

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