BlackRock Masters Tennis

Großes Theater

Der Henry Cole Room ist ziemlich klein. Kaum ein Dutzend Stühle passen hinein. Er befindet sich in der zweiten Etage der Royal Albert Hall. Gegenüber befinden sich die Logen. Und wenn man an den roten Samtvorhängen vorbeilugt, sieht man unten auf dem Platz Guy Forget und Lokalfavorit Greg Rusedski im ersten Match des BlackRock-Masters, dem Saisonfinale der Oldies in London, gegeneinander spielen. Forget und Rusedski zeigen den rund 4000 Zuschauern nettes Tennis. Manchmal sieht es so aus, als seien sie gar nicht zurückgetreten, sondern noch auf der Tour aktiv.



Nur: Sie können noch so gut spielen, die Hauptfigur am Dienstag nachmittag ist jemand anders Pete Sampras. Er kommt, ruft jemand, die Köpfe drehen sich Richtung Tür, und Sampras betritt den Henry Cole Room. Bekannte Gesichter hier, grinst Sampras und nimmt an einem Tisch, einer Art Mini-Podium, Platz. Lässig sieht er aus: blaues Shirt, Blue Jeans, Drei-Tage-Bart, sonnengebräunt. Das Haupthaar ist ein bisschen lichter geworden, aber das sah man schon, als er im Frühjahr im Madison Square Garden einen Showkampf gegen Roger Federer absolvierte. Sampras kaut Kaugummi, bekommt ein Wasser serviert, und bevor irgendjemand von ihm etwas wissen will, fragt er: Habt ihr Jungs mich vermisst?

Siege gegen Hrbaty und Stepanek

Hat man. 2002 war er zuletzt in London. Genauer gesagt in Wimbledon. Keine gute Erinnerung hat er daran. Sampras verlor in Runde zwei gegen George Bastl in fünf Sätzen, ein trauriger Abgang von seinem Lieblingsturnier, über das er stets sagte, dass es seine Superbowl sei. Lasst uns nicht darüber reden, sagt Sampras und lächelt. Charmant präsentiert er sich. Eine gute halbe Stunde plaudert er über alte Zeiten, die Tour von heute, über Federer und Nadal. Über Murray, schließlich ist man in England. Wie fühlt er sich? Pretty good, sagt Sampras. Es ist schön, wieder hier zu sein. Aber es regnet immer noch, witzelt er. Vor drei Tagen nahm er den Flieger von L.A. nach Europa. In Bratislava spielte er einen Showkampf gegen Dominik Hrbaty, einen Tag später, in Prag, gegen Radek Stepanek Sampras gewann beide Matches.

Seit Montag abend ist er in London. Für 37 spiele ich ganz gut, sagt er bescheiden. Er freut sich auf eine schöne Woche. Gewinnen will er nicht unbedingt, vor allem Spaß haben. Andererseits klingen seine Sätze so, als spiele er ein Profiturnier, wenn er etwa über den Bodenbelag in der Royal Albert Hall spricht, der sein Serve-and-Volley-Spiel unterstützt.

Keine Show a la Leconte


Mit 31 in Rente zu gehen, ist ein bisschen früh, sagt Sampras. Drei Jahre hat er keinen Schläger angefasst, aber dann wurde ihm wohl doch langweilig, und er begann wieder Showkämpfe zu spielen. Nicht so wie die Lecontes und Bahramis, als bloße Show, sondern auf immer noch hohem Niveau. Tennis tut mir gut, sagt Sampras, und man glaubt es ihm. Am Mittwoch abend spielt er sein erstes Gruppenspiel gegen John McEnroe. Man kann sich auf großes Theater in der Royal Albert Hall freuen.

Andrej Antic

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