2011 French Open – Day Fourteen

Paris-Blog: Kurze Tage, lange Schleife, starke Sprüche

Felix Grewe, Paris

Mal kurz weg von den großen sportlichen Meldungen und hin zu etwas allgemeineren Themen. Die Tage und Wochen bei Grand Slam-Turnieren sind grundsätzlich kürzer als anderswo. Das ist eine Feststellung, die absoluter Quatsch ist, schon klar, aber es kommt einem halt so vor.  Sie müssen das mal selbst erleben. Wenn Sie Tennisfreak sind und das sind Sie, weil Sie sonst diesen Blog nicht lesen würden dann fahren Sie im nächsten Jahr bitte zu den French Open nach Paris. Suchen Sie sich ein günstiges Hotel (wenn Sie früh buchen, bekommen Sie im Stadtteil Boulogne-Billancourt in der Nähe der Anlage Unterkünfte für rund 80 Euro die Nacht) und genießen Sie zwei oder drei Tage Roland Garros. Sandplatzspektakel. Verrückte Franzosen, die ständig allez, allez schreien, völlig überteuerte Mahlzeiten an den Ständen, überfüllte Shops, in denen man die Turnier-Handtücher für 45 Euro (klein), für 75 Euro (riesig) oder ein kleines Gläschen mit echter Pariser Asche für ehrliche zehn Euro erwerben kann. Nicht enden wollende Schlangen an den Nebenplätzen, vor denen Sie teilweise eine Stunde und länger warten müssen, um Zutritt zu erlangen. Menschenmassen, die bei Regen unter den wenigen Dächern zusammengepfercht stehen wie Hühner in einer Legebatterie. Klingt grausen, finden Sie? Ist es aber nicht, im Gegenteil! Es ist halt dieses spezielle Pariser Flair, das es nur hier gibt, das man erlebt haben muss als Tennisfan und das man zu lieben lernt, wenn man sich darauf einlässt.
Falls Sie gerade doch auf den Geschmack kommen und Ihnen die Ticketfrage durch den Kopf geistert: Unsere Ausgabe 11/12-2013 hilft und kann jederzeit bei uns im Shop nachbestellt werden.
Von Federer zu Djokovic und Muguruza

Schluss mit der Eigenwerbung und zurück zu den Tagen und Wochen, die schneller vergehen als woanders. Das empfindet ein Journalist vor Ort wahrscheinlich noch mehr so als ein Fan. Weil man ständig zwischen den Courts umherspringen muss, um stets im Bilde zu bleiben. Gestern zum Beispiel vom Philippe Chatrier, wo Roger Federer gegen Dimitri Tursunov spielte, phasenweise nicht so richtig souverän wirkte und zum ersten Mal im Turnier einen Satz abgab, rüber zum Suzanne Lenglen, wo Novak Djokovic gegen Marin Cilic ebenso über vier Sätze gehen musste. Dann wieder zurück, kleiner Stopp auf Court 7 bei Garbine Muguruza, der Williams-Bezwingerin, die auch gegen Anna Karolina Schmiedlova siegte und nun im Achtelfinale steht. Zwischendurch will man so viele Pressekonferenzen erleben wie möglich. Wobei: Teilweise sind die Fragen, die in solchen Runden gestellt werden, kaum zu ertragen. Gestern wollte ein Kollege wissen, ob Federer nicht eine Pressekonferenz bei Twitter geben könnte. Wie auch immer er sich das vorgestellt hat. Man kann es originell finden der Schweizer fands eher blöd. Aber Roger Federer wäre nicht Roger Federer, wenn er nicht auch auf solche Fragen höflich antworten würde.
„Frauen sollten lieber über Familie und Kinder nachdenken“

Wo wir gerade bei Pressekonferenzen sind: Die von Ernests Gulbis sind immer ganz speziell. Sie wissen schon, der Typ, der ab und zu Dinge raushaut wie: „Federer, Nadal & Co. sind langweilig“, „Marihuana sollte man legalisieren“ oder „Ich besitze einen Helikopter, ein U-Boot und ein Raumschiff“. Gestern erzählte der Weltranglisten-17., seine jüngere Schwester solle bloß kein Tennisprofi werden. Frauen sollten lieber über Familie und Kinder nachdenken, sagte er und trat damit direkt eine Sexismusdebatte los zumindest in manchen englischen Medien (u.a. dailymail.co.uk). Völlig übertrieben. Der Lette sagt einfach, was er denkt ohne sich Gedanken zu machen, ob er mit seinen Aussagen nun Sympathiepunkte sammelt oder nicht. Auf dem Platz ist das ähnlich. Gestern fertigte er Radek Stepanek auf Court 1, in der Stierkampfarena, ziemlich locker in drei Sätzen ab. Trotzdem blaffte er zwischendurch Schiedsrichter Kader Nouni an. Ich hab den Ball gut gesehen, die Linie ist nicht gerade, rief er, als ein Ball aus gegeben wurde. Gelächter im weiten Rund. Wer hat eigentlich diesen Schläger bespannt?, motzte er nach einem Racketwechsel vor sich hin und schlurfte dabei mit seinem leicht arroganten ihr-könnt-mich-alle-mal-Gesicht über den Platz. Und als er sich bei Gegner Stepanek erkundigte, ob ein Ball nicht doch noch gut war, er aber keine Antwort erhielt, pöbelte er: Ich hab dich was gefragt, man!.  So eine Partie mit Gulbis hat schon einen enormen Unterhaltungswert allerdings auch spielerisch. Erste Aufschläge unter 200 km/h sind bei ihm so selten, wie Servicewinner mit mehr als 190 km/h bei Angelique Kerber. Seine Schleife bei der Vorhand ist so groß, dass sie ein wenig einer Windmühle gleicht. Eine Waffe ist sie trotzdem. Morgen tritt er mit Windmühlenvorhand und sicherlich auch der einen oder anderen provokanten Geste im Achtelfinale gegen Roger Federer an. Ich habe überhaupt keine Angst vor ihm, sagte Gulbis, der den Schweizer in den bisherigen drei Matches einmal besiegen konnte (Rom 2010) und in den beiden anderen Partien immerhin jeweils einen Satz gewann. Kein Wunder Angst würde auch nicht zu ihm passen. Und damit sind wir am Ende doch wieder beim Sportlichen gelandet.

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  1. Susana

    Also die Frisur des blonden Herrn gefällt mir besonders gut! 🙂 Bei dieser Gelegenheit möchte ich natürlich nicht verabsäumen, auch die besten Wünsche für das neue Jahr 2017 zu übermitteln 

  2. Tanja

    ihr solltet nicht die wichtigen Termine und botschaften im Vorfeld von „Paris “ Verschweigen 🙂 Boris Becker und Jan-Peter Jachtmann als neue partypoker Botschafter


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