bet-at-home Open 2013 – Semi Finals

Roger Federer und ich

Das Stadion am Rothenbaum ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Sonne scheint heiß durch das offene Dach. Viele Zuschauer wedeln sich mit den Händen etwas Frischluft zu. Unten auf dem Platz spielen Federico Delbonis und Roger Federer gegeneinander. Sie befinden sich bereits im Tiebreak des zweiten Satzes…



Alles begann von einigen Jahren. Ich war zwölf und spielte selbst erst seit kurzem Tennis. Durch Zufall blieb ich beim Herumzappen vorm Fernsehen auf Eurosport hängen, wo gerade ein Tennisturnier gezeigt wurde. Einer der beiden Kontrahenten weckte auf Anhieb meine Neugier. Er bewegte sich mit einer Leichtigkeit über den Platz und platzierte mit seiner einhändigen Rückhand die Bälle so elegant auf die gegnerische Seite, dass es so aussah, als würde er tanzen. An seinen Gegner kann ich mich heute nicht mehr erinnern. Doch den Namen des tanzenden Tennisspielers vergaß ich nicht: Roger Federer.

Direkt in der nächsten Trainingsstunde erklärte ich meinem Trainer, dass ich ab jetzt meine Rückhand einhändig spielen wolle und dass er mir zeigen müsse, wie das genau funktioniert. Als er nach meinem Beweggründen fragte, sagte ich, dass dieser Schlag einhändig einfach viel besser aussehen würde, als diese komische beidhändige Rückhand. Mein Trainer musste schmunzeln und sagte: Dann guck dir am besten mal den Federer im Fernsehen an. So gut, wie der die spielt, kann es keiner. Er sollte Recht behalten. Aber ich war mir sicher, dass meine Rückhand nach einigen Übungsstunden schon nah an die von Federer heran kam. Zumindest fühlte es sich so an.

Im Jahr 2004 sollte Roger Federer zum ersten Mal die US-Open gewinnen. Leider wurden die Spiele durch die Zeitverschiebung im deutschen Fernsehen meist zu einer für mich ungünstigen Zeit übertragen. Doch ich informierte mich immer genau, wann Federer spielen würde. Auch wenn ich am nächsten Tag zur Schule musste, stellte ich mir nachts den Wecker, um mich rechtzeitig die Treppen herunter ins Wohnzimmer zu schleichen und den Fernseher einzuschalten. Den Ton musste ich immer ganz leise stellen, was nervig war, da ich so das Ploppen der Bälle nicht hören konnte. Ich durfte ja nicht von meinen Eltern erwischt werden. Am nächsten Tag in der ersten Schulstunde konnte ich meist kaum meine Augen offen halten. Aber meine Nachtschichten hatten sich immer gelohnt.

Am Sonntag in der Finalnacht der US Open 2004 durfte ich sogar offiziell bis tief in die Nacht wach bleiben und das Match gucken. Und ich durfte die ersten beiden Stunden des Unterrichts schwänzen. Meine Mutter war sogar der Meinung, dass meine Begeisterung für etwas doch so Vernünftiges unterstützt werden müsse. Das sagte sie in einer Diskussion zu meinem Vater, die ich belauscht hatte, als es darum ging, ob ich für Roger Federer die Schule schwänzen dürfte oder nicht.

Im nächsten Sommer bekam ich zu meinem sechzehnten Geburtstag zwei neue Schläger geschenkt. Natürlich die rot-weißen von Wilson. Ein anderer Schläger, als der von Federer wäre auch nicht in Frage gekommen. Zu Weihnachten lag dann eine Roger Federer Biografie unter dem Tannenbaum. Ich verschlang Das Tennisgenie innerhalb eines Tages und war danach noch mehr begeistert von der Geschichte, dem Werdegang und der bescheidenen Person Roger Federers.

Es folgten viele spannende Grand Slam-Finals, in denen ein gewisser Rafael Nadal zum „Erzfeind“ von Roger und mir wurde. Er verhinderte meiner Meinung nach viel zu lange, dass Federer endlich auch die French Open gewinnen konnte. Vor Spannung und Aufregung hielt ich mir oftmals bei wichtigen Punkten das Sofakissen vor das Gesicht, weil ich einfach nicht hinsehen konnte. 

Natürlich wollte ich meinen Lieblingsspieler auch einmal live erleben. Wie sich herausstellte war dies gar nicht so einfach. Denn, so weit wegfahren oder gar fliegen konnte ich nicht. Es blieben also das Turnier am Rothenbaum und in Halle. Wenn ich Karten für Halle oder Hamburg hatte, sagte Federer kurz vorher das Turnier ab. Entweder, weil er durch das fünfstündige Finale gegen Nadal zu ausgelaugt war (schonwieder dieser Nadal!) oder aber, weil es ihm im Rücken zwackte. 

Doch jetzt, nach fast zehn Jahren, ist es endlich zu unserem ersten Treffen gekommen. Mit neuem Schläger in schwarz und einer für seine Verhältnisse bisher nicht besonders gut gelaufenen Saison, wirkt Federers Spiel allerdings nicht mehr so leicht und unbeschwert. Klar, ist seine Rückhand immer noch die Schönste auf der ganzen Tour, aber irgendetwas scheint sich verändert zu haben. Ich sitze oben auf der Tribüne des Centre Courts am Rothenbaum und versuche zu ergründen, wieso er sich gegen Federico Delbonis so schwer tut. Gegen einen Qualifikanten, die Nummer 114 der Welt. Früher, so rufe ich mir die Erinnerungen an diverse Erstrundenpartien ins Gedächtnis, hat Federer gegen solche Spieler kurzen Prozess gemacht. Allerdings macht er nun zu viele Fehler und trifft auch einige Bälle trotz des größeren Schlägerkopfes, mit dem Rahmen. Es wirkt, als wüsste er nicht weiter, kann sein Spiel nicht umstellen oder eine Schippe drauf legen, wie er es sonst einfach getan hat, wenn es einmal nicht so lief. Dann ist es schon passiert. Nach drei unerzwungenen Fehlern Federers, gewinnt Delbonis das Spiel mit 7:6 und 7:6. Federer gratuliert im dennoch herzlich und verlässt anschließend schnell mit traurigem Gesicht den Centre Court.
 

Es bleibt zu hoffen, dass er noch einmal zu seiner Form zurück findet und sein Tief überwindet. Die Chancen dafür stehen gar nicht schlecht, denn wie er einst selbst gesagt hat: Es gibt eigentlich keinen Tag, an dem ich nicht die Lust verspüre, Tennis zu spielen.“

Ich hoffe das natürlich ganz besonders. Denn ich möchte gerne noch viele Nachtschichten für meinen Lieblingsspieler Roger Federer einlegen. 

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