Mercedes Cup 2009 – Day 7

Stuttgart will grüner werden – mit einem Rasenturnier

Von Tim Böseler



Seit 1916 wird am Stuttgarter Killesberg auf der Anlage des TC Weissenhof ein Herrenturnier von internationalem Format ausgespielt und zwar auf Sand. Mit dieser Tradition wollen der Club und die Vermarktungsagentur emotion, die den 1979 eingeführten Mercedes-Cup seit 2007 veranstaltet, nun brechen. Möglich werden diese Bestrebungen durch den Terminkalender im Welttennis, der ab 2015 zwischen den Grand Slam-Turnieren von Paris und Wimbledon einen Zeitraum von nicht mehr nur zwei Wochen vorsieht. Es sollen künftig drei Wochen zwischen den beiden Highlights liegen, so dass sich die Rasensaison im Vorfeld von Wimbledon um eine Woche verlängert. Dieses Zeitfenster will der Mercedes-Cup für sich nutzen.

„Es ist richtig, dass wir den Weg zu einem Rasenturnier gehen wollen“, bestätigte Turnierdirektor und emotion-Chef Edwin Weindorfer eine Anfrage von tennismagazin.de. „Wir werden eine entsprechende Bewerbung bei der ATP einreichen.“ An dem Bewerbungsverfahren der ATP für die zusätzliche Woche auf Rasen direkt im Anschluss an die French Open dürfen sechs europäische Sandplatzturniere teilnehmen: Stuttgart, Umag, Bastad, Hamburg, Kitzbühel und Gstaad. Neben Stuttgart soll auch Gstaad (Schweiz) dazu entschlossen sein, einen Wechsel auf Rasen zu vollziehen. Umag (Kroatien) und Bastad (Schweden) wollen angeblich ihren Termin behalten, hinter Kitzbühel steht ein Fragezeichen. In Hamburg kann man sich einen Wechsel des Belags derzeit nicht vorstellen. Detlev Hammer von der veranstaltenden Agentur Hamburg Sports & Entertainment sagte zu tennismagazin.de: „Wir beschäftigen uns nicht mit solchen Plänen.“

Neuer Standort wird im März 2013 verkündet

Die ATP will das Bewerbungsverfahren, für das potenzielle Kandidaten bis zum 7. Dezember ihre Unterlagen eingereicht haben müssen, nicht weiter kommentieren. Ein Sprecher teilte lediglich mit: „Es gibt derzeit viele Gespräche. Welche Kandidaten im Rennen sind, wird von uns nicht kommuniziert.“ Feststeht dagegen, dass die ATP beim Masters-Turnier von Miami (18. bis 31. März 2013) bekannt geben will, welcher Turnierstandort den Zuschlag erhält.
Die Stuttgarter rechnen sich dafür gute Chancen aus. „Wir sind von unserer Bewerbung überzeugt“, bekräftigte Weindorfer, der mit seiner Agentur die möglichen Investitionen übernehmen wird. Denn falls Stuttgart in ein Rasenturnier umgewandelt werden sollte, müssen laut ATP-Forderungen mindestens fünf Grasplätze gebaut werden. Weindorfer kann sich der vollen Unterstützung des TC Weissenhof sicher sein, der auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung Ende Oktober den möglichen Veränderungen auf der Clubanlage zu fast 100 Prozent zustimmte. Die Stuttgarter Pläne sehen vor, fünf der 17 Sandplätze in Rasencourts umzuwandeln und zwar dauerhaft. Eine temporäre Lösung nur für den Zeitraum eines Rasenturniers halten die Macher für wenig zweckmäßig, weil dann die angestrebte hohe Qualität des Rasens nicht gewährleistet wäre. Für die Mitglieder des TC Weissenhof bedeutet das: Sie hätten falls es soweit kommt künftig die Wahl zwischen Sand- und Rasentennis. „Es hat uns selbst überrascht, so viel Rückhalt für unsere Pläne bei den Mitgliedern zu bekommen“, sagte der zweite Vorsitzende des TC Weissenhof, Dr. Georg Kauffeld.

„Mini-Rasen-Serie“ in Deutschland

Von den Plänen erhoffen sich die Stuttgarter Visionäre eine Aufwertung ihres Turniers, das zuletzt mit zurückgehenden Zuschauerzahlen und einem eher durchschnittlichen Teilnehmerfeld zu kämpfen hatte. „Ein Wechsel auf Rasen kann dem Turnier einen erheblichen Aufschwung geben“, vermutet Bernd Nusch, der 33 Jahre lang Turnierdirektor am Killesberg war und nun eine beratende Tätigkeit für die Umstrukturierung des Turniers ausübt. 

Falls Stuttgart tatsächlich zu einem Rasenevent werden sollte, hätte das große Auswirkungen auf die deutsche Turnierszene. Mit zwei aufeinanderfolgenden Turnieren auf Gras in Stuttgart und Halle im Vorfeld von Wimbledon gäbe es eine hoch attraktive „Rasen-Mini-Serie“ in Deutschland. Das könnte selbst die Topstars der Szene, von denen einige eh regelmäßig in Halle antreten, nach Stuttgart locken entsprechende Antrittsprämien vorausgesetzt. Hamburg, als 500er-Event immer noch Deutschlands größtes Turnier, würde dagegen in der Phase nach Wimbledon isoliert dastehen.

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