Wii11.jpg

Wii-Tennis im Wohnzimmer

Yoshi und Naomi haben keine Chance. 0:40 liegen sie schon hinten. Kein Wunder: Sie haben auch keine Arme. Stattdessen umklammern sie mit frei schwebenden Händen den Tennisschläger und versuchen, den Ball übers Netz zu bugsieren.
 
Yoshi und Naomi sind Spielfiguren beim Wii-Tennis von Nintendo. Und sie verlieren nicht aufgrund ihrer anomalen Anatomie, sondern weil der Gegner gut im Training ist. Der Gegner bin ich. Oder besser gesagt: Ich in Form von zwei identisch aussehenden Spielfiguren, die von mir kreiert wurden: rote Klamotten, blonde Haare und coole Sonnenbrille. Eine virtuelle Nina steht vorne am Netz, eine andere an der Grundlinie. Und da ich in den letzten Tagen viel geübt habe, besitzt das Duo bereits Profi-Status.



Nicht schläfrig im Sofa

Eigentlich hasse ich Videospiele. Warum hängen Menschen stundenlang vor der Glotze rum und drücken stumpf irgendwelche Knöpfe? Aber Wii-Tennis ist anders. Ich hänge dabei nicht schläfrig im Sofa rum. Im Gegenteil: Schon nach wenigen Minuten auf dem virtuellen Court schwitze ich. Die Spielfiguren bewegen sich nämlich nur, wenn ich die Bewegungen in echt mache. Das bedeutet: Ich stehe mitten in meinem Wohnzimmer und schlage imaginäre Vor- und Rückhände, während auf dem Bildschirm die kleinen Figuren über einen quietschgrünen Rasen flitzen. Alles, was ich mache, machen sie mir nach. Manchmal beschimpfe ich die virtuellen Gegenspieler und stampfe wütend mit dem Fuß auf den Boden (das ahmen die Spielfiguren aber nicht nach).Einen richtigen Schläger zum Schmeißen habe ich nicht. Stattdessen nur die Wii-Fernbedienung, die per Funk meine Schlagbewegungen auf den Fernsehschirm überträgt. Sie ist mit einer Schlaufe am Handgelenk befestigt. Die Gefahr ist zu groß, dass sie bei all dem Elan aus der Hand flutschen und mit Karacho durchs Fenster krachen könnte. Eine Teetasse, die nicht mit ausreichend großem Sicherheitsabstand auf dem Couchtisch platziert war, musste bereits dran glauben.

Keine anspruchsvolle Konsole

Ich habe das Videospiel mit der Zeit lieb gewonnen. Es hat mir mehr gebracht als einfach nur Spaß. Wii-Tennis brachte mir die Möglichkeit, Tennis zu spielen, während einer Zeit, in der ich aufgrund einer Handgelenkverletzung keine realen Bälle schlagen konnte. Über ein halbes Jahr musste ich pausieren, weil meine Rechte zu nichts zu gebrauchen war. Also stieg ich auf Wii-Tennis um. Hier musste ich zum ersten Mal mit links spielen. Und das klappte richtig gut. Denn: In Sachen Schlagausführung und Technik ist die Wii-Konsole nicht sonderlich anspruchsvoll. Wer mit der Fernbedienung einigermaßen zielsicher rumfuchtelt, hämmert Kanonenaufschläge ins Feld, peitscht krachende Vorhände übers Netz und versenkt locker tödliche Volleys. Im topfitten Zustand hätte ich diese Tatsache höchstwahrscheinlich als stümperhafte Fehlentwicklung kritisiert. Als Verletzungsgeplagte war sie meine Rettung.

Für den richtigen Court ist meine linke Hand durch das Wii-Tennis allerdings nicht fit geworden. Vom Rechts- zum Linkshänder habe ich mich nicht verwandelt. Inzwischen ist meine Rechte aber endlich einsatzbereit. Im Wohnzimmer duelliere ich mich nur noch selten mit Yoshi und Naomi. Denn auch wenn es schwieriger und technisch anspruchsvoller ist als das Computer-Gebolze: Echtes Tennis auf einem echten Platz macht immer noch am meisten Spaß!

Spiel, Satz, Sieg – großes Tennis hier bei uns im Livescore! Verpasst kein Match! Klickt Euch rein: http://www.tennismagazin.de/livescore/