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WTA Elite Trophy in Zhuhai: Steffi Graf als Brückenbauerin

Im Anschluss an die WTA Finals in Singapur beginnt am 31. Oktober die WTA Elite Trophy in Zhuhai (China). Drei deutsche Damen spielen bei der sogenannten B-WM eine wichtige Rolle: Julia Görges und Angelique Kerber als Teilnehmerinnen – sowie Steffi Graf als Turnierbotschafterin.


Die Bilder sollten um die Welt gehen, doch so richtig mitbekommen haben es damals nicht viele Tennisfans: Steffi Graf, die sich seit ihrem Karriereende mit Auftritten in der Öffentlichkeit eher zurückhält, steht auf einer riesigen Brücke im chinesischen Zhuhai, spielt ein paar Bälle mit der Französin Caroline Garcia und stellt sich, in sportlich enger weißer Jeans, mit ein paar Bauarbeitern für ein rustikales Daumen-Hoch-Gruppenfoto zur Verfügung.

Steffi Graf

BRÜCKENMATCH: 2016 trat Steffi Graf auf einem fertigen Teilstück der Hongkong-Zhuhai-Macao-Brücke zu einer Showpartie gegen Caroline Garcia an.

Die Fotos entstanden vor gut einem Jahr, als Graf erstmals ihren Verpflichtungen als Turnierbotschafterin der WTA Elite Trophy nachkam. Ja, die deutsche Tennislegende übt diese Funktion nicht etwa bei einem deutschen Turnier und auch nicht bei einem der besseren WTA-Events aus – sondern bei der leicht fragwürdigen B-WM in Zhuhai. 2017 wird Graf erneut dort präsent sein.

Graf gab Kindertraining

„Ich freue mich sehr, auch 2017 als Turnier-Botschafterin der WTA Elite Trophy anzutreten“, sagte Graf schon im Mai. „Vergangenes Jahr war ich zum ersten Mal in China und in Zhuhai – eine wunderschöne Stadt. Es war eine unglaubliche Erfahrung, all diese chinesischen Fans zu treffen, Tennis auf der neuen Brücke zu spielen und das Finale zu sehen.“ Die 22-malige Grand Slam-Siegerin spielte damals nicht nur auf einem frisch eingeweihten Teilstück der riesigen Hongkong-Zhuhai-Macau-Brücke. Sie gab auch einigen chinesischen Kindern Tennistraining und war bei der Siegerehrung am Finaltag dabei. So viel Präsenz der „Gräfin“ würde sich jeder Turnierveranstalter für sein Event wünschen. Warum Graf aber ausgerechnet in China als Botschafterin auftritt, bleibt ihr Geheimnis.

Feststeht: Die B-WM ist in den letzten Jahren enorm gewachsen – vor allem in finanzieller Hinsicht. Erstmals fand das Turnier 2009 auf Bali statt – damals noch unter dem Namen WTA Tournament of Champions. Das Gesamt-Preisgeld betrug 600.000 US-Dollar. Von 2012 bis 2014 wurde das Turnier in Sofia ausgerichtet, wo es 750.000 US-Dollar Preisgeld gab. Seit 2015 findet es nun in der chinesischen Touristen-Metropole Zhuhai (1,6 Millionen Einwohner) statt. Im Vergleich zur Premieren-Veranstaltung vor acht Jahren wird 2017 fast das Vierfache an Preisgeld an die Spielerinnen verteilt – nämlich insgesamt 2,2 Millionen US-Dollar.

„China wacht langsam auf“

Bis einschließlich 2019 soll das Turnier in Zhuhai bleiben. Ob Steffi Graf so lange auch als Turnierbotschafterin tätig sein wird, ist nicht bekannt. Zhuhai jedenfalls, an Chinas Südküste verkehrsgünstig gelegen zwischen Macau und Hongkong, erhofft sich von dem Turnier eine starke Wirkung. „Die Stadt wird ihre internationale Bekanntheit und die Qualität des kulturellen Lebens ihrer Einwohner weiter verbessern, indem sie mehr Sport- und Unterhaltungsveranstaltungen einführt“, sagte im November 2015 Zhuhais stellvertretender Bürgermeister Long Guangyan der China Daily. Und Turnierdirektor Peter Johnston frohlockte 2016: „Tennis ist in China im Vergleich zu anderen Teilen der Welt, wo es seit vielen Jahren ein traditioneller Sport ist, relativ neu. Aber China wacht in Sachen Tennis langsam auf, was eine großartige Nachricht für die Erweiterung des Sports als ein wahrhaft globales Spiel ist.“

Veranstalter der WTA Elite Trophy ist die in Zhuhai ansässige Agentur Huafa Sports Operations Management, die für die Popularität ihres Turniers bereits im vergangenen Jahr in 26 chinesischen Städten Amateur-Wettbewerbe durchführte. Die Entscheidungsspiele für die Freizeitspieler finden parallel zum großen Profi-Event statt. 10.000 Spieler will die Huafa Sports durch diese Maßnahme erreicht haben. Die Küstenstadt Zhuhai, die „Stadt der 1.000 Inseln“, erhofft sich von all den Initiativen vor allem eins: mehr Touristen. Zhuhai gilt als „lebenswerteste und nachhaltigste Stadt Chinas“. Davon sollen sich nach Möglichkeit auch immer mehr internationale Touristen überzeugen.

Das Teilnehmerfeld 2017

Die Spielerinnen, die bereits in Zhuhai antraten, sind – natürlich – voll des Lobes für das noch recht frische WTA-Turnier. Viele schwärmten von den wunderbaren Einrichtungen und den kurzen Wegen. Qualifiziert für die B-WM sind automatisch die Spielerinnen, die nach den letzten regulären WTA-Turnieren (Moskau, Luxemburg) auf den Weltranglistenplätzen neun bis 19 stehen, hinzu kommt eine Wildcard-Spielerin. Die zwölf Teilnehmerinnen werden in vier Dreiergruppen eingeteilt. Die vier Gruppensiegerinnen erreichen die Halbfinals. Es gibt 120 Weltranglistenpunkte für jeden Gruppensieg. 40 Punkte erhält die Verliererin. Ein Finaleinzug bringt weitere 200 und der Finalsieg 260 Punkte ein. Das heißt: Eine ungeschlagene Siegerin bekommt 700 Punkte. Das sind fast so viele wie ein Halbfinaleinzug bei einem Grand Slam (780 Punkte).

Wir werfen einen kurzen Blick auf die diesjährigen Teilnehmerinnen in Zhuhai:

Kristina Mladenovic ist zwar die Topgesetzte, gilt allerdings nicht als Turnierfavoritin. Sie verlor ihre letzten zehn Matches und das allesamt gegen nichtgesetzte Gegenerinnen. Bis auf ein Spiel kassierte sie nur Zweisatz-Pleiten. Sie konnte allerdings in den ersten fünf Monaten durch ihren ersten WTA-Titel in St. Petersburg und mehrere Finalteilnahmen (Acapulco, Stuttgart und Madrid) beeindrucken.

Coco Vandeweghe spielte vor allem bei den Grand Slams groß auf. Sie erreichte das Halbfinale in Melbourne und New York sowie das Viertelfinale in Wimbledon. Die an zwei gesetzte US-Amerikanerin steht außerdem aktuell auf der höchsten Position ihrer Karriere (12).

Sloane Stephens war bis Wimbledon verletzt und gab dort ihr Comeback als 336. der Weltrangliste. Sie verlor in der ersten Runde, startete danach aber richtig durch. Die 24-jährige triumphierte überraschend bei den US Open, als sie sich im Finale gegen Madison Keys durchsetzte. Seitdem gewann sie aber kein Match mehr.

Anastasia Pavlyuchenkova gewann insgesamt drei Turniere – in Monterrey, Rabat und Hong Kong. Die Russin erreichte außerdem das Finale in Tokio sowie das Viertelfinale bei den French Open und Indian Wells. Sie stand allerdings noch nie in den Top Ten, obwohl sie insgesamt schon elf Turniere gewann.

Anastasija Sevastova spielt die beste Saison ihrer Karriere und wird mit einen 15. Platz im Ranking belohnt. Sie gewann auf Mallorca und kam in Dubai und Madrid bis ins Halbfinale. Die 27-jährige Lettin schied in den letzten drei Turnieren allerdings spätestens in der zweiten Runde aus.

Elena Vesninas beste Resultate 2017 waren der Sieg in Indian Wells und der Viertelfinaleinzug in St. Petersburg. Sie steht auf Position 17 der Welt und qualifizierte sich sogar im Doppel mit Ekaterina Makarova für die WTA-Finals.

Julia Görges sicherte sich erst kurz vor Schluss das Ticket für die WTA Elite Trophy – dank ihres Turniersieges in Moskau. Insgesamt machte die 29-Jährige seit Saisonbeginn 36 Plätze gut. Im besten Fall kann sie sich noch weiter bis auf Position 14 verbessern, was rein rechnerisch noch möglich wäre. Allerdings hängt das auch vom Abschneiden der Konkurrentinnen ab. Für die Deutsche wäre es die höchste Platzierung ihrer Karriere (bisher 15).

Angelique Kerber rutschte dieses Jahr 18 Plätze ab, ist nur noch die Nummer 19 der Weltrangliste. Sie gewann 2017 kein Turnier und konnte zahlreiche Punkte aus dem Vorjahr nicht verteidigen. Kerber schied oftmals früh aus und erreichte nur in Monterrey das Finale. Auch bei den Grand Slams kam sie nicht über zwei Achtelfinalteilnahmen hinaus.

Ashleigh Barty triumphierte in Kuala Lumpur und kam in Birmingham und Wuhan bis ins Finale. Die erst 21-Jährige rückte von Position 325 bis auf die Nummer 20 vor. Sie nimmt, genau wie Elena Vesnina, ebenfalls in Singapur im Doppel teil – gemeinsam mit Casey Dellaqua.

Magdalena Rybarikova gelang zwar dieses Jahr kein Turniersieg, aber sie kam in Linz bis ins Finale. Dazu stand die Slowakin in Wimbledon und Nottingham im Halbfinale. Sie gewann insgesamt schon vier Titel und steht momentan auf ihrer höchsten Position überhaupt (22).

Barbora Strycova triumphierte in Linz gegen Rybarikova und gewann ihren zweiten Titel auf der Tour. Außerdem stehen drei Finalteilnahmen in der aktuellen Saison zu Buche. Vor wenigen Wochen erreichte die Tschechin ihre bislang höchste Ranglistenplatzierung (16).

Shuai Peng erhielt von den Turnierveranstaltern eine Wildcard, um als einzige Chinesin teilzunehmen. Sie steht momentan auf Position 27 und ihr größter Erfolg 2017 war der Titel in Nanchang. 2011 schloss sie die Saison schon mal als 17. der Welt ab.

ZHUHAI 2016: Petra Kvitova (mit Pott) gewann gegen Elina Svitolina (mit Tablett). Ganz rechts: Turnierbotschafterin Steffi Graf.

Wem Steffi Graf nach dem Finale am 5. November den Pokal überreichen wird, ist komplett offen. Eine Topfavoritin gibt es jedenfalls nicht. Aus deutscher Sicht wäre es natürlich wünschenswert, wenn Graf am Ende Julia Görges oder Angelique Kerber beglückwünschen könnte. 2016 überreichte sie den Sieger-Pokal an Petra Kvitova, die im Finale gegen Elina Svitolina gewann. Beide sind ein Jahr später nicht in Zhuhai am Start. Svitolina qualifizierte sich für die „A-WM“ in Shanghai. Kvitova musste wegen einer schweren Handverletzung, die ihr ein Einbrecher zufügte, lange Zeit pausieren.

(Moritz von Blittersdorff/timbö)

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