Carina Witthöft

Carina Witthöft: „Es gibt schönere Sachen, aber es gehört dazu“

Carina Witthöft im Interview mit tennis MAGAZIN über ihren ersten WTA-Titel, die Off-Season, ihre Ernährung und Freundschaften auf der Tour. 



Frau Witthöft, Sie haben in Luxemburg Ihren ersten WTA-Titel gefeiert. Wie lange hielt das Glücksgefühl an?

Das ist schwierig zu sagen. Normalerweise geht es direkt im Anschluss mit dem nächsten Turnier weiter. Nach Luxemburg begann ja die Off-Season. Dadurch, dass kein neues Turnier und keine Niederlage kamen, bin ich mit diesem guten Gefühl in die Pause gegangen.

Sie mussten in der ersten Runde gegen Varvara Lepchenko Matchball abwehren und standen schließlich mit dem Turniersieg da. Ein Indiz dafür, wie eng Erfolg und Misserfolg im Damentennis beieinanderliegen?

Definitiv. Es war fast schon gelaufen. Ich kann mich erinnern, dass sie einen recht leichten Volley hatte und den ins Netz geschlagen hat. Und dann gewinne ich plötzlich das Turnier. Das liegt manchmal so nah beieinander.

Sie haben nach Ihrem Turniersieg nur zwei Wochen Pause gemacht und sind Anfang November schon wieder ins Training eingestiegen. Ist Ihnen der luxuriöse Urlaub wie bei vielen Ihrer Kolleginnen nicht so wichtig? 

Ich entscheide mich bewusst dafür, zu Hause zu bleiben. Ich bin das ganze Jahr unterwegs und sehe nur Hotelzimmer. Auf die Fliegerei habe ich auch nicht sonderlich Lust. Daher bin ich froh, dass ich zwei Wochen zu Hause in Hamburg war und Zeit für meine Freunde hatte.

Sie sprechen stets von Ihrer großen Liebe zu Hamburg. Was ist so faszinierend an dieser Stadt?

Hamburg ist bekanntlich die schönste Stadt der Welt. Es gibt so viele schöne Ecken und schöne Viertel. Meine Familie und mein Freundeskreis sind hier. Das macht es noch mal doppelt so attraktiv.

Sie haben früher Kunstturnen gemacht und boxen auch gelegentlich im Training. Inwiefern lassen Sie andere Sportarten in Ihren Trainingsalltag einfließen bzw. was können Sie von anderen Sportarten lernen?

Das ist eine Menge. Vom Kunstturnen habe ich sehr viel mitgenommen. Ich bin immer noch sehr beweglich und komme immer noch in den Spagat. Beim Kunstturnen ist man bis in die Fußspitzen angespannt. Boxtraining machen viele Tennisspieler, wie ich immer auf Videos sehe. Das kann man gut einbauen und zusätzlich als Konditionstraining integrieren.

Welchen Stellenwert hat die Off-Season für Sie?

Die zwei Wochen Pause tun unglaublich gut, um einmal komplett raus aus dem Tennisalltag zu kommen. Die Trainingswochen sind dafür da, um neue Sachen zu erarbeiten. Die Zeit hat man im Laufe des Jahres nicht. Deshalb ist die Off-Season ein wichtiger Bestandteil. Aus meiner Sicht könnte sie etwas kürzer sein. Sechs bis sieben Wochen Training am Stück können sehr anstrengend sein, so wie ich es mache. Ich bin immer hin- und hergerissen. Es war schon schön, nach Luxemburg Pause zu haben, aber sieben Wochen auf der anderen Seite sehr lang. Ich nehme es so, wie es ist.

Gibt es bestimmte Trainingsübungen, die Sie gar nicht mögen und bei denen Sie sich überwinden müssen?

Da gibt es nichts, was ich nicht mag. Beim High-Intensity-Training geht man an die Belastungsgrenze ran. Es gibt schönere Sachen, aber es gehört dazu. Ich merke schnell die Fortschritte, daher mache ich dies dann auch sehr gerne.

Haben Sie eine Lieblingsübung, auf die Sie sich freuen und wo man weiß, dass es dem Körper richtig guttut?

Es gibt viele Sachen, die ich direkt ins Spiel übertragen kann, zum Beispiel die Medizinballwürfe. Oder auch Übungen für Schnelligkeitsausdauer. Die Übungen sind zwar super anstrengend, aber nach der Erholung merkst du sofort, dass du fitter geworden bist.

Die Psyche hat im Tennis einen großen Anteil. Wie trainieren Sie Ihren Kopf?

Ich mache mit meiner Mutter viel Mentaltraining und auf Turnieren meist selbst. Daran arbeite ich stetig.

Als Profisportlerin müssen Sie sehr auf Ihre Ernährung achten. Wie sieht es bei Ihnen aus?  

Ich habe eine Zeitlang komplett auf Zucker verzichtet. Davon bin ich wieder abgekommen, versuche jedoch, Zucker soweit es geht zu vermeiden. Beim Weizen ist es ebenfalls so, dass ich darauf nahezu komplett verzichte. Gelegentlich esse ich aber auch mal eine Pizza.

Wie ist es zu diesem Verzicht gekommen?

Beim Weizen habe ich gemerkt, dass ich es nicht so gut vertrage, wenn ich es regelmäßig esse. Über das Thema Zucker hat meine Mutter viel gelesen. Der chemische Zucker ist nicht gut für den Körper. Ich habe es dann einmal richtig ausprobiert.

Gibt es ein Laster, das Sie sich trotzdem gönnen?   

Natürlich, da gibt es ein paar Dinge. Jetzt in der Weihnachtszeit habe ich Kekse gebacken und dann auch gegessen, allerdings mit Dinkelmehl. Da kommt dann auch Zucker rein.

Ihre Mutter war die letzten Monate Ihre Trainerin. Wird es 2018 so bleiben?

Ich habe mich für 2018 komplett neu aufgestellt. Ich habe einen neuen Physio und einen neuen Fitnesstrainer, Lukas Tesch. Er schreibt mir die Trainingspläne. Mit Lukas und meinem neuen Trainer Bijan Wardjawand, der früher mit Anna-Lena Friedsam gearbeitet hat, werde ich 18 Wochen im Jahr zusammenarbeiten sowie ein paar Trainingstage in Hamburg. Als festen Co-Trainer und Hitting Partner werde ich Jonas Lütjen haben, mit dem ich ein paar Turniere alleine machen werde. Nach Australien kommen Bijan und Jonas mit. Am 26. Dezember fliegen wir los und starten mit dem Turnier in Brisbane.

Sie stehen wieder in den Top 50 und kurz vor ihrem Career High (Platz 49). Wie ist die Zielsetzung für 2018?

Die Etablierung in den Top 50 ist natürlich ein Ziel. Allerdings versuche ich mich nicht so an Zahlen zu orientieren, sondern eher die Trainingsinhalte umzusetzen. Dann kommt das andere automatisch.

Es ist immer wieder die Rede davon, dass es im Damentennis kaum möglich ist, Konkurrentinnen und gleichzeitig Freundinnen zu sein. Stimmt diese Einschätzung?

Es ist unterschiedlich. Einige auf Tour sind gut befreundet. Ich finde es schwierig, weil man sich zu selten sieht, jeder sein Ding macht und die Stimmung meist recht angespannt ist. Ich verstehe mich mit vielen Spielerinnen gut, vor allem mit den deutschen. Meine Freunde habe ich zu Hause.

Wären Ihnen Freundschaften auf der Tour überhaupt wichtig?

Letztendlich ist es ein Job, den wir machen. Ich finde es wichtig, dass man ein paar Kolleginnen hat, mit denen alles passt, sich gut versteht und es keine Zickereien gibt. Außerdem hast du dein Team, mit dem du viel unternimmst.

Sie sind sehr aktiv auf Social Media. Wie wichtig ist Ihnen Ihr Bild in der Öffentlichkeit?

In der heutigen Zeit ist es schwierig, als Profi da herumzukommen. Es ist ein Teil davon. Wenn man eine Person des öffentlichen Lebens ist, gehört es für mich dazu.

Sie präsentieren sich auf Instagram gerne in modischen Outfits. Ist eine Karriere im Mode-Business nach dem Tennis vorstellbar?

Ja, ich interessiere mich sehr für Mode. Das sieht man ja auch auf den Fotos. Meine Schwester hat Modemanagement studiert. Ich habe dann immer gesagt, dass ich das später auch machen möchte. Das Modebusiness ist auf jeden Fall eine Option.

Wie wichtig ist Ihnen gutes Aussehen auf dem Platz?

Mir ist das schon wichtig. Das ist auch kein Geheimnis. Ich bin aber nicht eine, die geschminkt auf den Platz geht.

Das Damentennis wird in der öffentlichen Wahrnehmung oft nur auf Äußerlichkeiten reduziert. Attraktive Spielerinnen bekommen meist mehr Aufmerksamkeit als erfolgreiche Spielerinnen. Stört Sie das?

Ich urteile darüber nicht und nehme es so hin, wie es ist. Es ist ein bisschen schade für diejenigen, die sportlich erfolgreich sind. Allerdings muss man auch sagen, dass es den Sport attraktiv macht, wenn attraktive Spielerinnen auf dem Platz stehen. Man kann immer beide Seiten sehen.

Zum Schluss: Sie sind bekennender Helene-Fischer-Fan. Hat es inzwischen mit einem Konzertbesuch geklappt?

Ja, meine Agentur hat dafür gesorgt, dass ich zu einem Konzert konnte. Es war sehr witzig. Mit Helene würde ich auch ein Selfie machen. Das habe ich noch nicht mit vielen Leuten gemacht.

tM-Redakteur Christian Albrecht Barschel traf Carina Witthöft in ihrer Saisonvorbereitung auf 2018.

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