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Elena Dementieva: „Ich spiele nicht, um berühmt zu sein.“

Frau Dementieva, Sie spielen seit mehr als zehn Jahren auf der Tour und gehören schon lange zur Weltspitze. Warum dauerte es so lange, bis Sie bei den Olympischen Spielen Ihren ersten großen Titel in Peking holten?
Moment, ich war schon zweimal in einem Grand Slam-Finale und holte Silber in Sydney 2000 das ist gar nicht so schlecht. Aber es stimmt: Mir fehlte ein großer Sieg. Zum Glück habe ich das nun endlich geschafft. Jetzt kann keiner mehr sagen, dass mir in großen Finals die Nerven versagen. Ich bin keine ewige Zweite mehr!



Wie wichtig ist Ihnen die olympische Goldmedaille?
Für mich ist sie das Größte überhaupt. Meine ganze Saisonplanung war auf Peking ausgerichtet, andere Turniere waren mir nicht so wichtig. Nach Wimbledon habe ich nur ein Turnier vor den Olympischen Spielen bestritten. Die restliche Zeit habe ich in Florida verbracht, um unter ähnlichen, schwülheißen Bedingungen wie in Peking zu trainieren. Es war eine gute Entscheidung. Ich war besser vorbereitet als die
anderen Spielerinnen.
Woher kommt Ihre Begeisterung für Olympia?
Das ist ganz einfach: Wenn ich jemandem in Russland erzähle, dass ich die Siegerin eines Grand Slam-Turniers bin, wissen viele nicht, was das bedeutet. Wenn ich aber sage: Ich bin Olympiasiegerin, dann weiß jeder Bescheid. Seit ich ein kleines Kind war, wollte ich Gold holen.

Andere Spielerinnen träumen eher von einem Sieg in Wimbledon.
Ich weiß. Aber ich habe eine etwas andere Einstellung als viele meiner Kolleginnen. Den meisten geht es um gute Preisgelder und tolle Sponsorenverträge. Das interessiert mich alles nicht so sehr. Mir geht es um den Sport. Und um die Goldmedaille.

Als Olympiasiegerin könnte man Sie bestimmt gut vermarkten.
Kann sein. Aber über so etwas denke ich nicht nach. Das entspricht nicht meinem Naturell. Ich wollte nie übermäßig reich werden. Und ich spiele nicht Tennis, um berühmt oder im Fernsehen zu sein.

Ihre Mutter begleitet Sie immer zu Turnieren. Ausgerechnet in Peking fehlte sie. Warum?
Es war schwierig zu organisieren. Wir hätten nicht zusammen wohnen können. Sie ist dann zu Hause geblieben und hat alles im Fernsehen gesehen. Als ich das Endspiel gewann, rief sie mich als Erste an. Ich konnte sie erst nicht verstehen, weil sie so weinte. Dann sagte sie: Du hast dein Ziel erreicht! Da habe ich auch geheult.

In welcher Form haben Sie Ihr Karriere-Highlight gefeiert?
In meiner Euphorie wollte ich mir eine Tätowierung stechen lassen. Die Olympischen Ringe sollten auf meinen Unterarm.

Das ist nicht Ihr Ernst?
Doch. Ich war kurz davor. Bei einigen anderen Olympiasiegern hatte ich so eine Tätowierung gesehen. Nur: Meine Eltern waren dagegen. Sie haben es mir verboten. Kaum war ich zu Hause in Moskau, sagten sie: Vergiss das mit dem Tattoo! Als brave Tochter habe ich das akzeptiert.

Wie schwierig war es, sich nach Olympia wieder für die Tour zu motivieren?
Ziemlich. Als ich mich auf die US Open vorbereiten musste, war ich mit meinen
Gedanken noch in Peking. Ich saß stundenlang vor dem Fernseher, um die letzten Entscheidungen und die Abschiedsfeier zu verfolgen. Dabei hätte ich trainieren oder schlafen sollen.

Die Nummer 1 wechselt zur Zeit ständig. Hätten Sie Interesse an der Position?
Natürlich. Nach dem Justine (Henin, Anm. d. Red.) einfach aufgehört hat, ist das Rennen völlig offen. Ich sehe keine Spielerin, die ähnlich konstant ist wie sie zuvor.

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