Ehrgeizig wie früher: Sampras bei einem Showmatch gegen Dominik Hrbaty im November 2008.
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Federer und Nadal spielten überwiegend von der Grundlinie. Zu Ihrer Zeit war das anders.
Oh ja. Heute ist am Ende des Turniers immer noch alles grün in der
Mitte des Platzes. Als ich spielte, war der Court ein Acker, es gab
überhaupt keinen Rasen mehr. Es ist schade, dass es kein
Serve-and-Volley mehr gibt. Es hat immer Spaß gemacht, Angreifer gegen
Verteidiger zu sehen. Aber das wird es wohl nicht mehr geben. Die Tage
von Edberg, Becker, Ivanisevic und mir sind vorbei. Heute spielen alle
von hinten und prügeln den Filz vom Ball. Roger besitzt die
Fähigkeiten, nach vorne zu kommen, aber er tut es nicht oft.
Viele haben das kritisiert. Es hieß, von der Grundline sei Federer gegen Nadal chancenlos. Wie würden Sie gegen ihn spielen?
Ich würde ständig ans Netz vorrücken. Mit Serve-and-Volley bin ich
aufgewachsen. Das war das Spiel, das man mir beigebracht hat. Ich bin
mir sicher: Ich wäre auch heute sehr erfolgreich damit. Ich würde nur
ein anderes Racket wählen. Der Schläger, den ich in den 90ern spielte,
war zu klein, maß nur 580 Quadratzentimeter.
Haben Sie jemals daran gedacht, nach Wimbledon zurückzukehren?
Nicht als Profi. Aber ich vermisse Wimbledon. Ich würde dort gerne noch
einmal spielen. Ich werde den Club fragen, ob ich einmal ein
Trainingsmatch absolvieren kann. Ich würde es auch gerne meinen Kindern
zeigen. Es ist ein historischer Ort, der eng mit meiner Karriere
verbunden ist. Es gibt nichts Vergleichbares. Da wurde der Champion
Sampras geboren.
Dieses Jahr könnte Federer Ihren Rekord von 14 Grand Slam-Titeln dort brechen…
… und die Chancen stehen gut, dass ich im Publikum sitzen werde.
Wäre es schlimm, wenn er Sie überholt?
Nein. Er hat viele Slams mit Leichtigkeit gewonnen. Es wäre schön, wenn
mein Rekord für die Ewigkeit hielte. Aber wenn es jemand verdient hat,
ihn zu verbessern, dann passt mir Roger ganz gut. Er ist so ein
fantas-tischer Botschafter unserer Sportart und auch ein Freund seit
unserer Asien-Tournee. Wenn es so weit ist, werde ich mich nur
zurücklehnen, zusehen, es respektieren. Rekorde sind da, um gebrochen
zu werden. Aber ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell gehen kann.
Könnten Sie sich vorstellen, dass auch Rafael Nadal Ihren Rekord bricht?
Er hat immer die Chance, Paris und Wimbledon in Folge zu gewinnen. Er
könnte zehn, zwölf Majors auf seinem Konto haben, wenn er in Rente
geht, vielleicht auch mehr. Die nächsten fünf Jahre werden spannend
sein, weil diese beiden Jungs unglaublich spielen. Vielleicht wird das
Duell Federer gegen Nadal bedeutender sein als alle anderen in der
Geschichte.
Muss man sich nicht um Nadal sorgen? Er hat immer wieder Verletzungsprobleme.
Er muss unglaublich hart arbeiten, um seine Matches zu gewinnen. Das
kann auf Dauer nur gutgehen, wenn er seine Turniere smart auswählt. Die
Sandplatzsaison ist seine große Zeit, aber auch dort wird er
Prioritäten setzen müssen. Nadal ist ein Tier, doch auch sein Körper
wird irgendwann seinen Tribut fordern.
Wie schätzen Sie Andy Murray ein?
Ich bin beeindruckt von ihm. Er steht nur einen Tick hinter Federer und
Nadal. Er hat das Spiel, ist sehr zäh, bewegt sich ausgezeichnet. Sein
nächster Schritt wird sein, ein Grand Slam-Turnier zu gewinnen. Paul
Annacone, ein guter Freund von mir (
Anm. der Red.:
Jetzt zuständig als Chefcoach für den britischen Verband), kennt ihn
gut. Er sagt: Dieser Bursche hat Tonnen von Talent. Und er ist erst 21.
Haben Sie in Ihrer Karriere etwas bereut?
Vielleicht hätte ich meinen Schläger wechseln sollen. Ich war ziemlich
dickköpfig mit meinem Equipment – immer das gleiche Racket, die gleiche
Saite, die gleiche Bespannungshärte. Da hätte ich offener für Neues
sein müssen. Aber sonst? Ich habe alles getan, was ich konnte, hart
gearbeitet. Ich war sechs Jahre in Folge die Nummer 1, siebenmal habe
ich Wimbledon gewonnen. Viel mehr geht nicht.
Aufgezeichnet von Andrej Antic