ATP Shanghai Rolex Masters 2016 – Day 5

Alex Zverev: Zwischenstation auf dem Weg zum Champion

Alexander Zverev gewann 2016 seinen ersten Titel, besiegte Roger Federer und kletterte in die Top 20. Aber er wurde auch häufig kritisiert. Das Fazit einer fast beendeten Saison.

Es wurde in diesem Jahr eine Menge über Alexander Zverev geschrieben. Man hat ihn für große Matches gegen Roger Federer oder Tomas Berdych gelobt. Man hat ihn für seinen ersten Titelgewinn vor wenigen Wochen in St. Petersburg als jüngsten deutschen Turniersieger seit Boris Becker 1985 gefeiert. Man hat ihn für seine Olympia- und Davis Cup-Absagen kritisiert und ihn für sein zuweilen etwas ungehobeltes Verhalten auf und abseits des Courts getadelt. Man hat sich darüber echauffiert, dass Zverev wohl nie das Prädikat des Gentleman tragen wird, so wie es sich Federer oder Rafael Nadal über viele Jahre erarbeitet haben. Dafür hat man Zverev Ecken und Kanten attestiert, die ihm zumindest eines verleihen: ein spezielles Charisma, das ihn vielleicht als „schwierigen Typen“ dastehen lässt, jedoch nie als Langweiler.

Zverev: „Muss Muskelmasse aufbauen und körperlich stärker werden“

Alexander Zverev

Deutschlands Nummer eins: Alexander Zverev gehört inzwischen zu den Top 20.

Zverev wird seine Saison nach diesem Wochenende in Stockholm beenden. Vielleicht als Turniersieger und zweifacher Titelträger 2016. Möglicherweise aber auch mit einer unspektakulären Niederlage. Der Verzicht des 19-Jährigen auf einen Start in Basel oder Wien sowie beim letzten Masters1000-Turnier in Paris-Bercy könnte sich mittelfristig als kluger Schachzug erweisen. „Jez Green (Fitnesscoach, Anm. d. Red.) will mit mir wieder zwei Monate in der Off-Seasion arbeiten, damit ich für nächstes Jahr perfekt vorbereitet bin“, erklärte Zverev kürzlich. Green, das ist der Mann, der auch schon Andy Murray drillte und der heute im „Team Zverev“ die wichtigen Entscheidungen trifft, wenn es um Turnier- und Trainingsplanung geht. Die Botschaft hinter dem verfrühten Saisonende ist deutlich: Starke Auftritte auf der kleinen Bühne werden registriert, Erfolge bei 250er-Turnieren als Durchgangsstation gewürdigt. Aber der Fokus soll schon ab Januar 2017 auf den „Big Events“ liegen. Das langfristige Ziel sind Grand Slam-Siege, das naheliegende Vorhaben der Sprung in die Top Ten. „Ich denke, es kommt jetzt die Zeit, in der ich richtig gut bei den großen Turnieren abschneiden kann. Aber dafür muss ich noch viel Muskelmasse aufbauen und körperlich stärker werden“, sagt Zverev.

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  1. Stefan Höfel

    Zunächst ein Danke an Alex für seinen freundlichen Kommentar. Warum Zverev noch so kurz vor Abschluß seiner Saison ein Fazit „bekommt“, weiß ich nicht. Man hätte doch das Spiel gegen Tobias Kamke und den weiteren Turnierverlauf in Stockholm abwarten können. Da Zverev keine weiteren Turniere in 2016 spielen wird, ist seine Jahresende-Placierung von den Leistungen der dann noch aktiven Spielern abhängig.
    Wenn Zverev mit 19 Jahren am Jahresende auf Platz 20 stehen sollte, könnte er einem Spieler nacheifern, dem das auch gelang. Sollte Zverev das Nacheifern auch in den nächsten Jahren gelingen, wäre er der erfolgreichste deutsche Tennisspieler, denn Ende 1979 mit 19 Jahren stand auf Platz 20 ein gewisser Ivan Lendl. Und der war auch ohne Wimbledonsieg (bei den Senioren) erfolgreicher als Boris Becker.

  2. Alexandra

    Zverev hat sich in diesem Jahr stark verbessert. Keine Frage. Wie es mit ihm weitergeht wird sich zeigen. Man sollte allerdings noch auf dem Teppich bleiben. Die Kritiken, die hier erwähnt wurden, hat er durchaus zu Recht bekommen. Eigene Symbole, ala Rafa, Fed, Djoker, erspielt er sich nur durch große Erfolge, nicht durch Manager.
    Spieler, die sich nicht so schlecht benehmen, sind allerdings nicht gleichbedeutend mit Langweiler. Es gibt sicher andere, wie Kyrgios, die sich absolut nicht benehmen können, hoffentlich orientiert sich Zverev nicht an ihm, sondern an den Großen des Sports.

  3. Stefan Höfel

    Ich kann nicht nachvollziehen, dass Alexander Zverev weder in Basel oder Wien noch in Paris spielen möchte. Er wäre in Basel oder Wien an 8 (nun Sock bzw. Karlovic) und in Paris an 16 (nun Cuevas) gesetzt worden. Zumindest die in Paris erspielten Punkte wären in die Weltrangliste eingegangen. Zwei Monate Vorbereitung kann er im November und Dezember immer noch haben. Da finden Turniere direkt vor der Haustür statt und dann spielt Deutschland bester Tennisspieler nicht. Die Daviscup-Absage wegen des anderen Belags war hingegen nachvollziehbar und sinnvoll. Da musste nun in Basel der ältere Bruder „einspringen“ und Wawrinka bei dessen Heimspiel bezwingen. Hoffentlich trauern Sascha und sein Team diesen Gelegenheiten nicht noch nach.

  4. Alex

    Ich denke, es geht hier nicht um eine „normale“ Vorbereitung. Vielmehr will er wohl vor allem muskulär seinen Körper an die Belastungen der Tour anpassen und plant dafür mehr Zeit ein. Er ist ja noch sehr jung, das sollte man nicht vergessen. Ich bin zwar kein professioneller Fitnesstrainer, aber er wird da wohl schon ganz gut beraten sein…

  5. Stefan Höfel

    In dem Bericht wurde diese spezielle Art der Vorbereitung ja auch benannt. Aber man hätte ja auch auf die Asien-Turniere und mit damit verbundenen Probleme wie Anreise und Zeitverschiebung verzichten können und nach St. Petersburg nur noch Stockholm, Wien/Basel und Paris spielen können. Wahrscheinlich hatte man ja schon vor einigen Monaten die Turnierplanung vorgenommen und damals schon die Pause nach Stockholm eingeplant. Trotzdem irgendwie schade.

  6. Stefan Höfel

    In der aktuellen Weltrangliste ist Alex Zverev um eine Position abgerutscht und als neue Nr. 21 nicht mehr in den Top 20. Aber ist die Weltrangliste von heute überhaupt richtig? Da ich Zweifel an Zverevs Punktzahl 1.745 habe, habe ich meinem ATP-Kontakt das mitgeteilt. Mal sehen, was er antwortet. Mir ist aufgefallen, dass in Zverevs Wertung zwar die 10 Punkte für Cincinnati, die 10 Punkte für Toronto und die 25 Punkte für Miami eingeflossen sind, aber nicht die 45 Punkte für Monte Carlo. Alle diese 4 Turniere gehören zur Masters1000-Serie, wobei Miami sogar vor Monte Carlo stattfand. Würde Zverev 35 mehr Punkte in der Wertung haben, also 45 statt 10, dann wäre er noch in Top 20! Die „noch aktuelle Nr. 20“ hat 1.760 Punkte, während Zverev auf 1.780 kommen würde.

  7. Stefan Höfel

    Mein ATP-Kontakt in den USA hat meine Mitteilung bekommen und hat mir die Prüfung zugesagt. Ist zwar „unwichtig“, aber wenn schon Rangliste, dann bitte richtig!
    Vielleicht folgt heute noch mehr.

  8. Stefan Höfel

    Die ATP-Antwort ist da. Allerdings negativ überraschend. Die 45 Punkte von Alex Zverev für das Erreichen der zweite Runde beim 1000er Turnier in Monte Carlo sind nicht in der Wertung, weil Monte Carlo „hier“ als 500er Turnier gezählt wurde. Der Grund dafür ist mir nicht bekannt, weshalb ich noch einmal nachgefragt habe. Mir gefällt es nicht, dass die Rangliste permanent nach neuen Regeln aufgestellt wird, ob nun Punkteinflation oder mal Punkte für Daviscup und mal nicht. Ich beschäftige mich seit über 25 Jahren mit der Tennisweltrangliste, aber dann fallen mal Bonuspunkte weg, dann …. Zum Vergleich: Ivan Lendl war 1990 mit 3.420 Punkte die Nr.1. Heute bekommt man schon für zwei Grand-Slam-Titel 4.000 Punkte. Mit 3.420 Punkten würde man über 26 Jahre später nur auf Platz 8 stehen.

  9. Schwelli

    Monte Carlo wird wahrscheinlich als 500er gewertet, weil dort seit einiger Zeit im Gegensatz zu den anderen 1000er Turnieren keine Pflicht zur Teilnahme mehr für die Topspieler besteht, was das Turnier vom Status her von den anderen „richtigen“ Masters-1000-Turnieren unterscheidet.

  10. Schwelli

    Es gibt ja auch 1000 Punkte. Es ist aber trotzdem kein „normales“ 1000er mehr, weil wie oben beschrieben die Pflichtteilnahme der Topspieler nicht mehr existiert und damit das Teilnehmerfeld potentiell schwächer ist. Dass MC nicht ein 500er ist, haben die Macher vor Gericht erstritten, die ATP wollte Monte Carlo analog zu HH den Masters-Status komplett nehmen. Das jetzt ist die Kompromisslösung. Und so ein Kompromiss beinhaltet eben meist eine gewisse „Unvollkommenheit“.

  11. Alex

    Sorry, aber wenn es für den Sieg in MC 1000 Punkte gibt, müssen ja auch alle anderen Runden analog zum 1000er Status bepunktet werden, oder was soll das – bitte allein in Bezug auf die Punktevergabe – für eine Kompromisslösung sein?
    Das passt so einfach nicht, wenn wie von SH beschrieben für das Erreichen der 2. Runde in MC nur die Punkte für ein Turnier auf 500er Ebene vergeben werden… Anders ausgedrückt: Die ATP kann doch nicht nach Belieben die in MC erzielten Punkte moderieren. Oder hat Nadal für seinen Sieg heuer auch nur 500 Punkte erhalten? (Hinweis: Hat er nicht…)

    • Stefan Höfel

      Hi Alex,

      ich habe nicht geschrieben, dass Zverev Punkte wie für ein 500er Turnier bekommen hat. Er erhielt für Monte Carlo 45 Punkte. Das ist die Punktzahl für das Erreichen der dortigen zweiten Runde.

  12. Schwelli

    Ich sage doch nicht, dass das eine glückliche Lösung ist. Ich beschreibe dir nur, wie es ist. Als Masters-Turniere kommen nur die 8 Pflicht-Masters-Turniere in die Wertung und zu denen gehört MC nicht. Es ist sozusagen das 9. Rad am Wagen der Masters -Serie. Es mag wie ein 1000er heißen, es gibt Punkte wie beim 1000er, aber in die Wertung für die Rangliste kommen diese Punkte so, als wären sie bei einem 500er oder 250er Turnier erzielt worden. Von denen kommen nur die besten 6 Turniere in die Wertung und da gibt es in diesem Jahr eben „zu viele“ Turniere, bei denen Zverev mehr Punkte geholt hat, als in MC.

  13. Alex

    Ja, das ist mir schon klar – aber das müsste dann meiner Meinung nach von der ATP auch so kommuniziert werden, und das ist, zumindest auf der ATP Homepage, für mich nicht der Fall…

  14. Schwelli

    Das steht auf der ATP-Website dort, wo erklärt wird, welche Turniere beim einzelnen Spieler in die Wertung kommen. Gut, dass mag versteckt sein, aber bei jedem anderen einzelnen 250er/500er Turnier steht ja auch kein Warnhinweis „Achtung, Punkte kommen nur in die Wertung, wenn das Ergebnis zu den besten 6 der letzten 52 Wochen gehört.“

  15. Stefan Höfel

    Hallo, aber die ATP wertet Monte Carlo unterschiedlich, denn bei Nadal und Murray wird es unter den gewerteten 1000er Turnieren genannt, bei Zverev unter den nicht berücksichtigten Turnieren. Mich würde interessieren, wo Monte Carlo bei Zverev aufgeführt worden wäre, wenn er dort im VF ausgeschieden wäre und dafür 180 Punkte erhalten hätte. Das Ganze ist irgendwie unbefriedigend. Auch bei der WTA. Da wird wieder eine Spielerin mit zwei Vorrundenniederlagen ‚Weltmeisterin“. Und für jede Vorrundenniederlage gibt es dann erneut 70 Weltranglistenpunkte.

  16. Schwelli

    Monte Carlo ist ein 1000er Turnier, das aber aufgrund der Nichtantrittspflicht nach den Regeln für 500er in die Wertung genommen wird oder nicht. Die Regel kann man gut oder schlecht finden, sie existiert aber, ist bekannt und wird auf alle Spieler gleich angewandt, von daher gibt es da keine Ungerechtigkeiten. Wenn es bei Zverev in die Wertung gekommen wäre, würde es bei ihm auch unter 1000er aufgeführt werden – genau wie bei Nadal oder Murray oder Granollers…
    Das ist nicht ganz unlogisch, weil es 1000er-Punkte gibt, das Ding Masters heißt und usw. und nur eine Zusatzregel dann bei einigen Spielern das Turnier zu den Non-Countable-Tournaments schickt.
    Wie oben beschrieben: Das ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss, sondern eine „Notlösung“, die MC gegen die ATP mehr oder weniger vor Gericht erstritten hat. Wenn es nach der ATP gegangen wäre, würde MC nur noch ein stinknormales 500er wie Hamburg sein.

  17. Stefan Höfel

    Aber es ist schon eigenartig. Ich habe mal die Punkte der in Monte Carlo 2016 erfolgreichsten Spieler „untersucht“. Alle acht Viertelfinalisten haben das MC 2016-Ergebnisse in ihrer Wertung. Bei 5 dieser 8 Spieler ist das in MC erzielte Ergebnis das bisher beste bei einem 1000er Turnier in diesem Jahr! Neben Zverev haben auch Thiem und Kohlschreiber MC nicht in der Wertung, obwohl sie dort mehr Punkte erzielt haben als bei anderen 1000er Turnieren. Diese spezielle Status von MC ist ja unstrittig, aber eine übersichtliche und sofort nachvollziehbare Regelung bei der Punktevergabe wäre wünschenswert. Ich finde, dass es nichts bringt, wenn die Bonuspunkte gestrichen wurden und „dafür“ dann andere „Verschlimmbesserungen“ eingeführt werden. Danke Schwelli für Deine Hinweise.


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