Maximilian Marterer

Deutsche Tennismeisterschaften: Alle Jahre wieder in Biberach

Die Deutschen Tennismeisterschaften finden zum neunten Mal in Biberach an der Riß statt. Prominente Namen fehlen zwar, doch das Event hat trotzdem einen großen Charme.



Das Ristorante Hühnerfeld ist in diesen Tagen rappelvoll. Aus den Lautsprechern schallt Toto Cutugnos „Sono italiano“. An Tischen und auf braunen Lederbänken sitzen Spielerinnen und Spieler, Betreuer und Eltern. Dicke Tennistaschen stehen herum. Es sind Deutsche Meisterschaften. Alle Jahre wieder finden sie in Biberach an der Riß statt, eine Kreisstadt mit 32.000 Einwohnern rund eineinhalb Autostunden südlich von Stuttgart gelegen.

Von Biberach heißt es, es sei eine der reichsten Städte Deutschlands. Wovon die „DM“, die erstmals vor zehn Jahren hier ausgetragen wurden, profitieren. Man könnte auch sagen: Die Biberacher sind stolz auf das Turnier und unterstützen es tatkräftig. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass die Auslosung erstmals im Rathaus stattfand und nicht wie sonst in der Vier-Felder-Halle des TV Biberach-Hühnerfeld, dem Bezirksstützpunkt des Württembergischen Tennis-Bundes (WTB). „Die Stadt Biberach und die Deutschen Meisterschaften gehören zusammen“, sagt dann auch Oberbürgermeister Norbert Zeidler fast pathetisch.

Saison-Aufsteiger und Youngsters dabei

Über die Zukunft hat man sich bislang noch nicht offiziell geäußert, aber alle Beteiligten gehen davon aus, dass es nächstes Jahr weitergeht. Was den Charme der Veranstaltung ausmacht: Es sind zwar nicht, wie es der Name Deutsche Meisterschaften vermuten lassen könnte, Deutschlands Beste am Start, aber das Event ist immer wieder gespickt mit Namen, die in der Zukunft eine große Rolle spielen könnten. „Nachdem das Feld in den letzten Jahren etwas schwächer war, ist es diesmal sowohl in der Spitze als auch in der Breite hervorragend besetzt“, sagt Davis Cup-Kapitän Michael Kohlmann, der sich die Talente vor Ort anschaut.

Wohlgemerkt die Herren-Konkurrenz mit Maximilian Marterer, der sich in diesem Jahr unter die Top 100 geschoben hat, Davis Cup-Debütant Yannick Hanfmann (Nummer 119) und Lokalheld Yannick Maden, der noch nie besser in der Weltrangliste platziert war als aktuell (148). Die Nummer vier der Setzliste ist ebenfalls kein Unbekannter – Daniel Masur, seit Berlin 2016 ebenfalls Davis Cup-Akteur. Nimmt man dazu die Youngster Louis Weßels, Rudi Molleker und Marvin Möller dazu, kann man durchaus von einem attraktiven Teilnehmerfeld sprechen, wovon sich die Zuschauer in der Halle für einen Obolus von 25 Euro (Wochenticket) überzeugen können und externe Tennisinteressierte per Livestream ab dem Viertelfinale (von Freitag bis Sonntag auf der Facebook-Seite des DTB).

Erst Biberach dann Melbourne?

Bei den Damen heißen die Topgesetzten: Tamara Korpatsch (WTA 167) sowie die Spitzenspielerinnen aus dem Porsche Talent Team Antonia Lottner (154) und Katharina Hobgarski (281). Zum Leidwesen der Veranstalter fiel die an Position zwei Gesetzte Anna Zaja vom TEC Waldau Stuttgart wegen einer Sprunggelenksverletzung aus. Bei den US Open kam sie dieses Jahr überraschend ins Hauptfeld – keine schlechte Visitenkarte.

Zaja hätte sicherlich ein wenig darüber hinweggetäuscht, dass das Damenfeld etwas dünn ist. Die Comebackerin Anna-Lena Friedsam, die fast die ganze Saison wegen einer Schulteroperation ausfiel, hätte man in Biberach gern gesehen.

Aber was soll’s: Die Stimmung ist gut, die Halle gut gefüllt, die Parkplätze knapp – und Pizza & Pasta im Ristorante Hühnerfeld schmecken so gut wie jedes Jahr. Ach ja: Die Siegerin und der Sieger kassieren je ein Preisgeld von 3.600 Euro. Für normale Maßstäbe ein ziemlich guter Wochenlohn. Andererseits: Sollte der ein oder andere Teilnehmer in ein paar Wochen in Melbourne in der ersten Runde antreten, bewegt er sich in anderen Dimensionen. Da gibt es dann knapp 50.000 US-Dollar für das erste Match.

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