Alles richtig gemacht, Roger Federer!

Roger Federer hat bekanntgegeben, dass er seine bisher „magische“ Saison nicht in Roland Garros fortsetzen wird, sondern gleich auf Rasen geht. Für die meisten Tennisfans weltweit ist das eine traurige Entscheidung, aus Federers Sicht eine sehr nachvollziehbare.


Roland Garros ohne Roger Federer

2009 erfüllte sich Roger Federer seinen Traum vom Paris-Triumph. Er gewann im Finale mit 6:1, 7:6, 6:4 gegen den Schweden Robin Söderling, der als erster Rafael Nadal in Roland Garros eine Niederlage zugefügt hatte.

 

Kürzlich vermeldete die „L’Equipe“ noch ein klares Indiz, dass sich Roger Federer für und nicht gegen eine Teilnahme im Stade Roland Garros entschieden hat. Er habe bei den Organisatoren der French Open 36 Dosen des offiziellen Turnierballs bestellt, wollte die französische Sportzeitung erfahren haben. Tja, und ich selber habe mich ganz schön blöd verpokert, als ich für die neue tM-Ausgabe, die ab diesem Freitag am Kiosk ausliegt, auf Federer als Paris-Sieger getippt habe. Eigentlich nur, weil mein Chefredakteur sich als erster Rafael Nadal als glasklaren Toptoptop-Favoriten-Tipp geschnappt hatte.

Aber ich dachte auch irgendwie: 2017 erleben wir ein federeskes Jahr, in dem alles möglich erscheint. Auch, dass der „Maestro“ mal eben die restliche Sandplatzsaison auslässt, nur lässig bei ein paar Matches for Africa aufschlägt und eine Schlangen-Jacke in die New Yorker Met austrägt, um dann in Paris wie Phoenix aus der roten Asche aufzutauchen. Man konnte es sich im Kopfkino so schön ausmalen, wie er seinen eleganten, 35-jährigen Körper umhegt – umringt von Palmen und Zwillingen – und mit den French Open-Bällen seine neue Rückhand perfektioniert. Mit dieser war er in den ersten drei Fedal-Duellen des Jahres auf einmal nicht mehr bezwingbar gewesen für Nadal.

Federer will noch „viele Jahre“ weiterspielen

Aber seien wir mal ehrlich: Es wird auch ihm nicht entgangen sein, wie der Derwisch Nadal in Monte Carlo, Barcelona und Madrid alles in Grund und Boden spielte. Der Spanier hat sich genauso neu erfunden wie sein Schweizer Dauerrivale. War der „Clay-King“ „Rafa“ je besser als aktuell? Deswegen und auch, weil Federer und sein Körper noch „many years to come“ weiterspielen wollen (wie er selbst in seinem Statement schrieb), war es nur konsequent und vollkommen sinnvoll, dass er Paris auslässt. Soll Nadal doch seine „la Décima“ – die 10 – vollmachen!

Federer hat sein letztes Match auf Sand im Mai in Rom 2016 bestritten, als er im Achtelfinale Dominic Thiem unterlag. Der 18-fache Grand-Slam-Turniersieger verliert also noch nicht einmal Weltranglistenpunkte, weil er bei den French Open im Vorjahr auch nicht antrat – damals wegen seiner Rückenverletzung.

Federer wird erst in Stuttgart zurückkehren

Federer, den man in einem Facebook-Video-Schnipsel vom 11. Mai in Dubai auf Hartcourt trainieren sah (auch das war ja schon ein Indiz!), fokussiert sich nun voll auf die Rasensaison. Er wird erst wieder in Stuttgart und Halle zurückkehren – für das deutsche Tennispublikum ist das eine schöne Sache. Federer schrieb in seiner French Open-Absage auch, dass seine Saisonstart „magisch“ gewesen sei, aber seine Turnierplanung der Schlüssel für seine „Lebensdauer“ als Tennisprofi sei. Natürlich hat er Recht. Der Trainingsaufwand des Wechsels auf Sand ist einfach zu groß für Federer. Insgesamt kann man nur sagen: Alles richtig gemacht. Alles Roger! Seine Pariser Fans vertröstete er mit den Worten: „See you next year.“ Aber ob er jemals ins Stade Roland Garros zurückkehren wird?

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  1. Stefan Höfel

    Ob Federer wirklich alles richtig gemacht hat, wird man wohl erst nach Wimbledon sagen können. Aber sein Schritt ist absolut nachvollziehbar, auch weil er auf Rasen erfolgreicher ist als auf Sand. Das war bei Lendls French-Open-Verzicht 1990 anders, denn Lendl war, wie allgemein bekannt ist, auf Sand erfolgreicher als auf Rasen. 1989 gewann Lendl vor den French Open, wo er ja gegen Chang ausschied, die Sandplatzturniere in New York (Forest Hills) und Hamburg. In Queens holte er im Anschluß an die French Open dann seinen ersten Turniersieg auf Rasen, den er dann 1990 sogar erfolgreich verteidigen konnte, nach Erfolgen über John McEnroe (HF) und Boris Becker (Finale). Wimbledon gewann er zwar auch 1990 nicht, da er im HF gegen den späteren Turniersieger Edberg ausschied, aber der Finalsieg in Queens über den damals noch amtierenden Wimbledonsieger (von 1989) Becker war Beckers deutlichste Rasenniederlage in der gesamten Profi-Karriere! Das klingt zwar unglaublich, stimmt aber!


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