TENNIS-FRA-OPEN-WOMEN

Kerber muss reagieren!

Angelique Kerber steckt momentan in einer Krise. Die Weltranglistenerste muss umdenken, denn in Wimbledon hat die Deutsche viele Ranglistenpunkte zu verteidigen. Andere Topspieler befanden sich in ähnlichen Situationen und sind neue Wege gegangen.



In Paris wurde es fast zum geflügelten Wort: „Irgendetwas wird sich ändern müssen“, sagte Angelique Kerber nach ihrer Pleite in Runde eins gegen Ekaterrina Makarova. Nebenbei bemerkt: Wer von einer harten ersten Runde sprach, wurde ein Match später eines Besseren belehrt. Da verlor die Russin 2:6, 2:6 gegen Lesia Tsurenko, Ukrainerin, 27 Jahre alt, die Nummer 42 der Welt.

Kerber muss reagieren

Keine Ranglistenpunkte verloren: Obwohl Angelique Kerber bei den French Open bereits in der ersten Runde gegen Ekaterina Makarova (li.) ausschied, büßte sie keine Punkte ein – Denn auch 2016 scheiterte Kerber bereits in Runde eins (gegen Kiki Bertens).

Von Offenbach in US Open-Halbfinale

Kerber ist die Nummer eins. Und ja: Sie befindet sich in einer Krise, der größten sportlichen Krise, seit sie 2011 nach neun Erstunden-Niederlagen schon über ein Karriereende nachdachte. Damals zog sie sich zum Training in die Schüttler-Waske-Akademie nach Offenbach zurück. Ein paar Wochen später katapultierte sie sich ins Halbfinale der US Open – die Initialzündung für ihren märchenhaften Aufstieg.

 2017 gab es bislang fünf Niederlagen im Auftaktmatch (keine Erstrundenpleiten wohlgemerkt, als Weltranglistenerste gibt es abgesehen von den Grand Slam-Turnieren ein Freilos („Bye“) in der ersten Runde). Nur: Geändert hat sich bisher nichts. Kerber trainiert mit ihrem Team auf Mallorca, um sich auf Rasen vorzubereiten. Sie spielt ein Showmatch in Halle und bestreitet dann ihre Generalprobe für Wimbledon in Birmingham. Von Veränderung keine Spur.

Beltz kein schlechter Trainer

Apropos: In Wimbledon stand sie letztes Jahr im Finale, spielte ein fantastisches Match gegen Serena Williams. Der Druck ist hoch. Der Druck ist zurzeit immer hoch für Kerber, weil die Angst mitspielt, das zu verlieren, was sie erreicht hat. Deswegen braucht sie Hilfe von außen. Einen Impuls. Das heißt nicht, dass Torben Beltz gehen muss. Beltz war letztes Jahr Trainer des Jahres. Er hat wesentlich dazu beigetragen, dass Kerber die Nummer eins wurde. Er ist nicht plötzlich ein schlechter Trainer.

Former German tennis player Steffi Graf in the Royal Box on Centre Court on day nine of the 2012 Wimbledon Championships tennis tournament at the All England Tennis Club in Wimbledon, southwest London, on July 4, 2012. AFP PHOTO / LEON NEAL RESTRICTED TO EDITORIAL USE (Photo credit should read LEON NEAL/AFP/GettyImages)

Steffi Graf stand Angelique Kerber schon einmal zur Seite. Vielleicht könnte die ehemalige Topspielerin der deutschen Nummer eins erneut helfen.

Kerber muss auf Becker zugehen

Aber: Das altbewährte Team steckt in einer Sackgasse. Kerber braucht einen zusätzlichen Berater. Und da ist der Manager Aljoscha Thron gefragt. Sponsorendeals sind das eine, aber in dieser Situation zählt nur die Fokussierung auf den Sport. Notfalls muss er Kerber, der Veränderungen schwerfallen, zu ihrem Glück zwingen. Natürlich war klar, dass Boris Becker nicht ihr Trainer wird. Das hat auch Becker bestätigt. Aber: Er hat die Tür aufgemacht. Er hat Hilfe angeboten. Und einer, der siebenmal im Finale von Wimbledon stand, der durch alle Höhen und Tiefen – als Spieler und als Coach – gegangen ist, kann definitiv helfen. Kerber muss auf ihn zugehen und nicht er auf sie.

Andere Tennisgrößen haben ebenfalls reagiert

Steffi Graf könnte helfen. Sie tat es auch schon, als Kerber sie in Las Vegas besuchte. Hat das Management alle Versuche unternommen, mit Becker oder Graf in Kontakt zu treten? Ich habe meine Zweifel. Es geht nicht darum, dass sie eine neue Vorhand lernt. Es geht um eine grundlegende Analyse ihrer Situation. Man könnte auch sagen: Es geht um Psychologie. 

 Krisen haben alle Größen des Tennis durchlaufen. Aber sie haben reagiert. Nadal griff auf seinen alten Mentor Moya zurück, Federer engagierte Edberg, als es bei ihm nicht lief. Djokovic holte Agassi. Kerber muss jetzt auch handeln. Ansonsten droht nichts Geringeres als der Verlust Ihrer Karriere.

Spiel, Satz, Sieg – großes Tennis hier bei uns im Livescore! Verpasst kein Match! Klickt Euch rein: http://www.tennismagazin.de/livescore/


  1. Bonhomme Richard

    Sehe ich genauso wie Herr Antic. Bei Kerber kommt noch ein Gesichtspunkt hinzu: sie hat mit ihren inzwischen 29 Jahren nicht mehr die gleiche Zeitspanne für einen Turnaround zur Verfügung wie mit 24 oder 25. Je älter sie wird, desto schwieriger wird es für sie werden – und es wird mit ständig steigender Quälerei verbunden sein – Terrain zurück zu erobern, das sie in den kommenden Wochen bis hin zu den US Open auf Rasen und Hartcourts verlieren könnte. Dabei geht es gar nicht so sehr darum, die Nr. 1 zu verteidigen, aber die Gefahr besteht, dass sie aus den Top Ten rausfällt! Wenn das passiert, glaube ich bei ihr nicht mehr an ein Comeback. Sie ist keine – ohnehin deutlich jüngere – Wozniacki.

    Deshalb muss sie JETZT die Initiative für Veränderungen ergreifen, und nicht erst dann wenn es zu spät ist! SIE selbst, SIE persönlich muss sie ergreifen und nicht andere für sie! Und als allererstes muss sie sich selbst die Frage beantworten, ob sie noch hungrig genug und bereit ist, sich selbst zu quälen. Schnulzig könnte man das Ganze überschreiben mit: „Schicksalswochen für Angelique“.

  2. Michl

    HALLO,

    WARUM LAßT IHR ANGIE KERBER NICHT SELBER ENTSCHEIDEN.SIE HAT ZWAR NICHT DIE BESTE SAISON.ABER SIE WILL KEINE VERÄNDERUNGEN.DAS SOLLTE MAN AKZEPTIEREN.

  3. Bonhomme Richard

    Selbstverständlich soll und wird sie ihre Entscheidung selbst treffen, und diese müssen alle akzeptieren. Aber jede Entscheidung zieht nunmal Konsequenzen nach sich, das wird auch ihr klar sein. Meine Prognose: falls sie sich entschließt, weiterzumachen wie bisher, wird das angesichts ihrer wackligen mentalen Verfassung unweigerlich zum Absturz aus der Weltspitze führen.

  4. Conny

    Wie alt ist den die Williams – da stehen Angie noch einige Jahre bevor um wieder in die Erfolgsspur zu kommen – ein Berater wie Becker könnte ihr bestimmt helfen

    • Bonhomme Richard

      Die beiden Williams-Schwestern sind hinsichtlich ihres fortgeschrittenen Alters absolute Ausnahmen. Ich glaube nicht, dass Kerber da wird mithalten können. Normal ist, dass jenseits der 30 der Leistungszenit überschritten ist und die Kurve sich senkt, bei der einen Spielerin langsamer, bei der anderen schneller. Entsprechend werden sie dann auch in der WTA-Rangliste durchgereicht. Sam Stosur, die Italienerinnen, die Tschechinnen – zahlreiche Beispiele belegen das.

      Als Alternative für Kerber zu den bereits genannten Becker und Graf würde mir z.B. Tommy Haas einfallen. Nach Beendigung seiner aktiven Karriere in diesem Jahr wäre es ja vielleicht auch für ihn eine reizvolle Aufgabe, Angie wieder auf die Sprünge zu helfen. Oder sie schaut sich nach Hilfe im Ausland um. Leider ist Darren Cahill ja wieder an Halep gebunden.


Schreibe einen neuen Kommentar