Belinda Bencic

Belinda Bencic: Unter dem Radar zurück zum Erfolg

Belinda Bencic legte nach ihrem Comeback einen rasanten Saisonendspurt hin. Die 20-jährige Schweizerin gewann in Dubai ihr drittes Turnier in Folge.



Die WTA-Saison 2017 ging Anfang November mit der WTA Elite Trophy in Zhuhai zu Ende. Das Tennisjahr war damit aber noch längst nicht zu Ende. Auch danach gab es neben dem Fed Cup-Finale zwischen Weißrussland und den USA hochklassiges Tennis. Das letzte größere Turnier fand vergangene Woche in Dubai statt. Beim mit 100.000 US-Dollar dotierten ITF-Event in Dubai gingen prominente Namen an den Start, darunter die für zwei Monate wegen Dopings gesperrte Sara Errani, Patty Schnyder und Timea Babos.

Den Turniersieg sicherte sich eine Spielerin, die im Februar 2016 bereits die Nummer sieben der Welt war: Belinda Bencic. Die Schweizerin, gerade mal 20 Jahre alt, ist auf einem rasanten Weg zurück in die Weltspitze. Bencic blieb in Dubai ohne Satzverlust und profitierte im Finale von der verletzungsbedingten Aufgabe von Ajla Tomljanovic. Die Australierin, On-Off-Freundin von Nick Kyrgios, musste nach verlorenem ersten Satz (4:6) wegen einer Leistenverletzung aufgeben. „Das Jahr mit einem Sieg zu beenden, ist toll. Ich glaube, das ist das erste Mal, das ich das geschafft habe. Ich spiele derzeit richtig gut. Darüber bin ich sehr glücklich“, kommentierte die Turniersiegerin.

Von 318 auf Platz 74

Für Bencic war es der dritte Turniersieg in Folge. Vor Dubai gewann sie bereits die WTA-Challenger in Hua Hin (Thailand) und in Taipeh (Taiwan). Die Schweizerin kehrte im September nach einer Operation am linken Handgelenk und einer fünfmonatigen Turnierpause auf die Tour zurück. Ihre Bilanz seitdem ist beeindruckend: 28:3-Siege, vier Titel und der Sprung im WTA-Ranking von 318 auf Platz 74. Sie hat auch das geschafft, was bei ihrem Comeback nicht allzu realistisch war: die direkte Qualifikation für das Hauptfeld bei den Australian Open.

Bencis Leidenszeit begann, kurz nachdem sie im Februar 2016 in die Top Ten eingezogen war. Eine Handgelenksverletzung machte ihr immer wieder zu schaffen, was auch zum Verzicht auf die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro führte. Nach zahlreichen Erstrundenniederlagen zog die 20-Jährige die Konsequenzen und entschied sich für eine Operation. „Ich werde stärker und hungriger denn je zurückkehren“, schrieb sie vom Krankenbett. Und Bencic ließ bereits Taten folgen. Sie gewann gleich ihr Comeback-Turnier, das ITF-Event in St. Petersburg: der Beginn von drei starken Monaten. „Besonders der Sieg in St. Petersburg war unglaublich, weil es gleich beim ersten Turnier nach dem Comeback geschah! Genau solche Erfolge braucht es, um sich wieder zurückzukämpfen“, erzählte sie im Interview mit der Tageszeitung Blick.

„Ich fühlte mich wie ein Tiger im Käfig“

Der Weg von Bencic kannte zunächst nur eine Richtung: steil nach oben. Erstes WTA-Finale mit 17 Jahren, zwei WTA-Titel im Alter von 18, Sieg gegen Serena Williams. Die Schweizerin war noch nicht mal 19 Jahre alt, da hatte sie bereits sechs Endspiele auf der WTA-Tour erreicht. Die Tenniswelt war sich einig: Bencic ist eine zukünftige Grand Slam-Siegerin und Nummer eins der Welt. Dazu noch attraktiv, smart und witzig. Sie hat das Komplettpaket, um der kommende Star im Damentennis zu sein.

Dass es nicht immer in eine Richtung gehen kann, musste die 20-Jährige in den letzten Monaten schmerzhaft erfahren. Das Nichtstun machte ihr zu schaffen, wie sie dem Blick erklärte. „Ich fühlte mich wie ein Tiger im Käfig. Ich bin halt schon ein Wettkampftyp, ohne Punkte kann ich nicht…Die Zwangspause war mühsam, ich bin zuhause fast durchgedreht, konnte nichts machen, außer Puzzles.“ Bencic versuchte, das Handgelenk konservativ zu behandeln. Die Operation war die letzte Möglichkeit. „Nach der Handgelenkverletzung wusste ich nicht, was kommt. Ich war nur schon happy, dass ich ohne Schmerzen eine Rückhand spielen konnte. Zum Glück schmerzte es seit der Operation gar nie, ich brauchte nicht einmal ein Tape.“

Von Roger Federer lernen

Aus der Zwangspause will die 20-Jährige lernen und sich an Landsmann Roger Federer orientieren. Sie will cleverer planen und weniger spielen, um gesund zu bleiben. „Als es anfangs so gut lief bei mir, war ich halt sehr motiviert, wollte immer mehr spielen. Dann kamen die Verletzungen, ich kam aber irgendwie aus dem Kreis der Turnierplanung nicht raus. Ab jetzt werde ich auch mal ein Turnier auslassen, wenn ich zuvor ein gutes gespielt habe.“

Bencic ist nach dem Turniersieg in Dubai im Wüstenemirat geblieben und wird sich unter anderem mit ihrer guten Freundin Kristina Mladenovic auf die neue Saison vorbereiten. Weihnachten geht es dann nach Australien nach Perth. Dort beginnt sie ihr Tennisjahr wie im Vorjahr: beim Hopman Cup an der Seite von Roger Federer. Die Schweizerin hat sich unter dem Radar zurück zum Erfolg gespielt. Behält sie ihre gute Form der letzten Wochen bei, könnte sie sich bei den Australian Open zurück ins große Rampenlicht spielen.

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