23 08 2017 xjhx Tennis Pressekonferenz mit Boris Becker und Barbara Rittner emspor v l Boris B

Boris Becker: Zurück zur Kernkompetenz

Allein schon seine Amtseinführung: Medienrummel vor Ort, Live-Übertragung im Fernsehen. Und ein Facebook-Livestream, der irgendwann schlapp machte. Boris Becker hat auf der Pressekonferenz im Frankfurter Römer vor gut zehn Tagen gezeigt, welche Strahlkraft er immer noch im Zusammenhang mit dem deutschen Tennis besitzt. Und dass alles bei einer Veranstaltung, die nur bestätigte, was alle schon zwei Tage wussten: Boris ist der neue „Head of Men’s Tennis“ des DTB.



Was das jetzt genau ist und was so ein Kopf genau macht, bleibt zumindest für die Öffentlichkeit ein wenig schwammig bis unklar. Ob die genannten Aufgaben einfach brach lagen oder von anderen Menschen bisher vielleicht auch nicht komplett inkompetent übernommen wurden, wird nicht wirklich thematisiert, ist aber auch Wurst. Wenn der DTB den Boris irgendwie ins Boot holen kann, dann muss er das machen. Alles andere würde nur diverse Kritiker auf den Plan rufen. Und davon hat der Verband ja mehr als genug.

Aber Manche nörgeln auch jetzt, denn – oh Wunder! – der Boris macht das Ganze dann doch nicht komplett umsonst. Er lässt sich zwar keinen Lohn bezahlen, dafür aber die Spesen – schlimm. Eine etwas schräge Weltsicht. Sehr vieles, was in den letzten 30 Jahren beim Verband (finanziell) gut gelaufen ist, hatte direkt oder indirekt etwas mit der Karriere des Leimeners zu tun. Eine irgendwie geartete Bringschuld, sich ohne Gage einzubringen, existiert nicht. Ob Boris zurzeit, also während sein Insolvenz-Verfahren läuft, überhaupt aus logischen Gründen darauf erpicht ist, neue Einnahmen zu generieren, steht auf einem anderen Blatt.

Ernennung als große Chance

Wo wir dann auch beim Thema wären. Denn auch für Becker ist seine Ernennung eine große Chance. Nach der Trainer-Tätigkeit für Novak Djokovic hat er zum zweiten Mal die Möglichkeit, in einer Art Befreiungsschlag den Fokus seiner Betrachtung wieder weg von privaten Irrungen und Wirrungen auf seine Kernkompetenz zu lenken. Beim ersten Mal ist ihm das formidabel gelungen. Und auch beim DTB bieten sich kurz, mittel- und langfristig Aufgaben, deren Lösung Becker in das Licht rücken würde, in dem er sich auch selbst am liebsten sieht.

Schon die Davis Cup-Partie in Portugal könnte recht unerwartet für Zündstoff sorgen, nachdem Kapitän Michael Kohlmann jüngst erklärte, dass es eben noch gar keine feste Zusagen zur Teilnahme gibt, auch nicht von Sascha Zverev. Obwohl das im Frühjahr schon mal ganz anders klang. Sollte sich Becker in dieses Thema einschalten und daran mitwirken, dass Deutschland mit einem möglichst guten Team in das Abstiegsduell geht, wäre das ein erster Erfolg, den er sich auf seine Fahnen schreiben könnte.

Längerfristig gesehen könnte er sich mit demselben Ziel, nämlich eine zukünftig möglichst starke Davis-Cup Truppe aufzubauen, auch der Causa Nicola Kuhn annehmen. Es war interessant zu hören, wie selbstverständlich Becker Kuhn bei seiner Ernennung in die Reihe deutscher Talente mit aufnahm, obwohl dieser ja im Moment bei Spanien auf dem Zettel steht. Gelingt es, das Talent in der Amtszeit Beckers zurück zum DTB zu lotsen, wird das wahrscheinlich vor allen Dingen ihm als Erfolg zugeschrieben werden.

Guter Draht zu den jungen Spielern

Grundvoraussetzung für solche Coups ist, dass Becker tatsächlich den guten Draht zu den jungen Spielern hat, den er für sich in Anspruch nimmt. Das muss man abwarten. Auch weil es eine noch jüngere Generation ist als die von Novak Djokovic. Eine, die im Zweifel noch ein wenig anders tickt als der Serbe, mit dem Becker so erfolgreich zusammen gearbeitet hat.

Sehr jugendlich wirkte Becker auf jeden Fall jetzt schon zweimal direkt zu Beginn seiner Tätigkeit wieder. Beantragung des Visums für die USA irgendwie verschlunzt und dann noch nach Art 20jähriger Punchline-Rapper Streit mit TV-Koch Steffen Henssler per Twitter angefangen.

Ganz ehrlich, da hätten wir uns dann doch lieber etwas weniger Anpassung an die neue Zielgruppe gewünscht.

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  1. Schwamborn Dirk

    Gut das Boris wieder beim DTB ist!!! Der kennt den Profizirkus und hat einen anderen Blickwinkel auf die tägliche Arbeit mit den young Professionals und den Verbandsträgern.


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