Boris Becker, Marvin Möller

Boris Beckers erste Monate im DTB: „Ich habe Lust bekommen auf mehr“

Boris Becker, Barbara Rittner, DTB-Präsident Ulrich Klaus und Sportdirektor Klaus Eberhard zogen sportliche Bilanz und blickten voraus auf das Jahr 2018.



Wenn Boris Becker zu einem Termin eingeladen ist, dann darf man sich darauf einstellen, dass das Medieninteresse sehr groß ist. Beim jährlichen Pressestammtisch des Deutschen Tennis Bundes zum Ende des Jahres zogen neben Becker auch Barbara Rittner, DTB-Präsident Ulrich Klaus und Sportdirektor Klaus Eberhard sportliche Bilanz zum Jahr 2017 und blickten auf die kommende Tennissaison voraus. Rund 30 Journalisten, darunter sechs Fotografen und vier Fernsehteams, kamen in die Geschäftsstelle des DTB – hauptsächlich wegen Becker. Doch der Termin drohte zu platzen. Becker und Eberhard, die vom Bundesstützpunkt Hannover nach Hamburg fuhren, standen auf der A7 im Stau – Vollsperrung, nichts ging mehr.

Der 50-Jährige nahm es gelassen und versorgte seine 211.000 Follower auf Instagram mit Live-Videos aus dem Stau. Mit einstündiger Verspätung kamen die beiden in der Grand Slam Bar im DTB an. Das lange Warten hatte sich gelohnt. Vor allem Becker, der sich bei den Journalisten für die Geduld bedankte, stand im Fokus.

PK in Hamburg gemeinsam mit #barbara #DTB

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Die sportliche Zukunft im Deutschen Tennis Bund

DTB-Präsident Ulrich Klaus sprach von der Agenda 2020 und der neuen Struktur im Verband. Das ambitionierte Ziel: Mit der Hilfe von Becker und Rittner will der DTB in den nächsten drei Jahren zu den drei besten Tennisnationen gehören. „Dafür müssen wir hart arbeiten“, erklärte Klaus. Dazu gehört die Professionalisierung. „Die Verantwortung muss mehr vom Ehrenamt ins Hauptamt verlagert werden.“

Sportdirektor Klaus Eberhard stimmte zu. „Wir standen in den vergangenen Jahren mit unserem Personal etwas im Abseits. Wir hatten zu wenig Trainer und haben kaum mit hauptamtlichen, sondern fast nur mit Honorartrainern gearbeitet. Das war unser größtes Defizit. Die Vorgabe des Deutschen Olympischen Sport Bundes war es, die Bundesstützpunkte zu stärken. Das haben wir geschafft.“

Was passiert mit dem Turnier am Hamburger Rothenbaum?

2018 findet das traditionsreiche Turnier am Hamburger Rothenbaum zum letzten Mal mit Michael Stich als Turnierdirektor statt. Ab 2019 übernimmt der Österreicher Peter-Michael Reichel. Ob das Turnier weiterhin in Hamburg stattfinden wird, steht noch in den Sternen. Der Vertrag beinhaltet keinen expliziten Standort. „Der Vertrag ist unterschriftsreif und wird dieses Jahr noch unterzeichnet. Wir sind in intensiven Gesprächen mit der Stadt Hamburg. Das ist für uns die gewünschte Braut, aber andere Städte haben auch hübsche Töchter. Man muss sich alles offenhalten“, erzählte Klaus.

Boris Becker über seine Arbeit als Head of Men’s Tennis  

Becker berichtete über den zweieinhalbtätigen Lehrgang im DTB-Bundesstützpunkt in Hannover, wo acht von zehn Spieler des DTB Talent Team dabei waren. „Ich wusste gar nicht, wann ich das letzte Mal im Bundesstützpunkt Hannover war. Das war vor 19 Jahren, wie mir Peter Pfannkoch mitteilte. Die Jungs waren wohl noch nie so gehorsam. Sie waren sehr willig und interessiert, mir zuzuhören. Das war eine schöne Erfahrung für mich. Ich habe Lust bekommen auf mehr.“

Wie groß die Aura von Becker ist, zeigt eine Anekdote, die der 50-Jährige erzählte. „Ich kam beim gestrigen Mittagessen hinzu. Die Spieler haben sich lautstark über verschiedene Themen unterhalten. Als ich reinkam, wurde es mucksmäuschenstill.“ Becker zeigte sich generell hocherfreut über die DTB-Nachwuchsspieler. „Das Niveau ist sehr gut. Wir müssen uns nicht vor anderen Nationen verstecken. Es war sehr intensiv. Wir haben über sechs Stunden auf dem Platz gearbeitet.“ Beckers großer Wunsch: dass auch der Herrennachwuchs einen großen Sponsor wie Porsche bei den Damen bekommt. „Mit mehr Budget können wir besser fördern, mehr Trainer einstellen. Das ist auch Teil meiner Aufgabe, einen Sponsor zu finden.“

Boris Becker beim DTB-Lehrgang im Bundesstützpunkt in Hannover.

Boris Becker über Alexander Zverev

Alexander Zverev überwintert im ATP-Ranking als Nummer vier. Der 20-Jährige ist der bestplatzierte Deutsche zum Saisonende seit Becker im Jahr 1995. Die Entwicklung von Zverev ist noch am Anfang, doch zu hohe Erwartungen sollte man an ihn nicht haben, warnt der 50-Jährige. „Für ihn war es ein Jahr des Durchbruchs. Im zweiten Jahr heißt es, sich zu konsolidieren. Das wird noch schwieriger. Der Umkleideraum schläft nicht. Die anderen Spieler wissen jetzt, mit welcher Strategie sie gegen ihn spielen müssen, um Erfolg zu haben. Sein Weltranglistenplatz ist bemerkenswert, wenn man seine Resultate bei den Grand Slams betrachtet. Die sind noch ausbaufähig. Die Zeit spielt für Zverev. Man sollte aber nicht erwarten, dass er in sechs Monaten von Platz vier auf eins kommt. Das wäre unrealistisch.“

Das Porsche Talent Team

Seit nun fünf Jahren existiert das Porsche Talent Team im deutschen Damentennis. Im Jahr 2018 werden sechs Spielerinnen intensiv gefördert: Neben Antonia Lottner, Katharina Hobgarski, Katharina Gerlach und Lena Rüffer, die bereits 2017 zum Team gehörten, kommen Jule Niemeier und Anna Gabric hinzu. Daneben wird das Porsche Junior Team mit den Jahrgängen 2002 bis 2004 ins Leben gerufen. „Vor allem im Jahrgang 2003 haben wir hoffnungsvolle Talente“, sagte Rittner. „Wir fassen die Spielerinnen in den Schulferien zentral zusammen und trainieren in einem Profialltag. Das kann ein guter Weg werden.“

Die Entwicklung von Angelique Kerber und Julia Görges

Viel unterschiedlicher hätten die letzten Turnierwochen für Angelique Kerber und Julia Görges nicht verlaufen können. Während Kerber nur eines ihrer letzten fünf Matches gewann, triumphierte Görges in Moskau und bei der WTA Elite Trophy in Zhuhai. Mit neun Siegen in Folge löste sie Kerber als deutsche Nummer eins ab und steht mit Platz 14 so hoch wie noch nie.

Kerber will mit ihrem neuen Trainer Wim Fisette, der Sabine Lisicki ins Wimbledonfinale 2013 führte, wieder zurück nach oben. „Ich finde ihre Entscheidung richtig, etwas Neues zu probieren. Torben Beltz hat hervorragende Arbeit geleistet. Aber alles hat seine Zeit. Manchmal braucht man eine neue Ansprache. Wim Fisette ist ein ruhiger und besonnener Mann, der nach einem gewissen Plan arbeitet. Es muss aber auch menschlich passen. Angie ist eine Spielerin, der es besonders wichtig ist, dass sie sich wohlfühlt“, blickte Rittner voraus.

Bei Görges soll es mit dem bestehenden Team an den Erfolg der vergangenen Wochen angeknüpft werden. „Julia ist so fit wie noch nie. Bei ihr stimmt derzeit alles. Wenn sie so weiterspielt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie in den Top Ten steht. Da gehört sie momentan auch hin. Mich beeindruckt, wie ruhig und konstant sie an die Dinge in diesem Jahr herangegangen ist. Sie spielt derzeit ihr mit Abstand bestes Tennis.“

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