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Davis Cup & Fed Cup: Gefangen in der Relegation

Nach zwei aufeinanderfolgenden „Länderspiel-Wochenenden“, die jeweils mit Niederlagen für die deutschen Herren (1:4 gegen Belgien) und die deutschen Damen (0:4 gegen die USA) endeten, könnte man nun gut über verpasste Chancen (trifft auf beide Teams zu), mangelnden Teamgeist (vermuteten die Belgier bei den Deutschen), falsche Hymnen (der Aufreger auf Hawaii) und schauspielerische Glanzleistungen der Gegnerinnen (Coco Vandeweghe) herziehen – Material dafür boten beide Partien genügend.

Man könnte aber auch mal kurz innehalten, einmal durchatmen und das Positive der letzten Tage sehen: Gestern gewann Alexander Zverev in Montpellier nämlich seinen zweiten ATP-Einzeltitel und erreichte mit Position 18 im Ranking seinen bislang besten Platz in der Weltrangliste. Anschließend siegte er auch mit Bruder Mischa in der Doppelkonkurrenz – ein schöner Erfolg für die beiden.

Fed Cup

SIEGREICHE BRÜDER: Alex und Mischa Zverev in Montpellier.

Der allerdings, wenn man es provozierend formuliert, eine Woche zu spät kommt. In Frankfurt gegen Belgien verloren die Zverev-Brüder zunächst ihr Doppel, anschließend unterlag Alex dem belgischen Slice-Künstler Steve Darcis. Folge: Das deutsche Davis Cup-Team steckt wieder in der Relegation.

Albtraum im Urlaubsparadies Hawaii

Fed Cup

ÜBERNAHM DIE VOLLE VERANTWORTUNG: Andrea Petkovic verlor gegen die USA beide Einzel.

Genauso wie das Fed Cup-Team der Damen. 0:4 verlor es gegen eine US-Mannschaft ohne die Williams-Sisters und ohne Madison Keys. Ja, Deutschland trat auch nicht in Bestbesetzung an, weil Angelique Kerber frühzeitig abgesagt hatte. Dennoch: Dass die deutschen Damen dann einen regelrechten Albtraum im Urlaubsparadies Hawaii erlebten, hatte niemand erwartet.

Auch wenn sich Alexander Zverev Stück für Stück der absoluten Weltspitze nähert; auch wenn es mit Angelique Kerber eine zweifache deutsche Grand Slam-Siegerin gibt, die – falls man es vergessen haben sollte – noch auf Platz zwei im Ranking geführt wird: Die vermeidbaren und nicht einkalkulierten Niederlagen im Davis Cup und im Fed Cup treffen das deutsche Tennis an einer empfindlichen Stelle.

Aushängeschilder für den DTB

Noch immer sieht insbesondere der Dachverband die Team-Wettbewerbe als seine Aushängeschilder an. Während der Davis Cup- und Fed Cup-Wochen kümmert sich der DTB um seine Profis wie sonst nie im Jahr. Verständlich, dass er diese Gelegenheiten nutzen will, um sich als Verband entsprechend zu präsentieren. Umso blöder ist es dann, wenn die Ergebnisse nicht stimmen.

In der breiten Öffentlichkeit jedoch überlagerten andere Themen die Pleiten der DTB-Spieler. Beim Davis Cup in Frankfurt war es der Auftritt von Boris Becker, der allerhand Raum für Spekulationen bot: Kommt er nun zum DTB? Und falls ja, als was? Beim Fed Cup auf Hawaii überwog die angebrachte Aufregung über die falsche deutsche Hymne beinahe die sportlichen Ereignisse.

Stellenwert der Mannschaftswettbewerbe sinkt

Was folgt nun daraus? Der Stellenwert der Team-Wettbewerbe sinkt – nicht nur in Deutschland, sondern fast überall auf der Welt. Ausgenommen sind höchstens jene Nationen, die mit ihren Mannschaften geschichtsträchtige Triumphe feiern wie etwa Argentinien, das 2016 erstmals den Davis Cup gewann.

Fed Cup

HATTEN NUR WENIG ZU FEIERN: Deutsche Fed Cup-Fans auf Hawaii.

Die Realität sieht indes anders aus. Wer über den Stream von DAZN etwa die Chance hatte, Livebilder aus Hawaii zu sehen, wähnte sich nicht unbedingt auf einem der angeblich wichtigsten Wettbewerbe des Tennisgeschehens. Die Auslaufzonen des Courts waren kaum größer als im Club um die Ecke. Das gesamte Ambiente versprühte den Charme einer Bundesligapartie – herzlich-charmant, aber nicht unbedingt hochprofessionell. Sicher, solche exotischen Spielorte machen den Reiz des Wettbewerbs aus, aber bei einer Tennis-Großmacht wie den USA mit 16 Spielerinnen in den Top 100 kann man schon etwas mehr erwarten.

Ein größeres Problem für die Mannschaftsformate sind die fehlenden Topspieler, die allenfalls noch sporadisch ihre Länder vertreten. In der ersten Runde des Davis Cups 2017 trat von den besten 14 Spielern der Weltrangliste genau einer an: Novak Djokovic. Immerhin ist die Quote im Fed Cup besser, aber noch lange nicht wirklich zufriedenstellend: Von den Top Ten waren am Wochenende drei Damen im Einsatz – Karolina Pliskova, Garbine Muguruza und Johanna Konta.

Genau genommen sind diese Konstellationen eine Riesen-Chance für die deutschen Mannschaften. Aber die sind mal wieder in der Relegation gefangen.

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  1. Lars Hartfelder

    6:3, 4:2 und 40:15 vorne. Dann komplett den Faden verloren, weil sich Coco verletzt hatte und teilweise kaum noch laufen konnte. Petko hat dann alles ins Aus geballert. Also so etwas habe ich noch nie gesehen, da sollte sich Petko wirklich mal hinterfragen und vielleicht einen Mentaltrainer in Anspruch nehmen. War es Mitleid? Für mich fehlende Professionalität! Die Kritik geht da auch an Rittner.
    Für mich ist die Zeit von Petkovic ohnehin abgelaufen, Jüngere sollten endlich ran. Schon die Niederlage gegen Riske war eine Farce. Dass sie nach so einer Leistung überhaupt noch spielen durfte, war ohnehin unverständlich, da hilft auch all die Selbstkritik nichts.

  2. Joseph

    Zu den Leistungen von Andrea Petkovic kann ich nur sagen: Bis zum 4:2 im zweiten Satz war sie fokussiert wie lange nicht mehr. – Dann aber kam der totale Einbruch.

    CoCo Vandeweghe war nicht verletzt!
    Habe das Match live mitverfolgt.
    Sie hat nur – clever und gerissen wie V. nun mal ist – eine Verletzung vorgetäuscht, weil sie Krämpfe hatte. Krämpfe sind aber keine Verletzung.
    Daher hätte es keine Grundlage für einen MTO (Medical Time-Out) gegeben.

    Dieser Beschiss hat Petkovic wohl die Fassung und das Match verlieren lassen.


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