Rafael Nadal (L/foreground) is congratul

Mail aus Valencia: Falls Nadal im Davis Cup Monster spielt

Am Tag vor dem Start des Davis Cup-Viertelfinals zwischen Spanien und Deutschland ist unser Reporter in Valencia angekommen. Der körperliche Zustand von Rafael Nadal und ein interner Wechsel bestimmte die Pressekonferenz nach der Auslosung. Alexander Zverev trägt mit seinem Körper zeitgleich einen Kampf der ganz anderen Art aus. Derweil ist Valencia im Davis Cup-Fieber und emanzipiert sich von der diesjährigen Diskussion über den Fortbestand dieses Wettkampfes.

Ohne es überhöhen zu wollen: Aber es hatte schon etwas Königliches, die Situation nach der rasanten Fahrt vom Flughafen zum Rathaus in der Innenstadt von Valencia. Dort fand um Punkt 13 Uhr die Auslosung samt anschließender Pressekonferenz statt. Und während gewisse deutschsprachige Journalisten in einem Mix aus gutem Englisch und gebrochenem Schulspanisch unterhalb des riesigen Balkons erst den Polizisten und dann den energischeren Volunteers klarmachten, dass sie trotz des Koffers und der noch fehlenden Akkreditierung keine Touristen sind, thronte der Sandplatzkönig beim Meet & Greet mit dem deutschen Team und Sponsoren auf dem Balkon. Jedes Mal, wenn Rafael Nadal winkte, jubelte die hinter Absperrungen auf dem Rathausplatz positionierte Menge.

Der König ist in der Stadt. Der Davis Cup, er lebt?

Zumindest hier in Valencia, wo die Journalisten dann unter tosendem Applaus mehrerer hundert Fans (ok, der galt Nadal) doch noch Eintritt gewährt bekamen, fast zeitgleich mit Beginn der Auslosung in einer prachtvollen Halle samt prunkvollem Kronleuchter. Die Zeremonie für den Freitag ergab Duelle zwischen Alexander Zverev und Lokalmatador David Ferrer sowie Nadal und Philipp Kohlschreiber (Alles zur Auslosung HIER).

Nadal: Wie fit ist er?

Anschließend wurde Nadal von den heimischen Journalisten gegrillt. Im Fokus: sein körperlicher Zustand nach seiner Verletzungsmisere nach den Australian Open, über den kurzfristigen Rückzug vor Acapulco bis hin zur doch recht spontanen Zusage für dieses Davis Cup-Duell. Ein üblicher, weil vorgeschriebener englischsprachiger Teil wäre fast ausgefallen, weil die Verantwortlichen der Presserunde wohl nach dem Credo handelten: Espanyol only.

Auf Nachfrage wurden immerhin vier kurze Fragen auf Englisch gewährt.  „Bei so einer intensiven und dynamischen Verletzungsgeschichte, wie ich sie jetzt in 2018 hatte, fühlt man als Spieler jeden Tag, wie sich die Verletzung verändert und wie der Körper auf Belastungen reagiert“, gab Nadal zu Protokoll.

Nadal: „Spüre jeden Tag die Veränderung“

Die Taktik der vergangenen Wochen lautete: Schritt für Schritt jeden Tag die Belastung etwas steigern, etwas mehr tun. „Dann wurde das Ziel realistisch, hier mit dem Team an den Start zu gehen und vergangene Woche hatte ich die körperlichen Voraussetzungen dafür. Nach der Trainingswoche hier fühle ich mich okay, und der Teamkapitän glaubt daran, dass ich bereit bin“, ergänzte Nadal

Er glaube selbstredend ebenfalls daran. Philipp Kohlschreiber – Nadals Gegner – übrigens ebenso. Ein Hintertürchen ließ sich „Kohli“ aber auf. Eines, an das der erfahrenste im Team glaubt. „Ein Vorteil könnte sein, dass ihm der Rhythmus fehlt. Daraus kann ich vielleicht einen Vorteil ziehen, einen guten Start erwischen, sogar davonziehen und den ersten Satz holen“, philosophierte der Viertelfinalist von Indian Wells, der Miami ausließ und schon einige Zeit auf Sand trainiert.

Wegen Nadal: Kohlschreibers Wunschgedanken

„Das würde erst mal die Stimmung etwas dämpfen und mehr in unsere Richtung ziehen. Das sind natürlich Wunschgedanken. Wenn er morgen rausgeht und Monster spielt, wird es ganz schwer“, sagte die deutsche Nummer zwei und erntete dafür nicht nur einen Lacher.

 

Auf die spanische Monster AG würde das DTB-Team selbstredend liebend gern verzichten. Nadal selbst hielt sich mit Prognosen jedenfalls zurück. „Ich war nie gut in Mathe“, scherzte er auf die Frage der Kollegin, wie nah er an seinen 100 Prozent sei. Der Freitag wird, dafür bedarf es keinen Hellseher, sehr, sehr aufschlussreich.

Spanien wechselt Carreno Busta für Doppelspezi aus

Dass die Spanier den angeschlagenen Pablo Carreno Busta noch vor Beginn aus dem Team nahmen und durch den noch nicht anwesenden Doppelspezialisten Marc Lopez ersetzten, ging da fast ein wenig unter. Dabei könnte das Doppel am Samstag bei normalem Ausgang der Einzel der entscheidenste aller Punkte sein. Das Duo Feliciano und Marc Lopez ist gesetzt, spielt erfolgreich auf der Tour. Über Alternativen zu Tim Pütz und Jan-Lennard Struff wird ebenfalls nicht diskutiert. Das deutsche Doppel hat sich dank der bisher gezeigten Leistung festgespielt.

Doch was ist überhaupt der normale Ausgang am Freitag? Alexander Zverev ist nach seinem sehr guten Miami-Turnier erst drei Tage auf Sand unterwegs. Hinzu kommt der Jetlag, über den er bereits in Rotterdam öffentlich in einem spaßigen Interview für Sky philosophierte.

Zverev gegen Ferrer und den Jetlag

In Valencia sagte er: „Bis jetzt funktioniert es noch nicht. Bisher bin ich immer erst gegen 12 Uhr aufgewacht.“ Ihm sei das dennoch relativ egal. „Das Warmup wird am Freitag nicht so toll, das kann ich jetzt schon sagen. Aber danach werde ich bereit und fokussiert sein.“

Die deutsche Nummer eins betonte mit Nachdruck, dass er froh sei, in Valencia beim Team zu sein. Sein erstes Match werde aufgrund der unterschiedlichen Vorbereitung ein enges.

Davis Cup: Becker hält den Laden zusammen

Ansonsten bedurfte es hier in Valencia keiner besonders langen Anlaufzeit, um sich von dieser besonderen Atmosphäre anstecken zu lassen. Nicht ohne Grund hatte Boris Becker bereits am Mittwoch für eine moderatere Reform im prestigeträchtigen Davis Cup geworben. Diese Heim- und Auswärtssatmosphären wolle er nicht missen (lesen Sie HIER mehr).

Trotz des Wunsches von Becker, der ansonsten in Valencia nahtlos an seine zurückhaltend moderative, im Training aber energische Art von Brisbane anknüpft, steht das Team-Tennis vor weitreichenden Veränderungen. Statt der vier üblichen Wochen im Jahr könnte ein veränderter Teamwettkampf am Ende des Jahres innerhalb von zwei Wochen an neutralem Ort Einzug halten. (Lesen Sie HIER mehr dazu).

Valencia führt Davis Cup-Debatte ad absurdum

Die Tenniswelt ist im Streit darüber, was mit diesem Davis Cup in Zukunft noch so alles anzufangen ist. Das Viertelfinale in Valencia führt gleich mehrere Argumente der Gegner ad absurdum. Mit Nadal und Zverev sind gleich zwei Topspieler anwesend. Nicht zuletzt deswegen wird die Kulisse mit bis zu 10.000 Zuschauern herausragend. Dann wäre da noch dieses ganz besondere Flair, das nur der Davis Cup schaffen kann. Die Spanier hier an der Ostküste haben sich davon jedenfalls anstecken lassen. Die Vorausetzungen haben etwas von einem Duell aus den 80er und 90er Jahren.

Ob der Streamingdienst DAZN diese Atmosphäre wird eins zu eins an die Endgeräte übertragen können, bleibt abzuwarten. Fakt ist: Diese Begegnung läuft nicht live im TV. Dazu wurde in den vergangenen zwei Wochen viel gesagt und geschrieben. Die Sandplatzgötter haben sich diesem Thema auf ganz eigene Art und Weise genähert.

Davis Cup auf DAZN: Noch ist Stream Nische

So bedrohlich das klingt: Letztlich könnte diese Begegnung eine der letzten Werbungen für diesen Wettbewerb sein. Dieses Matchup verspricht so ziemlich alles. Die Tennisfans wissen das und werden den kostenlosen Livestream am Freitag und DAZN die weiteren Tage finden. Die normalen Sportinteressierten eher nicht. Denn noch ist Stream Nische. Das ist nicht mal etwas Schlimmes. Streaming bietet viele Vorteile.

Davis Cup Stream

Ein Massenmedium ist es jedoch noch nicht. Beim EM-Finale der deutschen Handballer 2016 schauten mehrere Millionen TV-Zuschauer zu, ein Jahr später als der DHB-Hauptsponser via Stream aushalf, waren es im Schnitt nur mehrere Hunderttausend. Kritiker werden sagen: ,Ja, aber das Konsumverhalten hat sich verändert‘.

Damit haben sie recht. Dass sich massenhaft Publikum findet, das sechs Stunden andauernde Davis Cup-Schlachten konsequent durchhält (HIER geht es zu den interessantesten Duellen), das wird es so vielleicht nie mehr geben. Und die Zeit wird einen Mittelweg ausweisen.

Dass dieses Duell in Deutschland aber keinem größeren Publikum gezeigt werden kann, ist kurzfristig schade. Schließlich hat der (Sandplatz)könig hier in Valencia nicht nur auf dem Rathausbalkon eine große Bühne erschaffen.

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  1. schneegans

    Tja, mit dem Stream ist das so eine Sache: Befindet man sich in einem der schlecht ausgebauten Gebiete, wo die Netzgeschwindigkeit „kriecht“, guckt man auf Ruckel- oder Standbilder. Steckt man in einer Pension ohne oder mit schwachem Zugang zum W-Lan dito. Ist man irgendwo unterwegs, verschlingt der Mobil-Stream-Datenvolumen, das wohl die wenigsten Menschen neben dem heimischen DSL-Vertrag und neben den Gebühren für die verschiedenen Stream-Anbieter auch noch finanzieren können oder wollen. Und last but not least, sind die Streams auch nicht immer zuverlässig. Und dann gibt es natürlich die Leute, die gar keinen Computer besitzen und das sind am ehesten die, die tolle Erinnerungen an die Cups vergangener Jahre haben.


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