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DM – find‘ ich richtig gut!

Bis zum 18.12. laufen in Biberach die Deutschen Meisterschaften. Warum es so wichtig ist, dass es sie gibt. Und warum es sie auch in Zukunft geben muss.

Foto: Schulte/DTB

DM? Nein, dass ist keine Drogeriekette. Das sind die Deutschen Meisterschaften. Das Problem: Es bekommt in der Öffentlichkeit kaum einer mit, dass sie stattfinden. Weil anders als beim Fußball beispielsweise nicht die Besten Deutschlands mitmischen. Keine Kerber, kein Zverev und kein Kohlschreiber. Der Stellenwert ist gering, das Interesse lokal. Wer einmal während der DM in der Halle des Tennisvereins Biberach-Hühnerfeld dabei war, spürt die Begeisterung an der Basis. Aber in den Rest Deutschlands schwappt die gute Stimmung nicht.

34.000 Gesamt-Preisgeld

Was schade ist. Was aber auch seine Gründe hat. Eben: keine Kerber, kein Zverev, kein Kohlschreiber. Es wäre auch ein Anachronismus (und davon gibt es in diesen Zeiten nicht viele), wenn die Besten spielen würden. 34.000 Euro Gesamtpreisgeld werden ausgeschüttet. Die Siegerin und der Sieger bekommen je 3.600. Dazu gibt es „Reisekostenzuschüsse“, wie es der Veranstalter formuliert. Wenn Angelique Kerber in ein paar Wochen in Melbourne antritt, geht es um mehr als 30 Millionen. Die DM – so scheint es – passen nicht in die Welt von Jungunternehmern, die um den Globus jetten. Wahrscheinlich würde es sie auch gar nicht mehr geben, wenn nicht der Württenbergische Tennis Bund (WTB) „seinen Hut in den Ring geworfen“ hätte, wie Präsident Ulrich Lange es einmal formulierte.

Zum achten Mal in Biberach

2007 standen die Meisterschaften vor dem Aus: kein Sponsor, kein Austragungsort, vor allem keine Lobby. Aufgrund des WTB-Engagements mit den vielen fleißigen ehrenamtlichen Helfern fanden die DM aber dann doch statt. Mittlerweile zum achten Mal in Biberach an der Riß, einer 30.000-Einwohner-Stadt, die zu den wohlhabendsten Deutschlands zählt. Bis auf eine zweijährige Verlegung nach Offenburg im Südwestzipfel der Republik wird dort gespielt. Das Jahr 2007 war insofern bemerkenswert, weil die blutjungen Andrea Petkovic und Julia Görges das Finale bestritten. Man könnte auch sagen, 2007 war der Startschuss für ein Konzept, dass den Charme der DM ausmacht: auf die Jugend setzen! Talenten eine Chance geben! Wenn sie dann später ihre Meriten auf der Tour verdienen, strahlt das schließlich zurück. Auf die DM – und deren Pioniergeist.

2016 sind Michael Berrer und Carina Witthöft am Start

Das Name-Dropping bei den Machern in Biberach gehört zum Klappern. Und zwar völlig zurecht! Annika Beck hat hier gewonnen (2012), Antonia Lottner (2014) und Anna-Lena Friedsam (2013 und 2015). Bei den Herren hießen Sieger der Vergangenheit Andreas Beck, Daniel Brands und Peter Gojowczyk. 2016 ist der Oldie Michael Berrer am Start – er beendet in Biberach seine Karriere –, aber klar, es sind auch die „Jungen Wilden“ dabei: der erfolgreiche Davis Cup-Debütant Daniel Masur, Maximilian Marter, der langsam aber sicher Richtung Top 100 marschiert, sowie die für die Zukunft hochgehandelten Louis Weßels und Marvin Möller (der allerdings früh ausschied). Bei den Damen heißt die Nummer eins Carina Witthöft. Die „Jugend forsch“-Abteilung vertreten die 21-jährige Tamara Korpatsch, die 18-jährige Katharina Gerlach oder die 19-jährige Katharina Hobgarski, die zuletzt das Kunststück fertiggebracht hat, bei sechs Future-Turnieren in Folge zu siegen. Für Spieler aus dem Porsche Talent Team bei den Damen und dem Nachwuchsteam bei den Herren ist die Teilnahme verpflichtend.

Ginge es nach WTB-Chef Lange wäre ein Trip zum Jahresende ins Schwabenland für alle deutschen Damen und Herren ein Muss. Sein Credo: Davis Cup- , Fed Cup- oder Olympia-Teilnahmen an die DM koppeln. Zumal Biberach auch als Vorbereitung auf Australien mit dem fast identischen Bodenbelag eine Alternative sei.

WTB möchte weitermachen

Kerber & Co. bei den Deutschen Meisterschaften? Es wird ein Traum bleiben. Aktuell heißt die Aufgabe, die Zukunft zu sichern. Mit Ende des letzten Ballwechsels beim TV Hühnerfeld läuft auch der Vertrag aus. Der WTB signalisiert, dass er gerne weitermachen würde. Ein künftiges Engagement der Industriestadt Biberach mit seinen potenziellen Sponsoren wäre die Voraussetzung. Auch der DTB müsste die DM weiter stärken. Weil die Marke gut ist. Weil Ihre DNA die Stars von morgen sind. Und weil der Titel „Deutscher Meister“ immer noch verdammt gut klingt.

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