Tennis – Olympics: Day 6

Kerber in Rio: Rendevouz mit der Historie

Angelique Kerber spielt heute (Samstag, 3. Match nach 12 Uhr Ortszeit = 17 Uhr) um Gold!

Es ist schon beeindruckend, wie stark Angelique Kerber in Rio auftritt. Nach dem coolen 6:1, 6:2-Sieg gegen Johanna Konta (Highlights im Video ansehen) und dem anstrengenden 6:3, 7:5-Erfolg gegen Madison Keys – übrigens im ZDF vor  Millionenpublikum! –steht fest: Sie hat Silber sicher und kann als erste seit Steffi Graf 1988 in Seoul Gold gewinnen.

Es ist, um es episch auszudrücken, das Rendevouz mit der Historie. Raten Sie mal, wie viele deutsche Tennisprofis überhaupt schon einmal eine Medaille gewonnen haben, seit Tennis bei Olympia 1988 wieder ins Programm genommen wurde…

Es ist überschaubar. Kerber wäre erst die zehnte Medaillengewinnerin. Der Überblick:

1988: Steffi Graf holt Gold in Seoul, krönt die Saison mit dem Golden Slam. Im Finale schlägt sie Gabriela Sabatini.

1988: Bei der gleichen Veranstaltung gewinnt sie Bronze mit Claudia Kohde-Kilsch. Damals wurde das Match um Platz drei übrigens nicht gespielt. Wendy Turnbull und Elizabeth Smylie bekamen auch Bronze.

1992: Legendär. In Barcelona gewinnen Boris Becker und Michael Stich die Goldmedaille. Die Gegner: Wayne Ferreira und Piet Norval. 7:6, 4:6, 7:6, 6:3 hieß es im Glutofen von Vall d’Hebron. Später ätzte Ion Tiriac, Beckers ehemaliger Manager: „Stich ist wichtig, aber Becker ist das Kapital des deutschen Tennis.“

1992: Steffi Graf verliert im Finale überraschend gegen Jennifer Capriati und holt „nur“ Silber.

1996: In Atlanta gewinnen David Prinosil und Marc-Kevin Goellner Bronze. Und wie! Sie schlagen die Doppel-Stars Jacco Eltingh und Paul Haarhuis.

Leere, mit Lorbeerkränzen drapierte Häupter

2000: Silber für Tommy Haas. Als „deutscher Patient“ war er nach Sydney gereist. Am Ende war nur Yevgeny Kafelnikov besser.

2004: Die Tränen von Athen. Nicolas Kiefer und Rainer Schüttler – ja man muss es so sagen – verlieren Gold. Vier Matchbälle vergeigen sie gegen Fernando Gonzalez und Nicolas Massu. Nach 3:44 Stunden jubeln die Chilenen über ihren 6:2, 4:6, 3:6, 7:6, 6:4-Erfolg. Bei Kiefer und Schüttler waren die mit Lorbeer-Kränzen drapierten Häupter leer wie Popcorn-Eimer nach der Spätvorstellung. Ortszeit Athen: 2:39 Uhr.

Das war’s. 2008 in Peking und 2012 in London gab es für deutschen Tennisspieler keine Medaillen. Nahe dran waren Sabine Lisicki und Christopher Kas. Fürs Protokoll: Das Duo unterlag im Spiel um Platz drei im Mixed den Amerikanern Mike Bryan/Lisa Raymond 3:6, 6:4, 4:10 (Match-Tiebreak).

Lockruf des Goldes

Was das alles für Kerber bedeutet: Sie hat schon jetzt die erste Einzelmedaille seit 16 Jahren sicher. Und: Sie könnte seit Steffi Graf die erste und einzige Goldmedaillen-Gewinnerin werden – nach 28 Jahren.

Wie heißt es immer so schön platt nach dem Titel von Melbourne und dem Finale von Wimbledon: „Kerber auf Grafs Spuren.“ Es ist aber wirklich so…

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  1. Stefan Höfel

    Ebenfalls ein Rendezvous mit der Historie ist, dass beim Halbfinale von Kerber gegen Keys nur zwei statt drei Linienrichter hinter der retourienden Spieler im Einsatz waren.
    Ich weiß nicht, wann es das zum letzten Mal auf Grand-Slam-Ebene gegeben hat. Es ist auf jeden Fall enttäuschend, dass bei der hohen Zahl an Funktionären nicht genügend Personen als Linienrichter zur Verfügung stehen. Wer dieses Match, besonders die Schlußphase im 2. Satz, gesehen hat, dem wird aufgefallen sein, dass die beiden Linienrichter immer abwechselnd die „mittlere“ Aufschlaglinie überwachten, um nach dem Aufschlag wieder zur Seitenlinie wechselten. Diese „Grundlinienbewegung“ irritiert doch die Spieler.


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