Pütz, Tim

Klartext Kiefer: Mehr Junioren in die Bundesliga!

Eines vorweg: Ich bin grundsätzlich ein Fan der Bundesliga. Zu meiner aktiven Zeit spielte ich zunächst viele Jahre für den HTV in Hannover, später für den TC Blau-Weiß Halle. Ich erinnere mich gern an meine ersten Einsätze – damals durfte ich als Junior mit Gary Muller und Horacio de la Peña zusammen spielen. Für mich jungen Steppke von 17 Jahren waren sie damals Stars. Es war etwas ganz Besonderes, mit gestandenen Profis gemeinsam in einer Mannschaft anzutreten.



Klartext Kiefer

Tour-Insider: Nicolas Kiefer war von 1995 bis 2010 Profi. Heute arbeitet der 37-Jährige als Trainer und TV-Experte – und als Kolumnist für tennis MAGAZIN.

Inzwischen sehe ich in der Bundesliga ein großes Problem: Fast alle Teams laufen größtenteils mit Ausländern auf. In einigen Mannschaften, beispielsweise beim HTC Blau-Weiß Krefeld oder dem 1. FC Nürnberg, waren in dieser Saison auf den ersten zehn Positionen gar keine deutschen Spieler gemeldet. Die eigentliche Idee der Bundesliga – nämlich jungen Talenten eine Bühne zu bieten, auf der sie sich präsentieren können – geht zunehmend verloren.  Früher gab es eine Regel, die besagte, dass ein Team maximal mit einem ausländischen Profi pro Spieltag antreten durfte. Damals spielte man nicht wie heute in 4er-, sondern noch in 6er-Mannschaften. Es kamen also immer mindestens fünf DTB-Akteure zum Einsatz. Seit vielen Jahren ist es den Vereinen laut EU-Recht nun gestattet, mit beliebig vielen EU-Ausländern anzutreten. Zudem dürfen sie pro Spieltag einen weiteren Profi auf den Platz schicken, der nicht aus der Europäischen Union stammt – ein großer Fehler in meinen Augen.

Ständig wird gejammert, es würde uns an jungen Talenten mangeln. Gerade aus diesem Grund sollte man die Bundesliga dringend reformieren und Youngsters wie Tim Sandkaulen, Louis Weßels, Marvin Möller & Co. regelmäßig Chancen geben, anstatt auf französische, italienische oder spanische Spieler zu setzen. Die Bundesliga könnte ein Sprungbrett für den Nachwuchs werden. Die Jungs sollten dort lernen, wie wichtig ein guter Teamspirit ist,  zudem Matchpraxis sammeln, sich untereinander duellieren. Zu meiner Zeit trafen wir uns für Bundesliga-Partien immer bereits eine Woche vorher zum Training. Wir bereiteten uns so vor, wie es auch im Davis Cup üblich ist – mit täglichen Einheiten auf und neben dem Court. Heutzutage reisen die Profis frühestens einen Tag vor der Partie an und trennen sich sofort nach dem letzten Match, um noch am gleichen Abend zum nächsten Turnier zu fliegen – der Zusammenhalt geht verloren.

Einen Vorteil hätten auch die Clubs, wenn sie vermehrt jungen deutschen Spielern vertrauen würden: deutlich weniger Kosten. Die besten Bundesligaspieler verdienen inklusive Erfolgsprämien in einer Saison gut und gerne mittlere fünfstellige Beträge. Die Vereine finanzieren ihren Stars in der Regel An- und Abreise und haben aufgrund der individuellen Turnierkalender oft Schwierigkeiten, langfristig zu planen. Für viele deutsche Talente hätte die Bundesliga garantiert Priorität. Der Wettbewerb sollte also dringend verändert werden.

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  1. Christof

    Aus meiner Sicht als Zuschauer kann ich Herrn Kiefer nicht zustimmen. Gerade der Einsatz von Top (100)-Spielern wie Haider-Maurer, Cuevas, Rosol, Kohlschreiber etc. reizt mich Bundesliga-Spiele anzuschauen. Bei anderen Veranstaltungen kriegt man diese Spieler für so geringe Eintrittspreise nicht zu sehen, und ich bin mir sicher dass darin auch für viele andere Zuschauer der Reiz liegt Tennis-Bundesliga zu schauen. Gerade das hilft Tennis wieder etwas populärer in Deutschland zu machen. Wenn ich den Nachwuchs sehen möchte, schaue ich mir die entsprechenden Jugend-Wettbewerbe an. Das macht auch Spaß und ist sehenswert, ist aber nun etwas anderes als wenn Mayer gegen Brown oder Paire gegen Berankis spielt. Herr Kiefer sollte bitte nicht vergessen dass sich die Zeiten nun mal ändern, und dass die Bundesliga nur gegründet worden ist um deutschen, jungen Talenten eine Bühne zu bieten halte ich für ein Gerücht.


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