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Kolumne Sandplatzgötter: LK-Melkkuh

Die Leistungsklassen sind ein belebender Faktor der Szene geworden, finden auch die Sandplatzgötter. Doch sie wittern eine Gefahr: Dass ein erfolgreiches System von ihren Machern selbst beschädigt wird.



Von Anfang an ist das LK-System des Deutschen Tennis Bundes unserer Wahrnehmung nach auf eine gemischte Akzeptanz gestoßen. Selbst  bei uns Sandplatzgöttern ist alles dabei: vom Vielspieler, der diverse Turniere im Jahr mitnimmt, über den Taktiker, der seine Medenspiel-Punkte durch genau so viele Turniereinsätze ergänzt, wie sie für einen Erhalt der Einstufung notwendig sind, bis hin zum Totalverweigerer, der bis heute Jahr für Jahr nicht weiß, wie seine aktuelle LK denn bloß genau zustande gekommen ist, weil er das System insgesamt für Schmuh hält.

Das perfekte Ranglistensystem gibt es wohl nicht

Kritikpunkte gibt es viele. Und tatsächlich kann das LK-System nicht in jedem Einzelfall das leisten, wozu es vordergründig geschaffen wurde: die exakte Spielstärke unterschiedlich agierender Teilnehmer des Systems am besten tagesaktuell relativ zueinander abzubilden. Mit dem Problem steht das LK-System nicht alleine da. Zur Erinnerung: Federer war bei den Australian Open an 17 gesetzt, Kerber ist fast das gesamte Frühjahr die Nummer eins der Damen. Gerechtfertigt? Man gewinnt eher den Eindruck: Das perfekte Ranglisten- oder Einstufungs­system gibt es nicht. Es nun ausgerechnet vom DTB und seinem LK-System einzufordern, ist ungerecht.

Mögliche Horror-Szenarien (Mannschaften werden leistungsmäßig auf den Kopf gestellt, Teams brechen auseinander, Spieler verlieren die Lust) sind trotzdem nicht zur Realität geworden. Wir attestieren der Leistungsklasse einen positiven und belebenden Einfluss auf die deutsche Szene: Gerade Spieler jenseits jeder Ranglisten-Ambitionen bekommen die Gelegenheit, über ihre paar Punktspiele im Jahr hinaus Wettkampftennis zu spielen.

Dafür gibt es etliche Turniere in diversen Formaten, die praktisch immer stattfinden. Das ist, mangels ent­sprechender Angebote, komplett neu. Dass dabei an verschiedenen Stellen Einnahmen generiert werden, finden wir grundsätzlich auch nicht kritikwürdig.

Monetärer Aspekt rückt in den Vordergrund

Wenn schon nicht alles, so doch vieles richtig gemacht, DTB? Nicht ganz. In den Augen der veranstaltenden Vereine und der Turnierspieler ist nämlich zuletzt der monetäre Aspekt stark in den Vordergrund gerückt. Nach Gebührenerhöhungen ist vielfach von Zwangsabgaben an den DTB die Rede. Es steht der Vorwurf im Raum, dass ausgerechnet die Gruppe der aktiven Turnierspieler im DTB alleine dazu herangezogen wird, andere Projekte quer zu finanzieren, statt die finanzielle Belastung über eine allgemeine Beitragserhöhung auf alle zu verteilen.

Tatsächlich gab es für und gegen beide Varianten relevante Argumente. Bei der gefundenen Lösung, vor allem wenn man sie als Grundsatzentscheidung ansieht, besteht allerdings die Gefahr, dass ein von Verbandsseite erfolgreich eingeführtes System durch seine Macher selbst beschädigt wird.

Falls die Teilnehmerzahlen aufgrund der allgemeinen Melkkuh-Gefühlslage tatsächlich signifikant zurückgehen, wird auch der LK-Turnierkalender zusammenschrumpfen. Umgekehrt wird eine weniger lebendige Turnierlandschaft zu weniger Akzeptanz bei den Teilnehmern führen, weil es tatsächlich wieder organisatorisch schwieriger werden wird, sein persönliches LK-Ziel zu verwirklichen. Wasser auf die Mühlen aller Kritiker.

Umfrage des DTB: Ihre Meinung zur geplanten LK-Reform ist gefragt

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  1. Joseph

    Hier gebe ich den „Sandplatz-Göttern“ recht.
    Die Beitragserhöhungen zu Gunsten des Deutschen Tennis Bundes allein auf die Schultern der Turnierspieler und -spielerinnen – und nicht auf ALLE – zu verteilen ist willkürlich und ungerecht.
    Ich spiele ab diesem Jahr jedenfalls weniger LK-Turniere.

  2. Christian

    Aus meiner Sicht muss ich den Sandplatz-Göttern leider ebenfalls recht geben. Als Veranstalter und selber Gelegenheits-LK-Turnierspieler finde ich die Erhöhungen sehr ärgerlich. Wenn man insbesondere als Veranstalter eines kleineren Turniers in einem kleinen Verein sieht, was man alles an Abgaben leisten muss, fragt man sich manchmal wirklich ernsthaft, ob man als Ehrenamtlicher die unzähligen Stunden vor, während und nach einem Turnier leistet, um dem DTB und den Landesverbänden die Einnahmen zu sichern.

    Nich nur die Spielerabgabe, die gab es bei uns im Verband vorher schon, sie wird nun nur vom DTB eingefordert, sondern auch Turniergebühren und in Zukunft auch noch Gebühren pro Altersklasse sind zu entrichten. Daneben noch die Verpflichtung auf die teuren Bälle, bei denen der DTB vermutlich indirket auch mitverdient sorgen dafür, dass die Hälfte der Einnahmen direkt oder indirekt an den DTB fließen, ohne dass hier ein nennenswerter Handschlag getan wird.

    In der Konsequenz heißt dies, dass wir, sofern wir unser Turnier im nächsten Jahr noch ausrichten, die Teilnehmergebühr erhöhen werden und müssen. Ob hiermit eine Verringerung der Teilnehmerzahlen einhergehen wird, wird sich zeigen. Meine Vermutung ist, bei den jüngeren Konkurrenzen vermutlich schon. Bei den altersmäßig „gesetzteren“ Konkurrenzen wird eine Erhöhung vermutlich eher weniger Einfluss haben. Wie immer wird es die Zukunft zeigen.


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