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Kolumne Sandplatzgötter: Nadal lebt!

Totgesagte leben länger – das gilt auch für Rafael Nadal. Die Sandplatzgötter aber meinen: Einen wie ihn hätte man nie abschreiben dürfen!

Zugegeben: Rafael Nadal hatte ein Horrorjahr 2015. Ihm sind so desaströse Sachen passiert wie drei Turniere zu gewinnen und noch zweimal im Finale zu stehen. Oder sich von Platz zehn der Weltrangliste (Juli 2015) auf Platz fünf (Dezember 2015) hochzuarbeiten. Da ist es klar, dass alles in Frage gestellt werden musste. Mehr noch: Es musste die ultimative Frage gestellt werden, ob der gute Mann nicht einfach komplett durch ist.

Und das alles wurde auch fleißig getan, erst recht nach dem frühen Aus gegen Fernando Verdasco bei den Australian Open im Januar und dem Südamerika-Abstecher ohne anschließenden Titel – in den Medien (auch im tennis MAGAZIN) und vor allem in sozialen Netzwerken.

Rafa galt über Monate als neunundzwanzigjähriges Auslaufmodell, dessen Stil aus der Zeit gefallen ist. Tenor: Nur Rennen und Kämpfen reicht nicht mehr, nicht mal mehr auf Sand. Was als Aussage ernst genommen recht begabte Spieler wie etwa Roger Federer als ziemliche Taktik-Trottel dastehen ließe, die sich ein gutes Jahrzehnt lang die Zähne regelmäßig an einem äußerst limitierten Gegner ausgebissen hätten.

Kolumne Sandplatzgötter: Nadal lebt!

Zurück zu alter Stärke: Rafael Nadal

Ein neuer Coach würde und müsse neue Impulse bringen, meinten viele. Am besten ein Supercoach. John McEnroe zum Beispiel. Weil er Linkshänder ist. Und Nadal  auch sonst von der Spiel- und Denkweise äußerst ähnlich. Oder wahlweise, weil Stefan Edberg Roger Federer wieder zu Grand Slam-Titeln gecoacht hat. Ach nee, die letzten beiden Argumente bitte streichen! Dann eben, weil Onkel Toni dem Rafa seit Jahren keinen neuen Schlag wie den S.A.B.R. beigebracht hat.

Okay, er hat mit Nadal zwar mehr große Titel gewonnen als alle Supercoaches zusammen, aber  irgendetwas kann doch nicht mehr stimmen in der Beziehung nach so vielen Jahren! Auf jeden Fall muss alles anders werden. Irgendwie.

Nun hat Rafa in den letzten Monaten augenscheinlich relativ wenig anders gemacht. Onkel Toni sitzt immer noch inklusive Iberostar-Mütze in der Box, Neffe Rafa steht immer noch an der Grundlinie (und oft  auch weit dahinter) und spielt unentwegt Vorhand-Topspin auf die Rückhand des Gegners. Nur bewegt er sich vielleicht wieder ein wenig besser dabei. Und er spielt die Vorhand mit mehr Selbstvertrauen und damit auch mehr Länge. Kein neues Rafa-Modell 2.0, eher das alte Modell in der Originalverpackung. Das hat jetzt (Stand: Anfang Mai 2016) auf europäischem Sand schon Dominic Thiem, Stan Wawrinka, Andy Murray sowie Kei Nishikori geschlagen und dabei zwei Turniere gewonnen. Die Presse vergibt plötzlich wieder das Attribut „Sandplatzkönig“ und attestiert eine miese Auslosung, wenn jemand früh auf den Spanier trifft.

Vor einem knappen Jahr sagte Boris Becker über Nadal: „Er ist erst 29, man sollte ihn längst noch nicht abschreiben. Er ist ein großartiger Kämpfer. Wenn er gesund bleibt, kommt er unter die Top 5 zurück. Und spätestens nächstes Jahr in Paris wird er wieder als einer der großen Favoriten gehandelt.“ Becker kennt sich aus im Tennis. Und damit, etwas ­verfrüht abgeschrieben zu werden.

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