Madrid: Laura Siegemund scheidet im Achtelfinale aus

Laura Siegemund: Und siegt und siegt und siegt…

Eine der besten Storys im Welttennis findet zurzeit in Nürnberg statt. Beim Nürnberger Versicherungscup um genau zu sein. Die Rede ist von Laura Siegemund. Das Wort Sensation mag inflationär benutzt werden. Aber in diesem Fall passt es: Siegemunds Aufstieg unter die Top 40 der Welt ist SEN-SA-SIO-NELL. Zu Jahresbeginn war der Lockenkopf nur Insidern ein Begriff. Als sich Siegmund bei den Australian Open erstmals in die dritte Runde eines Grand Slam-Turniers spielte, dachte man: Okay, eine tolle Leistung. Aber es könnte auch schon der Zenit der 28-Jährigen gewesen sein.

Dabei war es der Auftakt zu einer bislang spektakulären Saison. Ende des Jahres stand die Stuttgarterin noch auf Rang 90. Inzwischen ist sie die Nummer 39 der Welt, Tendenz steigend. Sie ist so gut wie sicher für die Olympischen Spiele in Rio qualifiziert. Sie könnte künftig eine Rolle im deutschen Fed Cup-Team spielen. Als sie Ende April in Stuttgart ins Finale einzog – und nach der Quali erst im achten Match von Angelique Kerber gestoppt wurde –, hagelte es Schlagzeilen. „Das Tennis-Wunderkind wird erwachsen“, textete sueddeutsche.de. „Die Reifeprüfung der Laura Siegemund“, lautete ein Porträt beim SWR. Überhaupt: Im regionalen Fernsehen war die eloquente Siegemund Stammgast.

Ihr Spiel ist spektakulär – überraschende Netzangriffe, viel Touch, großes Kämpferherz. Laut Fed Cup-Fitnesscoach Mike Diehl ist sie „mental eine der fittesten Spielerinnen auf der Tour“. Noch spektakulärer aber ist ihre Vita. Als Juniorin war sie Deutschlands Beste. Sie gewann die Orange Bowl, sammelte Turniersiege und galt als „neue Steffi“. Ein Hype, den sie nie gewollt hat, aber der zu ihrer Hypothek wurde, später auf der Tour. Als sie oft nicht schlecht spielte, aber am Ende immer mit leeren Händen dastand.

Bachelor-Arbeit: Versagen unter Druck

Die Jahre vergingen. Aus der Spielerin mit der angeblich rosigen Zukunft wurde eine Mitläuferin, die bei den Events der zweiten und dritten Liga spielte, aber nicht sonderlich auffiel. Vor vier Jahren, da gurkte sie um Platz 330 der Weltrangliste, fasste sie den Entschluss aufzuhören. Zumindest zu pausieren. Siegemund absolvierte den DTB-A-Trainer-Lehrgang. Sie forcierte ihr Fernstudium an der Fernuni Hagen. Ihr Fachgebiet: Psychologie. Der Titel ihrer Bachelor-Arbeit (Anfang Februar  bekam sie das Ergebnis – Note 1,3): „Choking under Pressure“ – ein englischer Titel, weil die Literatur meist englisch war. Im Deutschen lautet der Name: „Versagen unter Druck“.

Versagen unter Druck war ihr Lebensthema. Nichts beschreibt besser, wie sie sich all die Jahre gefühlt hat. Als sie erfolglos war. Wer Siegemund einmal persönlich kennengelernt hat, spürt wie ehrgeizig sie ist. Wie sie das Verlieren hasst. Wie sie, in dem was sie tut, die Beste sein will.

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