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Mail aus Doha: French Open-Feeling

French Open-Feeling am Persischen Golf. Das Regenwetteer bei den Qatar Open erinnert an das Grand Slam-Turnier in Paris 2016. Karolina Pliskova nimmt es mit Humor.

Sondertraining im Dauerregen.

Eigentlich war am Dienstag National Sports Day in Doha. Ein staatlicher Feiertag, einfach um Sport zu treiben. Das war eine Herzensangelegenheit des Emirs von Katar, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, der bis heute stolz davon erzählt, dass er als 13-Jähriger mal ein Sparring mit Boris Becker machen durfte. Sein Volk hätte also frei gehabt, um am Dienstag zu den Qatar Total Open in den Khalifa International Tennis & Squash Complex zumindest passiv Sport zu treiben. Einige Erlesene auf den gepolsterten beigefarbenen Wohnzimmersesseln in der Emiri Lounge auf dem Center Court.

Dass die ganze Anlage trotz Feiertag menschenleer blieb, hatte mit dem Dauerregen zu tun. Regen ist man hier nicht gewohnt. Es erinnert eher an die letztjährigen French Open. Ex-Tennisprofi Karim Alami, inzwischen in Katar eingebürgert (eine Rarität!)  und eigentlich der Direktor des ATP-Turniers in Doha, schickte kurzerhand ein paar Mitarbeiter zu einem Sondertraining mit einer Rolle Regenplane. Wie mit einem unhandlichen Riesenwurm bahnten sie sich ihren Weg über die Anlage. Das hatten sie noch nie in ihrem Leben machen müssen. Immerhin hat der Centre Court eine Platzheizung darunter, denn Geld spielt hier ja keine Rolle.

Volles Haus dank Sania Mirza

Karolina Pliskova, die an Nummer zwei gesetzte Tschechin, meinte zwar: „Ach, in Prag sind es minus zehn Grad, das Wetter ist also fein.“ Für die Veranstalter ist der seit Qualifikationsbeginn bisher tägliche Regen aber das schlechteste Turnierwetter in der Historie der Qatar Open – Männer- (seit 1991)  und Frauen-Event (seit 2001) zusammen genommen. Sören Friemel aus Münster, Oberschiedsrichter des WTA-Turniers seit 2014, sagte dem tennis MAGAZIN: „Ich habe hier noch kein einziges Mal Regen gesehen.“ Laura Siegemund wartete nach ihrem Around-the-World-Trip von Hawaii nach Doha stundenlang vergeblich auf ihr Erstrundenspiel gegen Olympiasiegerin Monica Puig im Players’ Center, sie gucke aus müden Augen und hatte noch nicht mal mitbekommen, dass Deutschland in der Fedcup-Relegation die Ukraine zugelost wurde.

Das WTA-Turnier zieht in Doha – auch ohne Dauerregen –  traditionell weniger Tennisfans an als die ATP-Veranstaltung. Nur die diesmal abwesende Serena Williams gilt in Katar als Tennis-Ikone – wie ein Federer, Nadal oder Djokovic. Am Halbfinal– und am Finaltag ist aber auch bei den Damen der 7.200 Zuschauer fassende Centre Court traditionell voll besetzt. Und im letzten Jahr ließ die indische Doppelheldin Sania Mirza den Court 1 aus allen Nähten platzen, als sie dort an der Seite von Martina Hingis antrat. Inder gibt es reichlich im sehr internationalen Doha.

 

Kinder können auf der Turnieranlage auf kleinen Araber-Pferden reiten.

Kinder können auf der Turnieranlage auf kleinen Araber-Pferden reiten.

Privatstrand, Jaguar-Fahrservice und Paris St. Germain

French Open-Feeling

tM-Raporterin Inga Radel hat das Hamburger Wetter scheinbar mit nach Doha gebracht.

Was die Qatar Total Open natürlich auch sind: exotisch und dekadent. Die größtenteils vom Veranstalter alle eingeladenen Journalisten und die Spielerinnen aus der Qualifikation wohnen in dem 5-Sterne-Hotel Rotana City Center in Suites wie anderer Leute Wohnungen; mit dem Four Seasons für die Topspielerinnen, wo am Montagabend auch die Players’ Party stattfand, kann es aber nicht mithalten. Das Four Seasons hat natürlich noch einen Privatstrand. Mit dem Jaguar-Fahrservice dürfen aber auch die Reporter kostenlos umherfahren. Präsident der Qatar Tennis Federation und quasi der Turnierbesitzer ist Nasser Al-Khelaifi, dem auch Paris St. Germain gehört. Und auf der Anlage können die kleinen Besucherkinder, wenn ihnen mal langweilig ist, auf Araber-Pferdchen reiten. Das übrigens auch pferdeverrückte Staatsoberhaupt Al Thani wird sich in dieser Woche auch wieder blickenlassen. Beim Herren-Turnier sitzt er in der Regel an vier Turniertagen in seiner Emiri Lounge, bei den Damen an ein bis zwei. Man benötigt eine Einladung der Emirs-Familie für diese Loge. Sie ist Teil des sogenannten VI-VIP-Bereichs. Für die wichtigsten der sehr wichtigen Menschen.

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