2017 Australian Open – Day 4

Mail aus Doha: Turnierfavoritin Kerber im Fokus und wortkarg

Angelique Kerber ist fokussiert auf das WTA-Turnier in Doha. Die Kielerin will sich vor ihrem Auftatktmatch durch nichts aus der Ruhe bringen lassen.



Turnierfavoritin Kerber in Doha allgegenwärtig

Gleich am ersten Turniertag lächelte einem Angelique Kerber in einem orientalischen Gewand vom Programmheft entgegen. Die Topgesetzte, gehüllt in ein azurblaues Flatterkleid mit Gold-Applikationen, posierte auf einem Holzschiff auf dem Meer vor der Skyline Dohas.  Sie mag besondere Kleider. Am Sonntag hatte die Weltranglistenzweite außerdem am „Media-Day“ teilgenommen und deshalb auch in den lokalen Zeitungen „Qatar Tribune“ und „Gulf Times“ die Schlagzeilen für sich: „Kerber ready to roar again.“

Leider konnte das tennis MAGAZIN erst am Montag anreisen und erlebte Kerber nach ihrer Trainingseinheit auf dem hinter lilafarbenen Planen abgeschotteten Practice Court 4  kurzangebunden. Mit Bestimmtheit verwies die 29-Jährige auf den Medientag, an dem sie ihrer Pflicht nachgekommen sei und die deutsche Presse leider gefehlt habe. Sorry!

Kerber verfolgte Fed Cup im Liveticker

Turnierfavoritin Kerber

KLEIDER MACHEN LEUTE: Kerber im azurblauen Flatterkleid mit Gold-Applikationen auf dem Programmheft der Qatar-Open.

Im Weitergehen ließ sie sich dann doch noch etwas Schnelles zum Fed Cup vom Wochenende abringen. Ihre Reaktion auf das bitterböse 0:4 der DTB-Mädels gegen die US-Girls auf Hawaii: „Ich habe auf jeden Fall immer mitgefiebert. Es war ja hier nachts, ich habe den Livescore geschaut und ich bin natürlich traurig, dass sie es nicht geschafft haben.“ Der Frage, ob sie denn am 22./23. April wie ursprünglich mal angekündigt für das Relegationsspiel zur Verfügung steht, wich sie aus: „Ich kann nur zum letzten Match etwas sagen – nämlich, dass ich mitgefiebert habe.“ Noch mal die Nachfrage: Ob sie denn noch am Überlegen sei? Darauf kam: nur ein hilfloser Luftkuss. Und weg war sie, verschwunden in den Umkleidekabinen unter dem Centre Court des Khalifa International Tennis & Squash Complex.

Frühe Anreise trotz Freilos

Es kann bei warmem Wind und Regenschauern auf der spärlich besuchten Anlage weder an der Horde an Autogrammjägern (fünf Stück und damit weniger als die Security-Guards) noch an der Journalistenschar (nur ein Journalist aus Deutschland ist da, die tM-Reporterin) gelegen haben, dass Kerber so nichtssagend war. Entweder ist sie extrem angespannt oder sie will sich einfach von nichts und niemandem auf der Tenniswelt in ihrer Vorbereitung ablenken lassen. Als jemand sie vor ihrer Trainingsstunde fotografieren wollte (das mag sie nicht!), guckte sie auf den Boden, als wäre sie schon in ihrer mentalen Match-Zone.

Turnierfavoritin Kerber

ANGESPANNT: Das „Team Kerber“ auf dem Weg zum Training am Montag in Doha. Statements gab es so gut wie keine.

Auch am Dienstag war Kerber zu keinem Statement bereit. Mit einem gequälten Lächeln im Gesicht verschwand sie nach ihrer Trainingseinheit wieder in den Katakomben des Stadions.

Bereits am vergangenen Donnerstag war sie als erste der Top-Five der Setzliste in Katar gelandet – obwohl sie zunächst ein Freilos hat und erst an diesem Mittwoch ins Turnier startet. Ihren Hitting-Partner André Wiesler (34) holte sie für Doha extra ins „Team Angie“, sodass Torben Beltz in den vergangenen Tagen wie ein klassischer Coach auf Kerbers Platzseite Tipps geben konnte. Auch ihre Physiotherapeutin Cathrin Junker stand am Montag fast in Linienrichterpose mit auf dem Court. Wiesler flog am Montagabend wieder zurück nach Deutschland.

Sydney-Bezwingerin droht in der ersten Runde

Doha ist eine Standortbestimmung für Deutschlands Sportlerin des Jahres 2016, keine Frage. 24 Tage nach ihrem Achtelfinal-Aus bei den Australian Open gegen Coco Vandeweghe  – darunter einige Tage des Nichtstuns im kalten Kiel – bestreitet Kerber erstmals wieder ein Match. Sie hat die Spitzenposition an Serena Williams verloren und nur eine 4:3-Matchbilanz in diesem Jahr vorzuweisen. Als erste Gegnerin droht gleich wieder die 19-jährige Russin Daria Kasatkina, gegen die Kerber in Sydney ihr Auftaktmatch verlor. Allerdings muss Kasatkina noch nachsitzen. Nach einem mehr oder weniger komplett verregneten Dienstag (nur ein Match konnte überhaupt beendet werden!) muss die Russin noch ihre Erstrundenpartie am Mittwochmorgen gegen die Rumänin Irina-Camelia Begu beenden. Begu führt im ersten Satz mit 5:3. Die Siegerin trifft dann am Mittwochnachmittag auf Kerber.

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VOR ORT IN DOHA: tM-Reorterin Inga Radel.

Eigentlich könnte Kerber gerade in Doha etwas entspannter in das Turnier starten. Letztes Jahr verlor sie als Topgesetzte zum Auftakt gegen die Chinesin Zheng. Sie hat 2017 also keine Punkte zu verteidigen, das sollte ihr doch ein wenig den Druck nehmen. Aber vielleicht macht sie sich auch ganz andere Gedanken: Wenn Kerber nämlich das Turnier in Doha gewinnt, würde sie bis auf 200 Punkte an die Weltranglisten-Erste Serena Williams heranrücken. Theoretisch könnte sie dann beim sich anschließenden Event in Dubai wieder die Nummer eins werden.

 

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  1. Tennisbaronin

    Schön, für das tN und Frau Radel, dass eine Reporterin in Doha ist.

    Schade, dass sie es offenbar nicht verwinden kann, dass sich Angelique Kerber vor, beim und nach dem Training ums Tennis und nicht um unprofessionelle Medienanfragen kümmern möchte.

    Wie würde es Frau Radel wohl finden, wenn sie im Pressezentrum während des Verfassens eines Artikels ungefragt angequatscht und gefragt werden würde, ob sie denn am Wochenende auch verfolgt hätte, wie sich die Medienn-KollegInnen auf Hawaii bei den PKs so geschlagen haben?

    Für Interviews gibt es All Access Hours, PKs und häufig genug nach Anmeldung auch One-on-Ones. Dass Angelique Kerber sicht nicht „von der Seite“ auf dem Trainingsplatz anquatschen lässt halte ich für professionell – Frau Radel nach diesem Artikel für das Gegenteil.

    Torben Beltz steht „wie ein klassischer Coach auf Kerber Platzseite“. Skandalös. Man soll es nicht glauben, aber er ist Kerbers (klassischer) Coach und steht dort häufiger, vor allem, wenn sie mit Hitting Partner trainiert – völlig egal, wohin diese danach möglicherweise reisen. „Auch ihre Physiotherapeutin Cathrin Junker stand am Montag fast in Linienrichterpose mit auf dem Court.“ Nun, auch das ist keine Seltenheit.

    Es bleibt unklar, was uns Frau Radel mit ihrem Artikel sagen oder welches Problem sie konstruieren möchte. Außer, dass sie offenbar Angst hat, ohne ein Interview mit Angelique Kerber selbst nach Deutschland zurückkehren zu müssen.

    P.S.: Woher nimmt die offenbar gerne mit dramatisierenden „!!!“ arbeitende tM-Reporterin die Erkenntnis, dass es Kerber nicht mag, vor dem Training fotografiert zu werden?

    • Tim Böseler

      Danke für Ihren Kommentar, Frau Tennisbaronin! Drei Dinge zu Klarstellung:
      1. Die Kollegin Radel hat Angie Kerber nicht „von der Seite“ auf dem Trainingsplatz angesprochen. Sie hat NACH ihrem Training höflich um ein kurzes Gespräch gebeten. Das mag für Sie ein- und dasselbe sein, für uns ist das aber ein großer Unterschied.
      2. Als Journalist wird man in Medienzentren ständig „angequatscht“ – on- und offline, das ist Teil des Jobs, völlig normal also. Wir sind es gewohnt zu kommunizieren. Angie Kerber hat dazu gerade wenig Lust – das muss man natürlich respektieren, heißt aber noch lange nicht, dass man es nicht zum Thema eines Artikels machen kann. Genau das tut Frau Radel. Auch vor dem Hintergrund, dass sie Angie Kerber auf Turnieren schon ganz anders (entspannter nämlich) angetroffen hat.
      3. Frau Radel ist Journalistin. Da ist es durchaus möglich, dass man Informationen besitzt, die andere noch nicht kennen – Stichwort: Foto!

      • Tennisbaronin

        Sehr geehrter Herr Böseler,

        besten Dank für Ihre Antwort.

        Unsere Wahrnehmung von den Gegeben- und Gepflogenheiten bei Tennisturnieren im Allgemeinen und in Pressezentren im Besonderen scheinen unterschiedlich zu sein. Kein Problem.


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