Im Achtelfinale: Alexander Zverev

Mail aus Valencia: Was Nadal und Zverev beim Davis Cup eint

 Sowohl der erfahrene Rafael Nadal als auch Youngster Alexander Zverev holen sich an Tag eins des Davis Cup-Viertelfinals wichtige Erfahrungswerte. Der eine wohl bewusster als der andere. Doch dieser feine Unterschied macht diesen Länderkampf vor einer am Freitag atemberaubenden Kulisse aus, meint unser Reporter vor Ort und beschäftigt sich vor dem offensichtlichen Showdown am Sonntag mit den Abläufen im Team und dem Doppel am Samstag.

Da saß er nun nach verrichteter Arbeit im Pressekonferenzraum, eingerichtet in einem alten Kino gegenüber der Stierkampfarena. Die wichtigsten Fragen zur spielerischen Leistung waren gestellt und beantwortet. Da kam ein Reporter der Bild nochmal auf die von Alexander Zverev am Freitag selbst erwähnten Probleme in Sachen Jetlag zurück. Die deutsche Nummer eins hatte ja angekündigt, dass zumindest das Warmup vor dem Match nicht gut werde.

„Sie hätten mich heute morgen um acht Uhr sehen sollen“, erklärte sich Zverev. Vier Lebewesen habe es benötigt, um den 20-Jährigen aus dem Bett zu ziehen. Ja Lebewesen. Denn nach den Andeutungen des heute so souverän siegreichen DTB-Asses (HIER die Analyse) hatten zunächst seine Mutter, dann der vorbeischneiende Tim Pütz und abschließend Teamchef Michael Kohlmann zumindest keinen gänzlich durchschlagenden Erfolg. „Als Lövik vorbeischaute, war ich endgültig wach.“

Davis Cup: Zverevs Pudel als Weckdienst

Damit hatte er die Lacher auf seiner Seite. Lövik, das wird eingefleischten Fans bekannt sein, ist der Pudel in der Familie Zverev. Nicht zuletzt die Boulevardzeitung hat dem Haustier der Familie, das auf der Tour genauso regelmäßig mitreist wie der Rest der Familie, am Freitag schon eine eigene Story gewidmet.

Wer die Zverevs, insbesondere Alexander, schon mal im Umgang mit dem Familienmitglied erlebt hat, der weiß, dass das Tier nicht weniger ist als eben das. Ein Familienmitglied. Diese Situationen sind nicht übertrieben kitschig – war die beschriebene Situation im Frage-Antwort-Spiel ebenfalls nicht. Vielmehr lockern sie die Atmosphäre rund um den jüngsten Spieler in den Top zehn der Welt auf und beschreiben eine durchaus noch vorhandene kleine, kindlichere Seite des 20-Jährigen.

Davis Cup: Kann sich Zverev diese Seite behalten?

Dass er sich diese trotz des Trubels um seine Person, die oft kritisch gesehen wird, noch behalten kann, ist ihm zu wünschen. Denn sie beeinträchtigt seine Professionalität hier in Valencia auf dem Platz in keinster Weise. Das Warmup sei ok gewesen. Das Match war mehr als ok. Körpersprache und Spielanlage waren vom Start weg da. „Ich habe vor dieser Kulisse gegen David Ferrer gespielt, der auf Sand im Davis Cup ungeschlagen war und schon lange auf diesem Untergrund trainiert“, relativierte Zverev. Deswegen könne er nur zufrieden sein.

Ohne, dass er das vielleicht bewusst mitbekommt, entwickelt sich Zverev aufgrund solcher Erfahrungswerte, die mit all diesen Komponenten eben nur der Davis Cup bietet – wie schon in Brisbane gegen Australien. Das höchstmögliche Maß an Erfahrung bietet das Duell am Sonntag gegen den Liebling der 8000 frenetischen Spanier, die am Freitag das Comeback von Rafael Nadal zu einem ganz besonderen Spektakel machten.

Davis Cup bietet Zverev höchstmöglichen Erfahrungswert

Rafael Nadal –und sein Umfeld – haben sich dieses Ambiente im Davis Cup hier in Valencia sozusagen als Rosine ganz bewusst herausgepickt. Unter normalen Umständen hätte die Nummer eins der Welt hier nicht aufgeschlagen. Trotz der Stierkampfarena, trotz der vielen Fans, trotz der widererstarkten deutschen Mannschaft.

Es war der richtige Wettkampf zur absolut richtigen Zeit für den Spanier. Das bedeutet mitnichten, dass Nadal kein Patriot oder Teamplayer ist. Mit seiner authentischen Art und seinem Auftreten merkt jeder, dass er das Teamspiel genießt. Hätte er jedoch mehr auf der Tour spielen können, wäre diese Woche eine sinnvolle Pause gewesen.

Davis Cup für Nadal richtiger Wettkampf zur richtigen Zeit

So ist sie ein Segen für das spanische Team. Ein Segen für den Wettkampf um die wohl hässlichste Salatschüssel der Welt. Ein Segen für die Aufmerksamkeit dieser Sportart. Ob dieses perfekte Timing den Davis Cup in seiner jetzigen Form rettet? Wohl eher nicht. Aber es ist ein Fingerzeig, welches Potential das Turnier noch haben kann.

Nadal sammelt also seine Erfahrungswerte ganz bewusst ein. Wäre irgendwie unpassend, wenn er das mit seiner Erfahrung nicht könnte. Am Freitag bekannte er, sein Körper gebe ihm täglich Feedback. Nach drei Sätzen voller langer Ballwechsel gegen Philipp Kohlschreiber sagte Nadal auf tennis MAGAZIN Nachfrage: „Mein Körper hat gut reagiert. Es war mehr als ein guter Test gegen einen sehr guten Gegner nach langer Pause. Den hier vor diesem tollen Publikum absolvieren zu können. Das wollte ich.“

Nadal: „Mein Körper hat gut reagiert“

Auch ,Kohli‘, der sich bereits vergangene Woche von seinem Trainer getrennt hat, bekannte. „Er ist der Sandplatzkönig und war besser als ich. Wenn er da rausgeht und den roten Sand sieht, gibt er einem das Gefühl, dass alles hier ihm gehört.“ Von Nachwirkungen der Verletzung war heute nichts zu sehen. Wie viel er jedoch investieren muss, um diesen Zustand zu erreichen, darüber können Beobachter hier nur grübeln.

Und so dreht sich zunächst mehr um das richtungsweisende Doppel am Samstag. Michael Kohlmann bekannte einfach und prägnant: „Wenn ein Team jeden Tag einen Punkt ergattert, sieht es im Davis Cup gut aus.“ Kohlmann und Zverev sind, wie schon in Brisbane, die kommunikativ offensivsten im DTB-Team. Kohlmann sprach vom „erreichten Minimalziel“ am Freitag; Zverev bekräftigte: „Wir sind hier in Valencia, um zu gewinnen.“

Zverev: „Hier, um zu gewinnen“

Um die Weichen auf Sieg zu stellen, bedarf es im Doppel einen Sieg. Für Kohlmann sei die Paarung Feliciano und Marc Lopez, immerhin Grand Slam-Sieger bei den French Open, Favorit. „Aber unser Team hat es sich durch ihr Zusammenspiel verdient, eine realistische Chance eingeräumt zu bekommen.“ Auch wenn es auf Sand vor diesem Publikum richtig schwer wird.

Dass das deutsche Team in einem Viertelfinale im Davis Cup in Spanien nahezu auf Augenhöhe agiert, war noch vor einem dreiviertel Jahr so nicht abzusehen. Doch die Verantwortlichen um Kohlmann, um Boris Becker haben ein Klima erschaffen, in dem sich alle auf Augenhöhe entfalten können. Dazu gehört ebenfalls die gesamte Familie hier in Valencia. Die Mutter als Organisatorin, der Vater in DTB-Jacke als Trainer, der Bruder in der Trainingswoche als Sparring. Und der Hund als Wecker. Um den Spitzenspieler an den Frühstückstisch zu holen.

 

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