Day Five: The Championships – Wimbledon 2016

Mein persönlicher Wunschzettel

Was wird 2017 bringen? Auf welche Storys darf sich die globale Tennisgemeinde freuen? tennis MAGAZIN-Chefredakteur Andrej Antic mit seinem ganz persönlichen Wunschzettel.

1. Warum muss ich in diesen Tagen immer wieder an Alexander Zverev denken? Vielleicht weil ich vor ziemlich genau einem Jahr in Florida weilte und ein Treffen mit dem damals aufstrebenden Talent nicht klappte. „Alexander hat zehn Minuten Zeit“, schrieb mir sein Manager damals. Wir, Fotograf Oliver Hardt und ich, waren in Miami. Der Zverev-Clan bereitete sich in der Nähe von Tampa auf die Saison vor. Vier Stunden Autofahrt – zu weit für so ein kurzes Treffen, entschieden wir. Was uns widerfuhr, passierte so oder so ähnlich vielen Schreibern. Zverev & Co. ließen die deutsche Presse nicht an sich heran. Ein Fehler, wie ich finde. Mein Wunsch für 2017: Dass Zverev sich nicht nur als globale Marke inszeniert, sondern sich Zeit nimmt für SZ und FAZ, dpa und SID, die vielen, vielen anderen. Und natürlich für uns. Er wird gute Presse noch brauchen.

2. Es gibt einen Spieler – und das ging mir so noch nie –, bei dem ich es nicht abwarten kann, dass er auf die Tour zurückkehrt: Roger Federer. Sein letztes Match stieg in Wimbledon. Halbfinale. Fünf-Satz-Niederlage gegen Milos Raonic. Das war im Juli. Anschließend verabschiedete sich der Schweizer in den Zwangsurlaub. Im Februar hatte er sich am Meniskus operieren lassen. Spätestens in Wimbledon stand fest: Das Knie ist immer noch nicht heil, es braucht Pause. Was wurde anschließend nicht im Netz spekuliert? Federer wird nie wieder spielen. Ein unwürdiges Karriereende. Die Bauchlandung beim Match gegen Raonic war symbolisch. Alles Quatsch. Federer kommt zurück. Er hat gut trainiert. Er sagt, dass er sich richtig gut fühlt. Mein Wunsch: Der beste Spieler, den es je gab, braucht im Finish seiner Karriere noch einen Paukenschlag. So wie Pete Sampras, der 2002 nach einem Jahr Pause die US Open gewann. Der beste Platz für seinen 18. Grand Slam-Sieg: Wimbledon, was sonst?!

3. Angelique Kerber hat 2016 etwas geschafft, was noch keiner Spielerin in der Historie des Damentennis gelungen ist: Sie hat im reifen Tennisalter von 28 Jahren eine Erfolgsserie gestartet, von der niemand geahnt hätte, dass sie dazu in der Lage sein würde. Melbourne-Sieg, Wimbledon-Finale, Rio-Finale, US-Open-Sieg, die Nummer eins, Finale beim Masters in Singapur. Es folgten Ehrungen ohne Ende, weltweiter Jubel und Glückwünsche, neue Sponsorenverträge. Für die sympathische Kielerin war die Tour 2016 ein Märchen. Ich wünsche mir, dass die harte Arbeiterin Kerber weiter Erfolg hat. Aber vor allem: Dass man ihr den nötigen Respekt entgegenbringt, wenn nicht alles klappt. Denn eins ist klar: 2016 ist eigentlich nicht zu toppen.

4. Wie war das noch 2016 im Davis Cup? Ein knappes Aus in der 1. Runde gegen Tschechien mit einem gegen Tomas Berdych überragenden Zverev. Dann setzte es nur noch negative Schlagzeilen. Vor dem Relegationsmatch in Berlin drohte der DTB im Chaos zu versinken. Ein Team ohne die Spitzenkräfte Zverev und Kohlschreiber. Merkwürdige Suspendierungen von Dustin Brown & Co. Ein Verband, in dem sich Pressesprecher und Sportwart widersprachen. Am Ende kam man mit dem berühmten blauen Auge gegen bestenfalls drittklassige Polen davon – 3:2 hieß es im noblen LTTC Rot-Weiß. 2017 geht es zum Auftakt zu Hause gegen Belgien. Ein ungeheures Losglück, wenn man bedenkt, dass die Deutschen im Konzert der besten 16 nicht gesetzt sind und ganz andere Kaliber im Topf waren. Im April ginge es wahrscheinlich gegen Argentinien – ein Heimspiel. Auch das wäre, ohne del Potro, durchaus machbar. Ich wünsche mir, dass das deutsche Team im nächsten Jahr mindestens das Halbfinale erreicht. Das gab es zuletzt 2007 in Moskau. Dass das schon zehn Jahre her ist…

5. Die Big 4 mögen Geschichte sein, wie unser Kolumnist Matthias Stach im letzten tennis MAGAZIN prophezeite, aber zu Höhenflügen ist auch das schwächelnde Duo aus dem Quartett noch fähig. Siehe hoffentlich Federer. Und siehe Nadal, dem ich ein erfolgreiches Comeback mindestens genauso gönne wie dem Schweizer. Der Spanier fiel nicht ganz so lange aus. Seine Bronze-Medaille in Rio war ein Highlight, was dann folgte war Schwarzbrot. Aus im Achtelfinale der US Open gegen Lucas Pouille, frühe Pleiten in Peking und Shanghai. London musste er gar absagen. Die bescheidene Bilanz am Saisonende: 39:14-Siege. Grausame Zahlen für Nadal-Fans. Ich wünsche mir, dass er es Paris noch einmal krachen lässt. Nadal und Paris, das ist wie 007 und Aston Martin. Wie Ronaldo und Real. Wie Phil Taylor und Darts. Ein Sieg bei den French Open wäre sein zehnter Titel dort. Ich wünsche mir La Decima!

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