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Post aus Paris: Alexander Zverev – der Unerschütterliche

Alexander Zverev kam auf direktem Weg von seinem Match auf dem Court Philippe Chatrier in die Pressekonferenz. Andere Profis duschen erst einmal und sammeln ihre Gedanken zusammen, ehe sie sich eine Stunde später per Lautsprecher ankündigen lassen und dann vom Media-Staff in einem der größeren oder kleineren Interviewräume in den Centre-Court-Katakomben platziert werden. Nein, „Sascha“ Zverev war schlagartig da, im zweitgrößten Raum. Auf die Frage der „New York Times“, was denn den Unterschied zwischen ihm und Fernando Verdasco gemacht habe, sagte er schnörkellos: „I played absolute shit – it’s quite simple.“ So einfach ist das.



Als das tennis MAGAZIN wiederum Zverevs Blitz-Ananlyse twitterte, versah er sie prompt mit einem Like. Cool ist er, dieser 20-jährige Typ. Und auf seine Art reflektiert und gereift. „Es lag an keinem, außer an mir“, sagte er nach der 4:6, 6:3, 4:6, 2:6-Niederlage, die sich über zwei Tage hingezogen hatte. Diese Pressekonferenz hatte nichts mehr von den patzigen Auftritten im vergangenen Jahr nach seinem Drittrunden-Aus in Wimbledon (gegen Tomas Berdych) oder der Erstrundenpleite bei seinem Heimturnier in Hamburg (gegen Inigo Cervantes).

Nur zwei von 13 deutschen Profis in Runde 2

Der Weltranglisten-Zehnte erklärte dann auf Nachfrage noch genauer – und auf den Punkt – weshalb gegen den 33 Jahre alten Routinier Verdasco verlor, der ein undankbares Auftaktlos war: „Er hat sehr klug gespielt. Er hat mich weit zurückgedrängt. Und ich war die ganze Zeit sehr kurz und defensiv – mit meinem Spiel und meinem Körper ist das nicht leicht.“ Alles in allem schien es so, als müsse man sich um ihn am wenigsten Sorgen machen – von all den elf in Runde eins gescheiterten Deutschen. Nur Carina Witthöft und Tatjana Maria erreichten die zweite Runde.

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AU REVOIR PARIS: Alexander Zverev, 20, wird noch ein paar Gelegenheiten bekommen, um bei den French Open besser abzuschneiden als 2017. (FOTO: Frank Molter)

„Ich bin immer noch die Nummer 4 im Race to London. Ich habe drei Turniere in diesem Jahr gewonnen. Es ist nicht das Ende der Welt. Auch wenn ich mir natürlich Gedanken darüber machen sollte, wie ich hier gespielt habe und es schade ist, dass ich bei einem Grand Slam so spiele.“ Auch das waren keine Sätze, die er sich selbst trotzig einredete, sondern sie stimmten.

Nur der Supervisor wollte am Montag weiterspielen

Wäre es für ihn vielleicht besser gewesen, wenn er am Montag trotz einbrechender Dunkelheit weitergespielt hätte, weil er gerade das Momentum hatte? Das verneinte Zverev klar. Er und Verdasco hätten beide schon im zweiten Satz „kaum noch etwas gesehen“, sie hätten beide unbedingt abbrechen wollen, genauso wie der Stuhlschiedsrichter. „Aber der Supervisor hat halt ans Fernsehen und an die Zuschauer gedacht und war der einzige, der weiterspielen wollte.“

PARIS, FRANCE - MAY 30: Alexander Zverev of Germany breaks his racket during the first round match against Fernando Verdasco of spain on day three of the 2017 French Open at Roland Garros on May 30, 2017 in Paris, France. (Photo by Clive Brunskill/Getty Images)

DEUTSCHE ZERLEGARBEIT: Alexander Zverev im Zerstörungsmodus – sein Schläger musste dran glauben.

Sein Benehmen auf dem Platz, das muss man auch sagen, ist noch nicht ganz auf Top 10-Niveau. Anfang des vierten Satzes nach seinem Aufschlagverlust zum 0:2 zerbrach der Rom-Sensationssieger aus Wut seinen Schläger auf dem Knie, geahndet mit einer Verwarnung. Zum 1:4 trümmerte er das neue Racket auf den Boden, geahndet mit Pfiffen und Buh-Rufen des Pariser Publikums.

Zverev lernt aus seinen Fehlern

Aber Zverev hat die Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen. Bisher ist er immer nach bitteren Niederlagen noch stärker zurückgekommen. Jetzt will er sich erst einmal ein paar Tage frei nehmen. „Die letzten zwei Wochen waren sehr positiv, aber auch körperlich ermüdend.“ Sicher ist, dass er in Halle spielt. Er will nach seinem frühen Aus in Paris nun gucken, ob er nicht schon früher in die Rasensaison startet. Infrage käme Stuttgart. „Ich werde es mir überlegen. Bis Halle sind es noch drei Wochen. Wenn ich jetzt noch etwas anderes spiele, sind es zweieinhalb Wochen, weil ich ja wahrscheinlich Top-4 gesetzt bin und dann wahrscheinlich erst am Donnerstag spiele.“

So oder so: Alexander Zverev wirkt unerschütterlich auf seinem Weg nach oben. Er hat eine brutale mentale Härte und ist der professionellste aller deutschen Tennisprofis. Ein gutes Omen gibt es auch: Sein Idol Roger Federer scheiterte nach dem ersten Masters-Sieg 2002 in Hamburg bei den French Open auch in Runde eins (glatt in drei Sätzen gegen den Marrokaner Hicham Arazi). Darauf angesprochen, lächelte Zverev. „Ihr könnt euch eure Geschichte selbst ausdenken. Mir ist das egal.“

 

 

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