Sir Elton John And Billie Jean King Host World TeamTennis Smash Hits Charity Event

Sharapova-Comeback: Das „Maria-Projekt“

Wenn Maria Sharapova Ende April von ihrer Dopingsperre zurückkehrt, wird die WTA-Tour so viel Aufmerksamkeit erhalten wie lange nicht mehr. Die Sandplatzgötter sind sich sicher: alles nur eiskaltes Kalkül 



Wildcards für Sharapova

Am Mittwoch, dem 26. April ist es so weit: Maria Sharapova darf wieder Profitennis spielen und die WTA-Tour, zumindest der Teil der WTA-Tour, der Turniere veranstaltet, empfängt sie mit offenen Armen in Form von diversen Wildcards.

Den Anfang macht Stuttgart, wo als Haupt­sponsor Porsche in Erscheinung tritt. Sharapova repräsentiert die Marke des VW-Konzerns schon seit Jahren. Und man scheint dort der Meinung zu sein, dass das auch weiterhin gut zusammen passt. Fakt ist jedenfalls: Die Russin hat einen Werbewert, auf den man weder in Bezug auf das Turnier noch auf das Bewerben der PS-Produkte dauerhaft verzichten will.

In diesem Punkt sind die Interessen des Sponsors von Sharapova und der WTA komplett deckungsgleich, was ein großes aktuelles Problem der Damen-Tour aufzeigt:  Es mangelt abseits von Serena Williams an Star-Power und Glamour-Faktor. Man hat große Probleme, neue Gesichter nachhaltig in den Köpfen der Fans zu verankern.

Sharapova kehrt von ihrer Dopingsperre zurück

Vor einem Jahr verkündete Maria Sharapova der Presse, dass sie das Dopingmittel Meldonium eingenommen habe. Von der WTA wurde die ehemalige Weltranglistenerste gesperrt.

Große Lücke nach Williams

Seit 2010 haben zwölf verschiedene Damen Grand Slam-Turniere gewonnen – allerdings keine, die nicht Serena Williams heißt, mehr als zwei. Noch schlimmer: Vier dieser Spielerinnen (Kim Clijsters, Li Na, Marion Bartoli, Flavia Pennetta) sind  zurückgetreten,  zwei  weitere in der relativen (Sam Stosur) bis absoluten (Francesca Schiavone) Bedeutungslosigkeit verschwunden. Petra Kvitova und Victoria Azarenka werden erst in einiger Zeit zurückkehren. Hinzu kommen Angie Kerber, die nach dem Traumjahr 2016 heftigst damit beschäftigt ist, ihre Form zu stabilisieren. Und Garbine Muguruza, die ihr Leistungsvermögen noch nicht konstant abrufen kann.

Tennis nicht im Fokus

Wenig Potential also für die WTA Tour,  dem Publikum realitätsnah etwas verkaufen zu können, was essentiell für  den ganz großen öffentlichen Fokus Richtung Tennis ist:  das regelmäßige direkte Duell zweier Top-Spielerinnen.

Wozu das führt, zeigt sich 2017 im normalen Touralltag. Wenn die medial größten Ereignisse der WTA-Tour die Bikini-Bildchen von Genie Bouchard sind, wird sie auf Dauer Probleme bekommen, ihre sportliche Relevanz  in Debatten wie der um gleiches Preisgeld glaubwürdig zu vertreten. Zumal der Selbstvermarktung nach dem Strip-Poker-Modell der Kanadierin ja nicht nur mangels weiterer abzulegender Textilien Grenzen gesetzt sind. Der Transfer auf die Aufmerksamkeit ihrer sportlichen Aktivitäten gelingt nämlich nur dann, wenn die Dame öfter in den späteren Runden der größeren Turniere steht.

Projekt Weltspitze in vollem Gange

Den Spagat zwischen intensiver Vermarktung bei gleichzeitig stetigen sportlichen Erfolgen hat neben Serena Williams nur Maria Sharapova hinbekommen. Deswegen wird ihr jetzt von der Tour bei ihrem Comeback kein Stein in den Weg gelegt. Es gibt Presse­erklärungen, in denen ihre Dopingsperre zur „Pause“ umgedichtet wird. Die Regeln werden für sie zwar nicht gebrochen, aber doch großzügig ausgelegt. An eine noch nicht abgelaufene Spielsperre hat sicher keiner gedacht, als die Möglichkeit, „unter besonderen Umständen“ erst mittwochs in ein Turnier (wie in Stuttgart) einzusteigen, etabliert wurde. Nichts soll das Projekt, die Russin wieder an die Weltspitze zu befördern, verzögern. Es wird ein Gemeinschaftsprojekt: von WTA-Tour und Maria Sharapova.

Spiel, Satz, Sieg – großes Tennis hier bei uns im Livescore! Verpasst kein Match! Klickt Euch rein: http://www.tennismagazin.de/livescore/


  1. Stefan Höfel

    Guter Beitrag, aber es ist nichts Ungewöhnliches, wenn z. B. bei einem Turnier mit 32 oder weniger Teilnehmern einige erst am Mittwoch das erste Match bestreiten.

    • Schwelli

      Da hast du recht. Wird aber sinnvollerweise eigentlich dazu benutzt, um Spielerinnen, die noch am Wochenende anderswo aktiv sind und anreisen müssen, etwas mehr Zeit zu geben. Und nicht um Spielerinnen, die noch gesperrt sind, eine Teilnahme überhaupt zu ermöglichen. Von ersterer Kategorie wird es ja in Stuttgart aufgrund des FedCups ein paar geben. Die Formulierung oben ist aufgrund des begrenzten Platzes in der Print-Ausgabe etwas kurz geraten.

      PS: Falls das nicht klar ist: Ich habe den Text verfasst 😉

      • Stefan Höfel

        Aber neben Scharapowa und ihrer Erstrundengegnerin wird es ja vielleicht noch weitere Spielerinnen geben, die erst am Mittwoch ihr Erstrundenmatch bestreiten. Ich finde, dass sie ihre Strafe hatte, z. B. Verzicht auf Olympia usw., und dass nicht in jedem Bericht stehen muss, dass sie bis zum 25.04. gesperrt ist und vorher die Anlage nicht betreten darf. Ich denke übrigens auch, dass aus Zeit- und Platzmangel bei einem 32er-Feld, also 16 Erstrundenmatches, häufig je 6 davon am Montag und Dienstag sowie 4 am Mittwoch ausgetragen werden. Da von den 8 Zweitrundenmatches bereits zwei ebenfalls am Mittwoch ausgetragen werden (können), verbleiben für Donnerstag die letzten 6 Zweitrundenmatches, in diesem Fall Achtelfinals.

  2. Gerd Bruder

    Klar, dass es mit Scharapovas Comeback jetzt schnell gehen muss – die Zeit läuft ihr davon. Und die Nummer mit Eugenie Bouchard ist doch längst geplatzt. Sie erweist sich sportlich mehr und mehr als Flop und wird nahezu zwangsläufig zu einer Anna Kournikova 2.0 mutieren.

    Noch ein Wort zu Angie Kerber: obwohl als Vorbereitung auf die nahende Clay-Strecke in Europa eher ungeeignet war es womöglich nicht ihre schlechteste Entscheidung, als einzige Top Ten-Spielerin auf das kleinere Turnier in Monterrey auszuweichen und so der Konkurrenz in Charleston aus dem Weg zu gehen. In Mexiko kann sie Sympathien beim Publikum (dort ist sie offenbar recht beliebt!) und Weltranglistenpunkte sammeln, wenn auch weniger Preisgeld winkt. Wichtiger dürfte momentan für sie sein, sich auf diese Weise dem Dauerdruck der Medien und Sponsoren wenigstens ein bisschen entziehen zu können. Ihr heutiger Auftakt gegen Schiavone geriet allerdings im ersten Satz zu einer mühseligen Pflichtübung, erst nach dem Satzverlust kam Angie dann in Fahrt und beeindruckte teilweise mit unwiderstehlicher Präzision in ihren Schlägen. Ihre seltsam introvertierte, unterkühlte Mimik sowie ihre leicht resignative Körpersprache gefallen mir allerdings weiterhin nicht. Daran sollte sie dringend arbeiten!

  3. Stefan Höfel

    Das sind wir aber nicht. Aber nach den French Open meldet sich ja „Experte“ sicherlich wieder. Und auch Alex läßt bestimmt wieder von sich „hören“! Bis dann! Jetzt mache ich hier auch mal Werbung: „Radfahren ist cool!“


Schreibe einen neuen Kommentar