TENNIS-FRA-OPEN

Wann hört Federer auf?

Irgendwann muss sich jeder Spitzensportler diese eine Frage stellen. Sie tut weh. Keiner will sie hören. Und nur ganz wenige Ausnahmen finden eine gute Antwort. WANN IST DER RICHTIGE  ZEITPUNKT, UM AUFZUHÖREN?



Wawrinka warf Landsmann Federer (r.) in drei Sätzen aus dem Turnier in Paris

Wawrinka warf Landsmann Federer (r.) in drei Sätzen aus dem Turnier in Paris.

Spätestens nach seinem sang- und klanglosen Ausscheiden bei den French Open wird sich auch Roger Federer langsam mit dieser Thematik beschäftigen müssen. Die Dreisatz-Pleite gegen Landsmann Stan Wawrinka war leider ein deutlicher Hinweis darauf, dass er über dem Zenit seines Schaffens ist. So eine Klatsche hätte Federer vor zwei, drei Jahren nicht kassiert.

Bereits bei den Australian Open zu Beginn des Jahres flog „FedEx“ früh raus. Erstmals seit 14 Jahren erreichte er in Melbourne nicht das Achtelfinale. Gegen den Italiener Andreas Seppi – nun wahrlich kein Schwergewicht der Szene – war nach vier Sätzen Schluss.

Der Zauber von Federer ist verflogen

In Paris ging es nun noch schneller und Federer war nahezu chancenlos. In 18 Begegnungen zuvor hatte Wawrinka bei lediglich zwei Siegen 16-mal gegen Federer das Nachsehen. Diesmal war er von Beginn an der bessere Mann. Der Rekord-Grand-Slam-Sieger hatte der Power von „Stan the Man“ nichts entgegenzusetzen. Das Schlimme: Jeglicher Zauber, der Federers Spiel normalerweise ausmacht, scheint verflogen.

So sehr ich mich am Dienstag über den – natürlich überfälligen – Abschied des einen Schweizers von der großen Bühne (Sepp Blatter) gefreut habe, so enttäuscht war ich vom Ausscheiden des anderen (Federer). Im Gegensatz zur Fifa ohne Blatter, kann ich mir den Tenniszirkus ohne Federer eigentlich gar nicht vorstellen. Aber wir müssen uns wohl langsam an diesen Gedanken gewöhnen…

In Wimbledon ist für Federer noch einmal der Titel drin

Ich wünsche Federer, dass er in Wimbledon noch einmal zu großer Form aufläuft. Dann ist natürlich bei „seinem Turnier“  der Titel drin. Anschließend müssen sich jedoch Federer und alle Tennisliebhaber leider daran gewöhnen, dass es an der Zeit ist, eine vernünftige Antwort auf diese eine Frage zu finden: WANN IST DER RICHTIGE ZEITPUNKT, UM AUFZUHÖREN?

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11 Kommentare

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  1. Altziebler Günther

    S.g. Herr Underberg,
    Zu Federers Rücktrittsaufforderung 🙁
    Natürlich muss die Frage erlaubt sein. Nur wenn man im selben Atemzug gleich seine eigene Meinung dazu veröffentlicht, die so was von daneben ist, wäre es besser man hätte einfach abgewartet, bis die Antwort von RF selbst kommt – und sie wird kommen. Zum richtigen Zeitpunkt. Aber einem der größten Sportler, die es je gegeben hat – nicht nur im Tennis – der aktuell Zweiter !!! in der Weltrangliste ist (und dies mit Respektabstand zum Dritten !!) – in diesem Jahr so ganz nebenbei auch die Nummer 1 geschlagen hat, der immer noch mehr Zuschauer (Stadion oder TV) anlockt als alle anderen top ten Spieler – so einem Sportler nahezulegen, sich Gedanken über seinen Rücktritt zu machen, finde ich einfach überzogen und riecht sehr nach Effekthascherei. Gegen einen sehr gut aufspielenden Wawrinka zu verlieren ist auch für einen RF keine Schande, sie wäre es auch nicht für jeden anderen der top ten Spieler. Die Feststellung, dass jeglicher Zauber seines Spiels verloren sei, stellt bei mir die Frage, ob Sie als Tennisjournalist nicht ein wenig blind durch die Gegend gehen. Sein Tennisspiel ist immer noch beeindruckender als von jedem anderen Spieler. Sein variantenreicher Aufschlag immer noch gefürchtet, sein Volleyspiel beispielgebend für viele, die jetzt versuchen, es ihm gleich zu machen – manche davon sehr stümperhaft. Dasselbe gilt für seine Stopps. Seine Vorhand reicht immer noch für die top 5 aus und sein RH-Slice ? Ohne Zweifel Weltklasse. An seine Zauberbälle kommt höchstens ein Monfils heran. Es gibt keinen Spieler, der die Facetten des Tennissports so maßgeblich beeinflusst und geformt hat, wie RF – und es heute noch tut. Welche Spiele von RF haben Sie also in den letzten 1-2 Jahren versäumt (als er sich von 6 wieder auf 2 vorarbeitete) um solche Behauptungen aufstellen zu können. Tatsache ist, dass nach dem Abgang von RF die Zuschauerquoten stärker zurückgehen werden, als es beim Abgang der restlichen 4 der top 5 zusammen sein würden. Ich hoffe, er bleibt dem Tennis noch so lange erhalten, solange es ihm Freude macht unter den top5 zu spielen. Und da sehe ich – ganz ehrlich – im Moment keine Gefahr.
    MfG Günther A.

    • Alexis Wendel

      Ist schon klar du bist Federer Fan. Aber Djokovic ist einfach besser!!! Sorry. 16.790 Punkte und Federer 8100 Punkte noch nie zuvor hat ein Weltranglisten 1. so viele Punkte Abstand erspielt 4 der letzten 5 Grand Slams gewonnen 11 Titel 2016 3.Grand Slams 6.Masters Rekord 1. ATP TOUR FINALS ZUM 5 mal Gewonnen!!! UND INSGESAMT MEHR MASTER TITEL ALS FEDERER GEWONNEN DJOKOVIC 27. Masters und Federer 25 Masters ein Rekord ist schon weg

      11.Grand Slam Titel hat schon Djokovic 4 der letzten 5 GRAND SLAM HAT ER GEWONNEN

      5.Finale Grand Slams gespielt von 5 Möglichen

      • Alex

        Mir ist nicht ganz klar was dieser Beitrag mit dem Thema zu tun hat? Soll Federer etwa aufhören, weil Djokovic jetzt besser ist? Die Entscheidung aufzuhören, muss aus seinem Herzen kommen und kann nichts damit zu tun haben, wer aktuell die Nr.1 ist. Wie ich schon gesagt haben, große Champions haben es sich verdient über ihren Abschied selbst zu entscheiden.

  2. joseph

    Volle Zustimmung, Günther! (unter Sportsfreunden duzt man sich, oder?)

    Herr Underberg wird sich eines Tages fragen, warum gibt es keinen Spieler wie Roger Federer mehr?
    Spätestens dann wird er über seine Kolumne vom 3. Juni 2015 noch einmal nachdenken…

    Aber je früher er es tut, desto besser. 🙂

  3. Carli Underberg

    @Günther @Joseph – das Sportler-Du gefällt mir.

    Danke für die Beiträge. Ich würde mich freuen, wenn hier noch mehr Leser Ihre Meinung kundtun würden.

    Ich möchte flink noch einmal klarstellen, dass ich in keinster Weise Federers Rücktritt gefordert habe. Warum auch? Wir vom tennis MAGAZIN – und natürlich auch ich persönlich – werden es sehr bedauern, wenn RF eines Tages den Schläger tatsächlich an den Nagel hängt.

    Ich wollte einzig nur bemerken, dass es leider genügend Sportstars gibt, die den richtigen Zeitpunkt verpasst haben. Das wünsche ich Federer nicht.

    Er ist der Größte seiner Zunft und der größten Sportler aller Zeiten – wie ein Ali, ein Schumacher, ein Michael Jordan… Da sind wir uns ja alle einig!

  4. Nils H.

    Den einen perfekten Zeitpunkt zum Aufhören gibt es nicht. Das bekommt man regelmäßig in Interviews von ehemaligen Größen sämtlicher Sportarten zu hören. Manch einer hört auf dem Höhepunkt seines Schaffens auf, ein anderer lässt die Karriere langsam ausklingen und ein anderer wagt im Karriereschlussspurt noch einmal den Angriff an die Spitze. Jede dieser Optionen kann für einen Sportler die richtige sein. Jeder muss also für sich selbst diesen richtigen Moment finden. Ebenso ein Federer, der völlig unabhängig davon, ob dieser Zeitpunkt im nächsten oder eventuell schon in diesem Jahr ist, einer der größten, wenn nicht sogar der größte Tennisspieler der Geschichte bleiben wird. Sein Ansehen wird unter seiner Wahl keinesfalls leiden, weshalb ich eine Diskussion über den „richtigen“ Zeitpunkt für sein Karriereende als relativ sinnfrei erachte. Aus seiner Sicht wird es in jedem Fall der richtige Moment sein. Ohnehin steht Federer zur Zeit an Position zwei in der Welt und kann jeden aus den Top 10 nach wie vor besiegen. Sobald er spürt, dass er nicht mehr mithalten kann, wird er ohnehin einen Schlussstrich ziehen. Darüber muss man sich, denke ich, keine Sorgen machen.

    Nach meinem Kenntnisstand hat Federer für sich die Olympischen Spiele in Rio 2016 als großes Ziel zum Abschluss auserkoren. Wenn das stimmt, müssen wir uns vorher ja (hoffentlich) keine Gedanken darüber machen, dass er hinschmeißt, wenn nicht etwas völlig unvorhergesehenes geschieht. Eine glatte Niederlage gegen einen starken Stan Wawrinka bei schwierigen Bedingungen (sehr windig) werden ihn kaum zum Überdenken seiner Pläne bewegen. Vermutlich ist ihm das viel eher ein Ansporn, es in Wimbledon besser zu machen.

  5. Alex

    Ich bin absolut kein Fan von Federer, aber ich glaube es sollte jedem selbst überlassen sein über den Rücktritt zu bestimmen. Es scheint manchmal, dass er überhaupt nicht darüber nachdenkt zurückzutreten.
    Ich persönlich finde, wenn seine Töchter im Schulalter sind sollte er sich zumindest ernsthaft Gedanken machen. Aber das ist meine Ansicht. Das muss er mit Mirka zusammen ausmachen.
    Ich denke auch nicht, dass er noch einen Grand slam gewinnt. Bei Best-of-5 reicht es nicht mehr so für ihn. Es ist eher entscheidend, was für ihn wichtig ist. Wenn er so lange spielen will, wie es ihm Spaß macht, sollte ihm das niemand verwehren. Natürlich hat man als Spitzensportler mehr zu verlieren, wenn man irgendwann nur einer von vielen ist. Ein Durchschnittsspieler kann eher so lange spielen wie er will, denn er hat keinen Ruf zu verteidigen.
    Leider ist es heutzutage üblich, Rücktritte zu fordern wenn es nicht mehr ganz so läuft, siehe aktuell Rafael Nadal. Ich sage nicht, dass dieser Beitrag dazugehört. Aber wir wissen alle, dass es genügend solcher Artikel gibt. Große Champions haben es sich verdient, aufzuhören wann sie das möchten. Es steht niemanden zu ihre Entscheidungen anzuzweifeln.

  6. joseph

    Hallo Carli,
    tut mir leid, wenn ich Deine Kolumne mißverstanden haben sollte.

    Ich denke wir sollten nicht vergessen, daß Roger erst vor wenigen Wochen Novak im Finale von Dubai glatt in 2 Sätzen besiegt hat und ebenfalls, wie Nils bereits erwähnte, derzeit immer noch mit sehr deutlichem Abstand zu seinem nächsten Verfolger Andy Murray die Nr. 2 der ATP-World-Tour-Rangliste inne hat! 🙂

    Roger wird solange Tennis spielen, wie er Spaß hat. – Und es ist nicht zu übersehen, daß er noch sehr viel Spaß hat. 🙂

    Und wir Tennisfans ebenfalls. 🙂

  7. Michael

    Ich bin Federer-Fan der ersten Stunde. Es gibt keinen der nur annähernd das auf den Platz bringt wie er, sei es technisch oder auch menschlich. Sich die Frage des Rücktritts zu stellen aufgrund einer Niederlage gegen den amtierenden French Open Sieger halte ich für verfrüht.
    Stan Wawrinka hat bei den French Open definitives Ausnahme Tennis gespielt und hat auch zurecht gegen Novak gewonnen. Soll Novak jetzt auch aufhören? 😉
    Ich denke heute sind Materialien und Trainingsbedingungen soweit fortgeschritten, dass auch ein Sportler mitte 30 noch locker im Profigeschäft unterwegs sein kann.
    Wichtig ist eben aber, dass der Sportler dabei auch noch Spaß hat wie Joseph zuvor geschrieben.

  8. Tennisfan

    Wann hört Federer auf? Carl Underberg hat recht: Die Frage muss erlaubt sein, wann der richtige Zeitpunkt zum aufzuhören ist. Auch für einen sehr erfolgreichen, fairen und sympathischen Spieler wie Roger Federer, der deshalb viele Fans und Verteidiger hat.
    Die Frage des Aufhörens stellt sich in vielen Bereichen des Lebens. Sei es in Sport, Beruf, Politik usw.
    Vor allem jenen Menschen, die im Rampenlicht stehen und/oder Einfluss haben, von vielen Menschen verehrt, geachtet oder gefürchtet werden, fällt es schwer loszulassen. Und sie verpassen oft den rechtzeitige Rückzug.
    Wann ist dieser für große Persönlichkeiten? Schwer zu beantworten. Es wird bedenklich, wenn die Misserfolge die Leistungen aus frühereren, glorreichen Zeiten eintrüben. Unwürdig wird es, wenn die Misserfolge so groß werden, dass man gezwungen ist, aufzuhören. Noch ist es bei Roger Federer nicht so weit. Noch hat er es selbst in der Hand.

  9. Mig

    Alle Jahre wieder…solche „Rücktrittsforderungen“ sind bei Sportsjournalisten sehr beliebt. Sei es bei Sampras, Federer, Agassi oder Nadal. Wann tritt eigentlich Angélique Kerber zurück? Wäre doch der idelae Zeitpunkt jetzt! 😉
    Im Ernst: Federer hat gegen Djokovic verloren…na und? Wer war denn in den letzten Monaten am ehesten fähig, ihn zu schlagen? Federer!
    Ausserdem: R.F. hat immer noch Spass am Tennis, es macht den Zuschauern Spass ihm zuzuschauen und er gehört immer noch zu den Top 5. Also, wo ist das Pronlem? Dieses Rücktritts-Geplänkel war und ist überflüssig.


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