Alexander Zverev

Was Alexander Zverev nun braucht

Mats Wilander macht sich Sorgen um die Entwicklung von Alexander Zverev. Der siebenmalige Grand Slam-Sieger kritisiert das Umfeld des Deutschen.  

809, 136, 83, 24, 4! Das sind die Jahresendpositionen von Alexander Zverev von 2013 bis 2017. Und was passiert 2018? Nach dem Gesetz dieser Serie kann es nur in Richtung Nummer eins gehen. Doch Vorsicht! Das Jahr nach dem Durchbruch ist meist das schwerste. In die Top 10 zu kommen ist die eine Sache, dauerhaft dort zu bleiben, und das auch noch ganz vorne, also in den Top 5, steht auf einem anderen Blatt Papier. Dies schaffen nur die ganz großen Spieler.

Ausbaufähige Grand Slam-Ausbeute

Gehört Zverev bereits dazu? Laut ATP-Ranking auf jeden Fall. Der 20-jährige Deutsche steckt sich ehrgeizige Ziele. 2017 sollte es die Teilnahme am Saisonfinale in London sein. „Ich war die Nummer 24 der Welt und wollte in die Top Ten. Mein Team hielt es nicht für unmöglich, aber sie haben doch geschmunzelt“, erklärte er. Das langfristige Ziel ist der Gewinn eines Grand Slam-Turniers – und sicherlich auch die Nummer eins der Welt.

Allerdings: Zverev hat im Jahr 2017 die Gunst der Stunde genutzt und beendete die Saison auch wegen Verletzungen zahlreicher Topspieler auf Platz 4. Sowohl Novak Djokovic, Andy Murray als auch Stan Wawrinka mussten ihre Saison nach Wimbledon verletzungsbedingt beenden. Hinzu kamen die immer wieder verletzten Kei Nishikori und Milos Raonic. Zverevs fünf Turniersiege im Jahr 2017 waren teilweise eindrucksvoll, vor allem sein erster Masters-1000-Titel in Rom. Seine Grand Slam-Ausbeute ist hingegen noch ausbaufähig: 12:10 ist seine aktuelle Bilanz bei den vier Majors.

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„Lasst Alexander mehr wie Boris sein”

Vor allem die frühen Niederlagen bei den French Open (erste Runde gegen Fernando Verdasco) und bei den US Open (zweite Runde gegen Borna Coric) kamen überraschend, nachdem Zverev jeweils mit einem 1000er-Titel angereist war und zu den Turnierfavoriten zählte. Besonders das Aus in New York war ärgerlich, da das Tableau nach vielen Absagen weit offen war. Zverev verpasste die Chance auf den ersten großen Grand Slam-Coup. Dieser soll nun bei den Australian Open folgen.

Doch der siebenmalige Grand Slam-Sieger Mats Wilander warnt den Weltranglisten-Vierten. „Um seine Entwicklung mache ich mir Sorgen. Ich befürchte, dass er in eine Falle tappt“, erklärt der Schwede Im Interview mit der Sport Bild. Sein Rat an sein Team: „Lasst Alexander mehr wie Boris (Becker) sein. Warum gewann Boris denn so jung Grand Slam? Weil ihm von seinem Trainer Günther Bosch und seinem Umfeld die Zeit gelassen wurde, sein eigenes Spiel zu entwickeln, seine eigenen Fehler zu machen und selbst Verantwortung zu übernehmen. Und Zverev wird diese Entwicklung nicht erlaubt. Ich befürchte: Wenn das so weitergeht, dann wird er sein Potenzial nicht ausschöpfen.“

„Supercoach”, was soll das?

Wilanders Meinung: Zverev sei noch zu jung für einen „Supercoach“, also einen Trainer, der Grand Slams gewonnen hat. Seit August ist Juan Carlos Ferrero der hauptamtliche Trainer des Deutschen. Mit dem French Open-Sieger von 2003 gewann Zverev zum Start die Turniere in Washington, D.C. und Montreal. Danach gab es nur bei zwei Turnieren zwei Siege oder mehr (Viertelfinale in Wien und Halbfinale in Peking). „Ich halte es für völlig falsch, dass Alexander mit Juan Carlos Ferrero schon einen ‚Supercoach’ hat. Selbst wenn Roger Federer ihn trainieren würde, wäre das falsch. Was soll das? In dem Alter. Man muss ihn seinen eigenen Stil finden lassen. Denn einen Spieler wie ihn gab es noch nicht: fast zwei Meter groß, ordentliche Vorhand, überragende Rückhand, guten ersten, sensationellen zweiten Aufschlag. Alexander ist 20 und hat kein Problem. Einen ‚Supercoach’ holt man, wenn man ein Problem hat. Holt man ihn zu früh, bekommt man erst danach ein Problem.“

Wilander schlägt Zverev das Modell Nadal vor, also eine Familienangelegenheit. „Der beste Trainer für Alexander ist sein Vater. Dabei sollte es bleiben. So wie der beste Trainer für Rafael Nadal sein Onkel Toni ist. Bei Alexander besteht die ganz große Gefahr, dass er übercoacht wird. Lasst ihn nun auch wieder in Ruhe auf Platz sieben zurückfallen. Macht nicht so viel Druck.“ Wird Wilander mit seiner Meinung zum „Supercoach“ Recht behalten? Einen ersten Hinweis werden die Australian Open geben. Dort zählt Zverev als voraussichtliche Nummer vier der Setzliste zwangsläufig zu den Favoriten.

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