WTA FINALS – Frank Molter

WTA-Finals: Treffen der Besten, aber nur wenige schauen zu

Asien gilt in vielen Bereichen als Zukunftsmarkt schlechthin. Eigentlich auch im Sport. Tennis jedoch ist bei den Fans in Fernost noch nicht richtig angekommen.

Die Bilder glichen sich unerwünscht oft im Rahmen des sogenannten „Asia Swing’s“, zu dem die WTA- und ATP-Profis alljährlich im Herbst aufbrechen. Die Stars waren da, aber die Zuschauer blieben weg. Teilweise gähnende Leere herrschte in den mitunter riesigen Arenen, wenn Kerber, Lisicki & Co. in Wuhan, Guangzhou oder Peking auf dem Court standen. Und nun Singapur. Beim Saisonabschussturnier der besten Profis ist die Lage zwar nicht derart frappierend wie bei den Turnieren in China. Dennoch können die Turnierorganisatoren nicht behaupten, dass ihnen die Fans „die Bude einrennen“. Auch wenn sie das mit so manch einer Mitteilung über angeblich neue Zuschauerrekorde der Öffentlichkeit gern glauben machen wollen.

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Gähnende Leere: Sabine Lisicki spielte in der 11-Millionen-Metropole Guangzhou nur vor einer Handvoll Fans.

Jeweils über 90.000 Zuschauer sollen die Matches in den zehn Tagen von Singapur in den beiden vorangegangenen Jahren verfolgt haben. Das hieße bei den insgesamt elf „Sessions“, für die die Fans Tickets erwerben konnten (von Donnerstag bis Samstag gibt es zwei Sessions pro Tag, die jeweils aus einem Einzel- und einem Doppelmatch bestehen), hätte das Singapore Indoor Stadium mit seinen rund 10.000 Plätzen durchschnittlich mit etwa 8.000 Fans besetzt sein müssen. Dabei hatte man 2014 und 2015 nicht den Eindruck, als seien deutlich mehr Plätze besetzt als in diesen Tagen, an denen zu hören ist, dass die Halle selten einmal überhaupt zur Hälfte gefüllt ist.

In Singapur fällt dieser Zustand am TV nicht sofort ins Auge. Die Zuschauerränge in der Halle sind während der Matches extrem abgedunkelt. Das kann man wohlwollend als eine nette optische Spielerei betrachten (London macht das beim ATP-Finale genauso) oder – wenn man Böses will – als probates Mittel, um der Tenniswelt nicht das geringe Fan-Interesse vor Augen zu führen.

An den zu hohen Eintrittspreisen kann es nicht liegen. Für rund 33 Dollar konnte man in dieser Woche ein Tagesticket in der günstigsten Kategorie erwerben. Dafür bekam man zwei Einzelmatches geboten (eine Session mit Einzel- und Doppelmatch kostete ab ca. 17 Dollar). Bei einem monatlichen Durchschnittseinkommen in Singapur von rund 3.500 US-Dollar sind das keine Mondpreise. Allerdings: Der Großteil der Zuschauerplätze gehört der Kategorie 1 an und dort kostet die Tageskarte während der Gruppenphase saftige 95 Dollar. Das sind logischerweise die Bereiche direkt um den Court herum. Insgesamt blieben die Sitze aber auch in den oberen Bereichen der Halle häufig ungenutzt (s. Beitragsbild ganz oben vom Match Halep vs. Keys).

Ungünstige Spielzeiten können auch nicht der Grund für halbleere Ränge sein. Die Einzel-Matches beginnen um 16 Uhr und um 19:30 Uhr Ortszeit – klingt sowohl schüler- als auch arbeitnehmerfreundlich.

WTA-Finals mindestens bis 2018 in Singapur

Die Spielerinnen beim Saisonfinale betonen jedenfalls stets, dass es Ihnen in der Betreuung und Fürsorge, gerade in Singapur, an nichts mangele – von einem vollen Stadion mal abgesehen. Man hört: Auch die Organisation für Journalisten vor Ort ist top organisiert. Einzig der Funke will auf die sonst auf Sportidole so fixierten asiatischen Fans nicht recht überspringen.

Bis ins Jahr 2018 bleiben die WTA-Finals definitiv in Singapur. Solange läuft der Vertrag mit der WTA noch. Ob der Weltverband der Damentour das Event weiterhin hier behalten möchte, ist noch unklar. Deren Chef Steve Simon sagte in dieser Woche lediglich: „Ich möchte auf jeden Fall einen stätigen Ort für die WTA Finals finden, an dem wir ein richtiges Event mit entsprechenden Investitionen aufziehen können.“  Ob Singapur der auserwählte Ort dafür sein könnte, sagte er nicht. Angekommen ist das Turnier der Besten – wie auch andere WTA-Events in Asien – bei den Tennisfans auf dem angeblich „boomenden“ Kontinent jedenfalls noch nicht.

Beitragsbild: Spärlich besetzte Ränge beim Auftaktmatch zwischen Simona Halep und Madison Keys. (c) Frank Molter

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  1. Stefan Höfel

    Es fällt auf, dass auch andere große Sportveranstaltung in Asien stattfinden, obwohl ein „direkter“ Bezug fehlt, da die jeweils einheimischen Sportler keine Rolle spielen.
    Ich war 2009 auf der Leichtathletik-WM in Berlin. Die WM 2007 war in Japan, 2011 in Südkorea, 2015 in China und nur der Vollständigkeit wegen 2013 in Moskau. Gerade in WM in Daegu ist etwas Besonderes, da zumindest bis damals Südkorea das einzige Land war, das eine Leichtahtletik-WM ausgerichtet hat ohne jemals eine Medaille bei einer Leichtathletik-WM gewonnen zu haben. Wettbewerbe ohne (viele) Zuschauer gab es kürzlich bei der Rad-WM in Katar. Und ob 2018 die Olympischen Winterspiele in Südkorea ein Erfolg werden? Im Shorttrack wohl schon. Aber sonst?


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