Rafael Nadal

Australian Open: Rafael Nadal und seine Melbourne-Misere

Rafael Nadal schied bei den Australian Open im Viertelfinale verletzt aus. Es war nicht das erste Mal, dass seine Reise in Melbourne bitter endet.

Es hätte nicht besser laufen können für Rafael Nadal bei den Australian Open. Wie schon bei den US Open im Vorjahr meinte es die Auslosung sehr gut mit dem Spanier. Nachdem der Halbfinalgegner Kyle Edmund heißen würde, schien der Einzug ins Finale fast nur noch Formsache. Mit dem Titelgewinn in Melbourne wäre der 31-Jährige der dritte Spieler nach den Australiern Rod Laver und Roy Emerson gewesen, der jedes Grand Slam-Turnier mindestens zweimal gewonnen hat.

Ein 17. Grand Slam-Titel hätte zudem die ewige Debatte um den besten Tennisspieler aller Zeiten weiter befeuert. Doch es kam alles anders: Nadal spielte im Viertelfinale gegen Marin Cilic nicht nur gegen seinen Gegner, sondern auch gegen seinen eigenen Körper. Nachdem er den dritten Satz im Tiebreak knapp gewinnen konnte und mit 2:1 in den Sätzen in Führung ging, schien das Match seinen gewohnten Gang zu nehmen. Allerdings: Bei Nadal wurden die Schmerzen an der Leiste immer größer, ihm fehlte sichtlich die Kraft. Nach dem kassierten Break zum 0:2 im fünften Satz gab der Spanier schließlich auf – das zweite Mal bei einem Grand Slam-Turnier.

Nadal ist geknickt und sauer

Auf der anschließenden Pressekonferenz zeigte sich die Nummer eins der Welt geknickt. Denn Nadal war sich seiner großen Titelchance bewusst. „Es ist nicht das erste Mal, dass eine Möglichkeit geht. Ich bin ein positiver Mensch, aber heute war es eine verlorene Chance, ins Halbfinale eines Grand Slams einzuziehen und um einen wichtigen Titel zu spielen. Ich möchte nicht sagen, dass ich frustriert bin, aber das ist schwer zu akzeptieren, vor allem nach dem harten Dezember“, kommentierte Nadal und schob Kritik in Richtung Tennisbosse hinterher.

„Ich glaube, dass die Leute, die im Tennis das Sagen haben, darüber nachdenken müssen, warum es immer wieder so viele Verletzungen gibt. Man spielt jedes Mal schneller, schlägt den Ball immer stärker und auf solch harten Plätzen muss man untersuchen, warum so viele Unglücke passieren. So viele Spieler haben Probleme mit ihrer Hüfte. Die Tennis-Bosse müssen die Gesundheit und das Wohlergehen der Spieler schützen. Wir sind Menschen und das Leben geht über das Tennis hinaus“, erklärte Nadal und fügte an: „Es wird schwer für mich, wenn ich daran denke, in welchem Zustand ich sein werde, wenn ich mit Tennis aufhöre. Mal sehen ob wir Sportler die Möglichkeit haben, weiterhin Sport ohne Schmerzen zu treiben und ein Leben ohne Schmerzen zu führen.“

Immer wieder Melbourne, es ist irgendwie verflixt. Es war nicht das erste Mal, dass für Nadal ein Start bei den Australian Open mit einer Verletzung oder einer großen Enttäuschung endet. Seine Mission, jedes Grand Slam-Turnier mindestens zweimal gewonnen zu haben, geht 2019 in die nächste Runde. Wir fassen die Karriere des Spaniers bei Grand Slam-Turnier in Down Under zusammen.

2004: Als 17-Jähriger in die dritte Runde

Was heute bei den Profis undenkbar scheint, war für den 17-jährigen Rafael Nadal fast schon Normalität. Bei seinem ersten Start bei den Australian Open war er bereits Top 50-Spieler und erreichte die dritte Runde. Dort unterlag er Lokalmatador Lleyton Hewitt in drei Sätzen.

2005: Nächstes Aus gegen Hewitt

Ein Jahr später ging es für Nadal eine Runde weiter, ins Achtelfinale. Und wieder kam das Aus gegen Lleyton Hewitt. Diesmal aber nach großem Kampf. Dem 18-Jährigen fehlten nur wenige Punkte zum Sieg, er verlor aber in fünf Sätzen.

2006: Absage für Melbourne

Eine Fußverletzung hinderte Nadal, damals bereits die Nummer zwei der Welt, an seinem Start bei den Australian Open und dem ersten Titel in Down Under.

2007: Von Fernando Gonzalez vom Platz geschossen

Nachdem Nadal im Achtelfinale Andy Murray in fünf Sätzen niederkämpfte, rechneten die meisten mit dem Finale gegen Federer. Doch im Viertelfinale wurde der Spanier von Fernando Gonzalez in Bestorm, der damals das Tennis seines Lebens spielte, vom Platz geschossen.

2008: Von Jo-Wilfried Tsonga vom Platz geschossen

Wieder ging es für Nadal eine Runde weiter als beim vorherigen Start. Ohne Satzverlust erreichte er das Halbfinale, wo ihn das gleiche Schicksal wie im Vorjahr ereilte. Diesmal war es Jo-Wilfried Tsonga, der in absoluter Bestform Nadal nur sieben Spielgewinne überließ.

2009: Die Krönung in Melbourne

Endlich war es da: das Traumfinale bei den Australian Open zwischen Nadal und Roger Federer. Um ins Endspiel einzuziehen, musste „Rafa“ in einem Abnutzungskampf im Halbfinale seinen Landsmann Fernando Verdasco nach über fünf Stunden niederringen. Im Finale gegen Federer hatte Nadal trotzdem noch genügend Körner, um auch gegen den „Maestro“ zu bestehen. Federer machte zwar insgesamt einen Punkt mehr, der Spanier aber die wichtigen. Das Bild mit dem weinenden Federer, der von Nadal in den Arm genommen wird, ging um die Welt.

2010: Aufgabe gegen Andy Murray

Die Titelverteidigung von Nadal endete im Viertelfinale. Gegen Andy Murray musste er nach 0:2-Satzrückstand und 0:3 im dritten Satz wegen Knieschmerzen das Match abbrechen. Es war die erste Aufgabe des Spaniers bei einem Grand Slam-Turnier.

2011: Historische Mission endet mit Verletzung

Nadal war 2011 bei den Australian Open auf einer historischen Mission unterwegs. Er hatte zuvor bei den French Open, in Wimbledon und bei den US Open die Titel gewonnen und hätte mit dem Triumph in Melbourne der erste Spieler seit Rod Laver werden können, der alle vier Grand Slam-Titel gleichzeitig hält. Doch die Mission endete abrupt. Wie schon im Jahr zuvor, kam Nadal ins Viertelfinale und spielte dort gegen David Ferrer. Zu Beginn der Partie zog er sich eine Oberschenkelverletzung zu und konnte nicht sein bestes Tennis spielen. Er biss zwar auf die Zähne und spielte bis zum Schluss. Letztendlich endete die Rekordmission mit einer glatten Dreisatzniederlage.

2012: Bittere Niederlage im Gigantenfinale

Auf dem Weg ins Finale der Australian Open siegte Nadal im Halbfinale gegen Roger Federer. Im Finale wartete Novak Djokovic. Es wurde ein Endspiel, das die Tenniswelt noch nicht gesehen hatte. 5:53 Stunden lang bespielten sich die beiden bis zur totalen Erschöpfung. Nadal sah im fünften Satz bei 4:2, eigenem Aufschlag und 30:15 wie der sichere Sieger aus. Erst recht, als er eine Rückhand nur noch ins leere Feld spielen musste. Der Ball landete im Aus, Djokovic breakte und gewann schließlich dieses Gigantenfinale. An diesen verschlagenen Rückhandball wird Nadal sicherlich oft zurückgedacht haben.

2013: Magen-Darm-Virus verhindert Start

Nachdem Nadal seine Saison 2012 bereits nach Wimbledon wegen einer Knieverletzung beenden musste, sollten die Australian Open 2013 sein großes Comebackturnier werden. Doch bereits zwei Wochen vor Turnierbeginn sagte er wegen eines Magen-Darm-Virus ab. Dennoch: Obwohl Nadal auf seinen Start in Melbourne verzichten musste und in Wimbledon in der ersten Runde ausschied, schloss er das Jahr trotzdem als Nummer eins der Welt ab – eine herausragende Leistung.

2014: Rekordmission endet mit Verletzung im Finale

Nadal zog sich im Viertelfinale gegen Grigor Dimitrov eine große Blutblase zu. Trotz des Handicaps gewann er das Match und siegte auch im Halbfinale gegen Roger Federer. Ins Endspiel gegen Stan Wawrinka ging Nadal als haushoher Favorit. Der Schweizer konnte bis dato in zwölf Partien nicht einen Satz gegen den Spanier gewinnen. Ein Rendezvous mit der Tennisgeschichte stand kurz bevor. Denn Nadal hätte mit dem Turniersieg in Melbourne der erste Spieler in der Open Era werden können, der alle Grand Slam-Turniere mindestens zweimal gewonnen hat. Nachdem Wawrinka einen bärenstarken ersten Satz spielte und auch im zweiten Durchgang gleich mit Break in Führung ging, ließ sich Nadal am Rücken behandeln und wirkte danach stark gehandicapt. Der Spanier schlug nur noch mit halber Kraft auf. Wawrinka war nach einiger Zeit mit der Situation überfordert, da Nadal nach der Einnahme von Schmerztabletten wieder stärker wurde und sich den dritten Satz holte. Dennoch: Für das Comeback und den historischen Titel reichte es nicht.

2015: Kleines Debakel gegen Berdych

Wegen einer Blinddarmoperation musste Nadal die Saison im Herbst vorzeitig beenden. Nachdem er beim Vorbereitungsturnier in Doha in der ersten Runde sensationell gegen Michael Berrer verloren hatte, ging er mit großen Fragezeichen in die Australian Open. In der zweiten Runde gegen Tim Smyczek stand er völlig entkräftet kurz vor dem Aus, kam jedoch in fünf Sätzen weiter. Es folgten zwei glatte Siege. Das Viertelfinale gegen Tomas Berdych sollte nur eine Zwischenstation sein, denn Nadal hatte die letzten 17 Duelle gegen den Tschechen gewonnen. Doch es kam ganz anders für „Rafa“, der gegen Berdych zwei Sätze lang unter die Räder kam und mit 2:6, 0:6, 6:7 (5:7) unterlag.

2016: Erstrunden-Aus gegen Verdasco

Sieben Jahre nach ihrem denkwürdigen Halbfinalmatch in Melbourne trafen Nadal und Fernando Verdasco erneut aufeinander, diesmal in der ersten Runde. Nadal schnupperte bereits am Sieg, als Verdasco im Tiebreak des vierten Satzes in den Sätzen ausglich und danach wie entfesselt zum Sieg stürmte. Es war das zweite Erstrunden-Aus bei einem Grand Slam für Nadal.

2017: Niederlage im Retro-Finale gegen Federer

2009 war es die logische Konsequenz, 2017 hingegen war es eine große Überraschung: das Finale zwischen Nadal und Roger Federer. Mit Traumtennis spielten sich die beiden ins Endspiel vor. Dort sahen die Zuschauer einen offenen Schlagabtausch, bei dem es hin und her ging. Nachdem Nadal mit 2:2 in den Sätzen ausglich und Federer zu Beginn des fünften Satzes breakte, schien das Duell seinen gewohnten Gang zu nehmen. Doch wie schon im Finale gegen Djokovic fünf Jahre zuvor, leitete ein bestimmter Ball die Wende zu Ungunsten von Nadal ein. Der Spanier hatte einen Spielball zum 4:2, doch seine Vorhand prallte an die Netzkante und von dort ins Aus. Statt die nächste große Chance zu nutzen, um mit Roy Emerson gleichzuziehen, musste Nadal seinen Dauerrivalen beim Jubeln zuschauen.

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