2017 Australian Open – Day 1

Australiens Talent Destanee Aiava: „Ich spiele nur für Geld“

Die Bekenntnisse der 17-jährigen Nachwuchsspielerin Destanee Aiava aus Australien lassen die Szene aufhorchen und kommen einem irgendwie vertraut vor.



Fragt man Nachwuchsspieler nach ihren Zielen oder ihren Träumen, fallen die Antworten normalerweise sehr ähnlich aus. „Ich will einmal die Nummer eins der Welt werden“, bekommt man dann zu hören. Oder: „Ich will Grand Slam-Turniere gewinnen!“ Oder auch: „Mein großer Traum ist der Wimbledon-Titel.“

Für Destanee Aiava aus Australien zählt das in erster Linie nicht. Die 17-Jährige will in ihrer gerade erst begonnenen Profi-Karriere vor allem eins: Geld verdienen. In einem aufsehenerregenden Gespräch mit australischen Medien gibt sie unumwunden zu: „Geld ist meine Motivation, dafür spiele ich.“

„Sie hat den Killer-Instinkt“

Destanee Aiava gilt in Australien als kommender Tennis-Star. Im Dezember 2016 gewann sie als 16-Jährige den nationalen U18-Titel, so dass auch Ex-Profi Nicole Pratt auf sie aufmerksam wurde. Pratt gehört zum Trainerstab des australischen Verbandes. „Destanee hat diesen Killer-Instinkt und eine wahnsinnige Power in ihrem Spiel“, lobte sie die Nachwuchsspielerin.

BITTE MAL HALTEN: Eine der großen Trophäen der Australian Open durfte Destanee Aiava (re.) bei einer Präsentation schon mal in die Hände nehmen.

Nur wenige Wochen nach den Australischen Meisterschaften sorgte Aiava endgültig für Schlagzeilen. Beim WTA-Turnier in Brisbane Anfang 2017 spielte sie sich souverän durch die Qualifikation (u.a. mit einem 6:1, 6:1-Sieg gegen Carina Witthöft) und stand im Hauptfeld. Dort schlug sie die erfahrene Bethanie Mattek-Sands. Mit einer Wildcard ausgestattet (als Lohn für ihren U18-Meistertitel) durfte sie danach bei den Australian Open im Hauptfeld antreten – als erste Spielerin des Jahrgangs 2000 oder jünger, die bei einem Grand Slam-Turnier im Hauptfeld stand. Auch wenn sie in der ersten Runde gegen Mona Barthel verlor: Destanee Aiava war in der globalen Tenniswelt angekommen, ihr Name machte in der Szene die Runde.

Nummer 147 der Weltrangliste

Mittlerweile hat sie sich bis auf Platz 147 in der Weltrangliste hochgearbeitet. Seit drei Jahren ist sie nun unterwegs, früher auf Jugendturnieren in aller Welt, zuletzt vor allem auf kleineren ITF-Damen-Turnieren. Sie lebt aus dem Koffer, bis zu 30 Wochen pro Jahr, und absolviert nebenbei über Online-Kurse ihre High-School. Warum sie das alles auf sich nimmt, erklärte sie nun am Rande des kleinen ITF-Turniers in Canberra, bei dem sie im Halbfinale steht.

„Tennis ist nicht so, wie es viele glauben. Ich bin es einfach nur leid, dass die Leute sagen: `Oh, ihr müsst das Reisen genießen und ihr müsst den Sport lieben´. Aber so ist es nicht. Ich bin in ärmlichen Verhältnissen groß geworden, ich war eines dieser Kinder, das eher in einer Hütte als in einem Haus aufwuchs“, erklärte die 17-Jährige. „Geld ist meine Motivation. Ich will einen besseren Lifestyle. Ich kann nicht mehr lügen, damit bin ich fertig, Ehrlichkeit ist die beste Strategie. Sobald ich genug Geld habe, höre ich auf zu spielen.“

Alleinverdienerin der Familie

Um ihre Aussagen richtig einschätzen zu können, muss man wissen, dass die 17-Jährige mehr oder weniger die Alleinverdienerin ihrer Familie ist. Ihr Eltern Marc und Rosie, die vom polynesischen Inselstaat Samoa stammen, trainieren ihre Tochter in Eigenregie. Vater Marc ist für die Fitness zuständig, Mutter Rosie für das Tennistraining. Die Eltern leben getrennt und sind auf das Geld ihrer Tochter angewiesen.

GROSSER MOMENT: Destanee Aiava (re.) traf ihr Idol Serena Williams zu einer Trainingseinheit bei den Australien Open 2017.

„Ich werde nächstes Jahr 18 Jahre alt und ich möchte meine eigene Wohnung haben, damit ich ausziehen kann, aber meine Eltern sind getrennt und ich möchte beiden ein Haus kaufen. Sie waren eine große Hilfe für meine Karriere und ich wäre nicht hier ohne sie, also möchte ich ihnen so viel wie möglich zurückgeben. Ich will meine Familie unterstützen. Es gibt dort viele Erwartungen und die sind irgendwie der Grund, warum ich immer noch spiele.“

Bernard Tomic lässt grüßen

Destanee Aiavas offene Wort haben im australischen Tennis einen vertrauten Ton getroffen. Nach seiner Niederlage gegen Mischa Zverev beim Wimbledon-Turnier 2017 äußerte sich nämlich ihr Landsmann Bernard Tomic ganz ähnlich. Auch er räumte ein, „hauptsächlich wegen des Geldes“ auf dem Platz zu stehen. „Tennis hat mich ausgesucht, ich habe es nie geliebt. Ich mochte es, wie man ein Mädchen mag, in das man sich aber nicht verliebt. Dabei ist es bis heute geblieben. Ich sehe Tennis einfach als Job.“

(timbö)

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  1. Bonhomme Richard

    Ob solch eine Art des eigenen Selbstverständnisses und der Motivation für eine nachhaltige Karriere reicht steht dahin. Ich habe ihre Karriere in 2017 am Rande verfolgt. Viel gerissen hat sie in diesem Jahr nicht. Lizette Cabrera und Priscilla Hon sind nur wenig älter, in ihrer Entwicklung aber schon deutlich weiter. Und auch in den USA (Sofia Kenin, Amanda Anisimova u.a.) und vermutlich auch in Russland gibt es Talente in ihrem Alter, die sich vor Aiava nicht verstecken müssen.

  2. Bonhomme Richard

    Aufgrund des Artikels habe ich mir heute Aiavas (WTA 169) Finalbegegnung mit Olivia
    Rogowska (WTA 226) beim ITF-Turnier in Canberra angeschaut. Das Match ging nicht gut aus für sie (16 26), und es lag allein an ihr. Die personifizierte Bocklosigkeit. Sie bewegte sich nicht, sie kämpfte nicht, sie stemmte sich Null gegen die drohende Niederlage. Ihre Körpersprache und gesamte Grundhaltung eine einzige Katastrophe. Am Matchende flog der Schläger nach hinten weg ins Publikum direkt auf die Kamera zu, und sie marschierte auf kürzestem Weg zu ihrem Stuhl ohne Rogowska zuvor am Netz zu gratulieren. Kurz gesagt: Bad Girl ganz im Stil eines Tomic. Als Trainer würde ich dieser 17jährigen Göre als Erstes die Hammelbeine langziehen. So wird das jedenfalls nichts mit den Häuschen für Mami und Papi.


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