Day Thirteen: The Championships – Wimbledon 2016

Barbara Rittner: „Jede Spielerin kann jede schlagen“



Vor dem Start des traditionsreichsten Tennisturniers der Welt in Wimbledon spricht Bundestrainerin Barbara Rittner mit dem Deutschen Tennis Bund und nennt ihre Einschätzungen zur Form der DTB Spielerinnen. Sie nennt ihre Favoritin auf den Titel und spricht über Erinnerungen an persönliche Highlights in London.

Barbara Rittner über…

… das Comeback von Sabine Lisicki:

„Ich freue mich, dass sie zurück ist. Sie hatte auf Mallorca einen guten Einstand nach ihrer langen Pause. Die Rasensaison ist der perfekte Zeitpunkt für ihr Comeback. Ich traue ihr zu, in Wimbledon durchaus einige Runden zu gewinnen. Ihr Vorteil ist, dass sie derzeit keine Erwartungen an sich selbst hat und völlig unbeschwert spielen kann das dürfte ihr helfen. Wenn sie diese Einstellung nach Wimbledon transportiert, gilt das, was auch vor ihrer Verletzung galt: An guten Tagen kann sie jede Gegnerin schlagen.“

Sabine Lisicki zog bei den Mallorca Open bis ins Viertelfinale ein. Sie unterlag der späteren Finalistin Julia Görges.

Sabine Lisicki zog bei den Mallorca Open bis ins Viertelfinale ein. Sie unterlag der späteren Finalistin Julia Görges.

… die Chancen von Angelique Kerber, in Wimbledon zurück in die Spur zu finden:

„Ich wünsche ihr, dass sie in Wimbledon ihr Selbstvertrauen wiederfindet und dadurch an die Form aus dem vergangenen Jahr anknüpfen kann. „Angies“ Spiel ist ideal für Rasen. Vor ihrem ersten Grand Slam-Titel war ich überzeugt, dass sie die größten Chancen auf einen Triumph in Wimbledon haben würde. Der Grund: Ihre Motorik und ihre großartige Balance helfen ihr auf Rasen enorm. Auch ihr Aufschlag ist auf Rasen oft gefährlicher als auf anderen Belägen. Deshalb hoffe ich umso mehr, dass sie körperlich fit und gleichzeitig mit Leichtigkeit und Freude nach Wimbledon fährt.“

Barbara Rittner hofft, dass Angelique Kerber in Wimbledon an ihre Vorjahresleistung anknüpfen kann - im letzten Jahr stand sie im Finale gegen Serena Williams.

Barbara Rittner hofft, dass Angelique Kerber in Wimbledon an ihre Vorjahresleistung anknüpfen kann.

… die Form von Julia Görges, Mona Barthel, Carina Witthöft und Andrea Petkovic:

„Jule hat beim WTA-Turnier auf Mallorca ihre besten Rasenmatches überhaupt gespielt. Sie ist derzeit noch fitter und austrainierter als sonst, ruht in sich. Sie hatte in der Sandplatzsaison großes Pech, als sie krank wurde. Ansonsten hätte sie – da bin ich überzeugt –

auch auf Asche schon erfolgreicher gespielt. Durch ihren Aufschlag und ihr Tempo ist ihr Spiel eigentlich prädestiniert für Rasen. Ich wünsche ihr endlich mal einen richtigen Durchmarsch – zum Beispiel ein Viertelfinale in Wimbledon. Derzeit sehe ich sie auf Top 20 –

Niveau.“

Julia Görges spielt eine starke Rasensaison. Zuletzt stand sie im Finale der Mallorca Open.

Julia Görges spielt eine starke Rasensaison. Zuletzt stand sie im Finale der Mallorca Open.

„Mona ist auf einem tollen Weg zurück. Ihr Coach Christopher Kas macht einen sehr guten Job. Durch die Zusammenarbeit mit Fed Cup-Fitnesscoach Mike Diehl wird sie immer stabiler und fitter. Mona serviert stark, bewegt sich inzwischen gut und spielt sehr flach

– das funktioniert auf Rasen. Ich traue ihr zu, dass sie am Ende der Saison unter den Besten 30 der Welt platziert ist“

Mona Barthel konnte in diesem Jahr bereits das Turnier in Prag gewinnen. Barbara Rittner traut ihr den Sprung in die Top 30 zu.

Mona Barthel konnte in diesem Jahr bereits das Turnier in Prag gewinnen. Barbara Rittner traut ihr den Sprung in die Top 30 zu.

„Auch Carina wird immer konstanter. Sie muss noch mehr und kompromissloser ihr Spiel durchziehen – mit hohem Tempo und Aggressivität. Ihre Entwicklung ist äußerst erfreulich. Ich bin sicher, dass wir noch viel Spaß an ihr haben werden.“

Carina Witthöft stand mit Nürnberg und ´S-Hertogenbosch zuletzt zweimal im Viertelfinale. Ihre Formkurve zeigt nach oben.

Carina Witthöft stand mit Nürnberg und ´S-Hertogenbosch zuletzt zweimal im Viertelfinale. Ihre Formkurve zeigt nach oben.

„Bei Andrea sehe ich auch eine positive Tendenz. Sie hat als Vorbereitung auf Wimbledon in der vergangenen Woche in Ilkley ein ITF-Turnier bestritten, ist dort ins Halbfinale eingezogen. Das dürfte ihr Auftrieb geben. Sie ist mental inzwischen wieder in einer

besseren Verfassung.“

Andrea Petkovic konnte zuletzt auf einem ITF-Turnier Selbstvertrauen tanken.

Andrea Petkovic konnte zuletzt auf einem ITF-Turnier Selbstvertrauen tanken.

… ihre Favoritin auf den Titel in diesem Jahr:

„Es war selten so schwierig eine Siegerin zu prognostizieren wie in diesem Jahr. Nach ihrem Sieg in Birmingham ist Petra Kvitova als zweifache Wimbledon-Siegerin meine Favoritin. Allerdings: Es ist ähnlich wie schon in Paris, wo am Ende mit Jelena Ostapenko eine junge Spielerin triumphierte, die man nicht auf dem Zettel hatte. Es ist durchaus möglich, dass es auch in Wimbledon eine Überraschungssiegerin gibt.“

Barbara Rittner sieht Petra Kvitova als Favoritin auf den Wimbledon-Titelgewinn.

Barbara Rittner sieht Petra Kvitova als Favoritin auf den Wimbledon-Titelgewinn.

… fehlende Dominanz auf der WTA-Tour:

„Ich sehe die aktuelle Situation nicht als Problem. Aus medialer Sicht ist es vielleicht schwierig, wenn es keine Spielerinnen gibt, die die Szene dominieren. Aus sportlicher Sicht finde ich es äußerst interessant. Die Situation, dass nahezu jede Spielerin jede schlagen

kann, ist gerade für junge, aufstrebende Profis eine Chance, weit zu kommen.“

… das spezielle Flair in Wimbledon:

„Ich habe früher immer gern in Wimbledon gespielt und fahre heute genauso gern als Trainerin dort hin. Ich mag die besondere und leise Atmosphäre im All England Club. Vor allem bin ich ein Fan der Tradition. Und ich finde das Spiel auf Rasen attraktiv. Die

Ballwechsel sind zwar kürzer, dafür müssen die Profis häufig improvisieren, wenn die Bälle verspringen.“

Gegen Martina Navratilova erlebte Barbara Rittner 1992 ein Highlight in ihrer Karriere.

Gegen Martina Navratilova erlebte Barbara Rittner 1992 ein Highlight in ihrer Karriere.

… Erinnerungen an ihren Junioren-Titel 1991:

„Natürlich war der Triumph damals mein größter Erfolg in Wimbledon und ein besonderer Moment. Für mich persönlich aber war eine Partie 1992 noch intensiver: Damals trat ich in der dritten Runde gegen Martina Navratilova an, sie war mein großes Idol. Wir spielten auf dem Center Court, am Ende verlor ich 5:7, 3:6. Ich war unglaublich nervös, hatte in der Nacht zuvor kaum geschlafen. Bei 5:5 hatte ich einen Breakball, den Martina mit einem unfassbaren Volley hinter dem Rücken abwehrte. Ich werde das Match nie vergessen.“

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