Boris Becker weist sämtliche Spekulationen zurück

Becker nach Bankrotterklärung: „Werde den letzten Ball spielen“

Boris Becker hat eine Woche nach seiner offiziell bescheinigten Zahlungsunfähigkeit sämtliche Spekulationen über finanzielle Probleme mit Nachdruck zurückgewiesen. „Ich bin weder zahlungsunfähig noch bankrott“, erklärte das deutsche Tennis-Idol im ersten Interview nach dem aufsehenerregenden Beschluss eines Londoner Gerichts in der Süddeutschen Zeitung. Becker stellte zudem klar, dass weiterhin alles normal liefe: „Ich komme allen meinen Verpflichtungen gegenüber meinen Mitarbeitern und sonstigen monatlichen Ausgaben nach.“



„Mein Vermögen reicht aus, um die Forderungen zu erfüllen“

Ursprung des Rechtsstreit mit einer englischen Privatbank seien Differenzen über die Höhe der Zinsen für ein Darlehen. „Wir bestreiten die Höhe der Zinsen und halten diese sogar für rechtswidrig.“ Darüber hinaus sei „bis heute nicht einmal ganz klar, wie hoch die ausstehende Summe ist und wie sie sich zusammensetzt“. Der dreimalige Wimbledonsieger betonte jedoch ausdrücklich: „Das Problem werde ich lösen. Mein Vermögen reicht aus, um Forderungen dieser Größenordnung zu erfüllen. Die Schuld ist abgesichert durch eine Immobilie, die einen deutlich höheren Wert hat als die Schuld. Ich habe diesen Kampf aufgenommen, und ich werde den letzten Ball spielen.“

Becker wiederholte seine Kritik an der Bank und auch am Londoner Gericht wegen vermeintlich überzogener Reaktionen. Das Geldinstitut hätte den Antrag bei Gericht aufgrund von Angeboten seitens Beckers Anwälten zu Gesprächen über einen Aufschub von zuletzt einem Monat und die weitere Abwicklung des Geschäfts nicht stellen brauchen, und die Richterin hätte ihre Entscheidung in Unkenntnis seiner tatsächlichen Vermögensverhältnisse gefällt, klagte Becker. Da er mit seinen Anwälten bereits seit 18 Monaten an einer Lösung der Situation arbeite, könne auch nicht wie von der Richterin in London behauptet „davon die Rede sein, dass ich den Kopf in den Sand stecke“.

Becker trifft die „fehlende Verhältnismäßigkeit“

In Bezug auf die Schlagzeilen der vergangenen Tage „hat mich besonders die fehlende Verhältnismäßigkeit getroffen“, sagte der 49-Jährige. Seine derzeitige Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit wertet Becker offenbar als weiteres Beispiel für sein Verhältnis zu Deutschland und den Deutschen. „Ich hatte schon immer eine kritische Auseinandersetzung mit Deutschland. Ich schätze dieses Land, da komme ich her. Aber: Ich hatte schon immer so ein Gefühl, missverstanden zu werden.“ Aufgrund des einstiges Hypes um seine Person „müsste ich doch, um die Kritiker zufriedenzustellen, Milliardär werden“.

Er würde sich denn auch „als Europäer bezeichnen, mit deutschen Pass. Ich entdecke viele deutsche Qualitäten in mir, sobald ich im Ausland bin. Und wenn ich in Deutschland bin, spüre ich die internationalen Einflüsse“.

Entgegen sämtlicher Medienberichte in der jüngeren Vergangenheit führt Becker nach eigenen Angaben ein zufriedenes Leben: „Ich bin mit meiner Ehefrau weiterhin glücklich verheiratet. Mir ist bewusst, dass ich unglaublich viel Glück hatte bisher und hoffentlich weiter habe. Und dass ich laut hinausschreien könnte, wie gut es mir geht. Nur würde mir das im Moment keiner glauben.“ (SID)

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  1. Tennisfan

    In Bezug auf Boris Becker fehlt dem Tennismagazin offenkundig die journalistische Distanz, was sich auch darin äußert, dass Berichte, die sein Tun und Handeln kritisch hinterfragen, unterbleiben. In diesem Bericht wird hauptsächlich die Sicht von Boris Becker dargelegt, ohne zu fragen, wie es dazu kommen konnte, dass er zahlungsunfähig wurde. Darüber wurde in der allgemeinen Presse berichtet: An seinen Scheidungen, Unterhaltspflichten, luxuriösem Lebenswandel und der derzeit niedrigeren Einnahmesituation soll es liegen. Auch soll Becker in finanziellen Angelegenheiten nicht gerade versiert sein und diesbezüglich den „Sand in den Kopf“ stecken. Seine finanziellen Probleme können auch eine der Ursachen sein, dass er sich in letzter Zeit verstärkt als Trainer angeboten hat (darüber wurde vom Tennismagazin – wie sollte es anders sein – positiv berichtet). Es ist richtig, dass sich Boris Becker wegen seiner Erfolge und seines Auftretens in jungen Jahren um den deutschen Tennissport und um Deutschland verdient gemacht hat. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass von ihm nach seiner Tenniskarriere nicht nur positive Schlagzeilen zu vermelden waren. Mit einem bewegendes Privatleben, mangelnde Erfolge als DTB-Daviscupchef (bei der Betreuung von Novak Djokovic änderte sich das dann, womit er seine Reputation zwischenzeitlich erhöhte) und einem großen Geltungsdrang bis an die Grenze zum Fremdschämen geriet er in die Schlagzeilen. Jetzt kommen noch seine finanziellen Probleme hinzu. Es sind also keine finsteren Mächte, die sich gegen ihn verschworen haben und ihn „missverstehen“. Es ist sein eigenes Auftreten und Verhalten, das dazu führt, dass ihm nicht die Anerkennung in Deutschland wiederfährt, die er sich wünscht.


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