TENNIS-GBR-WIMBLEDON

Bernard Tomic – ein Kandidat für die „Hall of Shame“

Nach seiner Niederlage gestern gegen Mischa Zverev in Wimbledon gab Bernard Tomic eine Pressekonferenz, die einen wütend zurücklässt.



Der Australier Bernard Tomic galt mal als Juwel der Tennisszene. Er war das riesengroße Versprechen des australischen Tennis, bald wieder einen Top-Star zu haben. „A-Tomic“ holte als Junior dreimal (U12, U14, U16) den Titel bei der Orange Bowl, einem der wichtigsten Juniorenturniere der Welt. 2009, als er 16 Jahre alt war, gewann er als jüngster Spieler überhaupt eine Partie im Hauptfeld der Australian Open – bei den Herren wohlgemerkt. Bernard Tomic, 1992 in Stuttgart geboren, sollte ein ganz Großer werden.

Ein großer Haufen Elend

Wer ihn nun gestern auf seiner Pressekonferenz nach der Niederlage gegen Mischa Zverev in Wimbledon sah, nahm ihn höchstens noch als einen großen Haufen Elend wahr – und das ist noch wohlwollend formuliert. Am liebsten hätte man ihn geschüttelt und ihm direkt ins Gesicht geschrien: „Junge, weißt du eigentlich, was du da gerade für einen Mist erzählst?“

Tomic saß mit aufreizender Lässigkeit vor den Journalisten und antwortete auf die Frage, warum er eine Behandlungspause im Match nehmen musste mit folgenden Worten: „Ich war nicht angeschlagen. Ich war gelangweilt. Ich habe versucht, so zu tun, als wäre ich verletzt, um das Momentum wieder auf meine Seite zu drehen.“

Das ist nicht nur ein höchst unsportliches Verhalten. Das ist vor allem eine Grundeinstellung, die eines Tennisprofis nicht würdig ist. Natürlich kann man ihm seine entwaffnende Offenheit zu Gute halten, aber wenn er als Profi von einem Auftritt in Wimbledon nur noch gelangweilt ist, dann ist es allerhöchste Zeit für ihn, eine längere Auszeit zu nehmen oder sich ganz zu verabschieden.

Tomic: „Zehn Jahre spiele ich noch“

Tomic aber machte alles nur noch schlimmer. An eine Pause, um sich selbst mal zu sammeln und zu hinterfragen, denkt er nicht – im Gegenteil. „Zehn Jahre werde ich noch spielen. Und nach meiner Karriere muss ich nie wieder arbeiten“, kündigte er an.

Ja, der 24-Jährige sorgte in der Vergangenheit immer wieder für Skandale. Er fuhr zu schnell mit dem Auto, feierte zu laut und heftig, äußerte sich zu sexistisch – und schenkte immer wieder Matches ab. Einmal verlor er in 28 Minuten gegen Jarkko Nieminen. Seine Lustlosigkeit ist also kein neues Phänomen. Aber statt gegen sie anzukämpfen, sich von ihr zu befreien, macht er einfach weiter und liefert solche Auftritte wie nun in Wimbledon ab.

Das ist einfach nur bedauerlich. Tomic ist ein begnadeter Spieler. Er hat so viel Touch im Arm. Gerade auf Rasen kann er ein wunderbar effektives Spiel aufziehen, das so leicht und locker daherkommt wie ein erfrischender Sommerwind. Doch diesen Tomic bekommt man nur noch höchst selten zu sehen, leider.

Verzogenes, unreflektiertes „Rich-Kid“

Zu allem Überfluss präsentiert er sich nach seinen uninspirierten Auftritten auch noch wie ein verzogenes, unreflektiertes „Rich-Kid“, das sich einen Spaß daraus macht, Fans und Journalisten für dumm zu verkaufen. Hier ein kleines Beispiel aus der Pressekonferenz von gestern:

Haben Sie darüber nachgedacht, das Geld zurückzugeben?

Tomic: Welches Geld?

Das Preisgeld für die erste Runde.

Tomic: Wenn Sie Federer fragen würden, ob er 500 Millionen zurückzahlt, würde er es tun oder nicht?

Sie haben eben gesagt, dass Sie sich gelangweilt hätten…

Tomic: Wir arbeiten alle fürs Geld. Mit 34 kann ich vielleicht auch etwas für den guten Zweck spenden. Wenn Sie Roger fragen und er es tun würde, dann tu ich es auch.

Würden Sie es für einen guten Zweck spenden?

Tomic: Wenn Roger und Novak und all diese Jungs das tun werden, dann ist das kein Problem.

Haben Sie sich schon einmal so gefühlt in einem Spiel?

Tomic: Schon ganz oft in meiner Karriere, das wisst ihr alle.

Mensch Bernie, möchte man ihm am liebsten zurufen, das kann doch alles nicht dein Ernst sein! Da schmeißt jemand sein Talent einfach zum Fenster raus und niemand scheint ihn daran zu hindern. Er sollte nun so schnell wie möglich die Reißleine ziehen, sich ausklinken und seine Karriere komplett überdenken. Den Reset-Knopf drücken. Sich neu zu erfinden, ist natürlich schwierig, aber für Tomic wohl der einzige Weg, um aus diesem Schlamassel wieder herauszufinden.

Ansonsten bleibt er ein Kandidat für die „Hall of Shame“ – und das ist einfach nur traurig.

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