2018 Australian Open – Day 10

Cilic gegen Federer: Ist der Grand Slam-König zu stoppen?

Keiner nahm öfter an einem Australian Open-Finale teil als Roger Federer: Am Sonntag, um 9:30 Uhr morgens deutscher Zeit, spielt der Schweizer sein siebtes Finale in Melbourne. Sein Gegner: der Kroate Marin Čilić. Gewinnt Federer, dann ist es sein zwanzigster Titel bei einem Grand Slam-Turnier. Wir werfen einen genauen Blick auf das anstehende Spiel Cilic gegen Federer und wagen eine Prognose.



  1. Weltrangliste

Vor dem Turnier war Roger Federer in der Weltrangliste auf Platz 2, während Marin Cilic Platz 6 für sich beanspruchen konnte. Durch die Erfolge bei der Australian Open wird Cilic allerdings bis auf Platz drei vorrücken und damit der direkte Nachbar von Federer werden. Letzterer wird unabhängig davon, ob er das Finale gewinnt oder verliert, an zweiter Stelle bleiben. In dieser Hinsicht ist das Finale also ein Duell auf Augenhöhe.

  1. Turniersiege

Natürlich hat Roger Federer in dieser Kategorie einen deutlichen Vorsprung: 95 Turniersiege hat er mittlerweile, 19 mal gewann er bei einem Grand Slam, 30 Mal stand er im Finale eines solchen. Er ist Rekordsieger in Wimbledon und würde mit einem Sieg im Finale mit den Rekordsiegern (Djokovic, Emerson; je 6 Titel) bei der Australien Open gleichziehen. Auch die Bilanz von Cilic kann sich allerdings sehen lassen: Der Kroate gewann bislang insgesamt 17 Titel, darunter das US Open 2014. 2017 nahm er am Finale in Wimbledon teil, verlor dieses allerdings gegen Federer.

Marin Cilic nach seinem US Open-Sieg 2014.

  1. Preisgeld

Während Cilic mit knapp 21 Millionen US-Dollar Preisgeld definitiv nicht am Hungertuch nagt, kommt er selbstverständlich nicht an die atemberaubenden Zahlen von Federer heran: Über 110 Millionen US-Dollar verdiente der Schweizer im Laufe seiner Karriere an Preisgeldern – absoluter Spitzenwert im Profitennis.

  1. Bisheriges Jahr

Marin Cilic spielt bisher eine gute Saison: 8 seiner 9 Spiele konnte der 29-Jährige gewinnen. Bei den Tata Open in Pune (Indien) schied er erst im Halbfinale aus, danach folgten bislang sechs Siege bei den Australian Open. Federer spielte sein erstes offizielles Saisonspiel in der ersten Runde der Australian Open. Vor den Australian Open trat er allerdings beim Hopman Cup an, bei dem er ohne Niederlage triumphierte. Insgesamt präsentiert sich der Schweizer bisher in überragender Form.

  1. Weg ins Finale

Marin Cilic startete das Turnier gegen den Kanadier Vasek Pospisil (Nr. 105), gegen den er in vier Sätzen gewann. Souveräner wurde der Kroate dann in den folgenden Runden: Gegen Joao Sousa (Nr. 70, Runde 2) und Ryan Harrison (Nr. 45, Runde 3) gab er keinen Satz ab. Gegen Harrison musste er allerdings für den ersten und den dritten Satzgewinn jeweils in den Tie-Break. In der vierten Runde trat Cilic gegen den Spanier Busta (Nr. 10) an und bezwang ihn in vier Sätzen. Auch in diesem Match spielte die derzeitige Nummer sechs allerdings dreimal einen Tie-Break, wobei er einen verlor und zwei gewann. Das Viertelfinale gegen Rafael Nadal gewann Cilic durch Aufgabe des Altmeisters. Nach fast vier Stunden Spielzeit endete das Spiel mit jeweils zwei Sätzen für Nadal und Cilic – im letzten entscheidenden Satz lag Cilic vor der Aufgabe mit 2:0 vorne. Nach dem aufreibenden Viertelfinale hatte Cilic im Halbfinale keinerlei Probleme: Gegen den ungesetzten Edmund gewann der Kroate souverän in drei Sätzen.

Čilić beim Finaleinzug in der Australian Open 2018.

Federer startete ohne Probleme und ohne Aufregung gegen Aljaz Bedene (Nr. 51). In der zweiten Runde lieferte der Deutsche Jan-Lennard Struff (Nr. 55) zwar einen Fight und erzwang einmal einen Tiebreak – letztendlich war Federers Sieg aber nie gefährdet. Auch gegen Richard Gasquet (Nr. 31) untermauerte der Schweizer seine Favoritenrolle, auch wenn er diese selber bestreitet. Mit 6:2, 7:5, 6:4 ließ Federer seinem Gegner keine Chance. Wenig überraschend besiegte Federer in der Folgerunde auch den ungarischen Marton Fucsovics (Nr. 70) ohne Satzverlust. Sein Viertefinalgegner Tomas Berdych (Nr.20) war dann ein anderes Kaliber als seine bisherigen Gegner, jedoch brauchte Federer auch in diesem Spiel nur knapp zwei Stunden, um mit 7:6, 6:3, 6:4 – und damit wieder ohne Satzverlust – zu gewinnen. Im Halbfinale traf Federer auf den ungesetzten koreanischen Newcomer Chung. Ein spannendes Match gegen den Djokovic-Bezwinger blieb jedoch aus: Bei einer Federer-Führung von 6:1, 5:2 gab Chung das Match verletzungsbedingt auf. Federer steht daher zum sechsten Mal in einem Grand Slam-Finale, ohne einen Satz abgegeben zu haben.

  1. Gewonnene und verlorene Spiele

Da Cilic und Federer gänzlich unterschiedliche Turniere gespielt haben, haben sie natürlich auch eine sehr unterschiedliche Anzahl an gewonnen und verlorenen Spielen: Federer gewann in seinen sechs bisherigen Matches 105 Spiele. Rechnet man die Chung-Aufgabe heraus brauchte Federer im Schnitt 19 Spiele, um ein Match zu gewinnen. Zur Erinnerung: Minimal benötigt sind 18. An seine Gegner gab Federer 63 Spiele ab, die Differenz beträgt daher +42.

Sein Finalgegner hatte einen deutlich aufwendigeren Weg in das Finale: Insgesamt musste Čilić 193 Spiele gewinnen, das entspricht 32 Spielen pro Sieg. Infolge der langen Matches gab Čilić auch 89 Spiele an seine Gegner ab – ebenfalls deutlich mehr als Federer. Seine Differenz fällt mit +104 trotzdem höher aus, als die von Federer.

  1. Dauer der Matches

Seinen Durchmarsch ins Halbfinale zog Federer in insgesamt 10:50 Stunden durch – nicht einmal zwei Stunden pro Match. Im Vergleich dazu hat Cilic einen regelrechten Marathon hinter sich. Bislang stand er in Melbourne mehr als 17 Stunden auf dem Platz. Es steht daher außer Frage, dass Federer frischer in das Finale startet, zumal wenn man bedenkt, dass der Schweizer sein Halbfinale in nur einer Stunde zu Ende brachte.

  1. Direkter Vergleich

Insgesamt neun Aufeinandertreffen hat es zwischen Marin Cilic und Roger Federer schon gegeben und die Bilanz aus Sicht des Kroaten sieht sehr düster aus. Seinem Sieg im Halbfinale der US Open 2014, nachdem er sich anschließend seinen ersten und einzigen Grand Slam-Turniersieg holen konnte, stehen nämlich acht gewonnene Partien des Schweizers gegenüber – zuletzt im oben erwähnten Endspiel von Wimbledon 2017.

Roger Federer bei seinem Wimbledonsieg 2017.

Prognose:

Es gibt leichteres, als dieses Spiel zu prognostizieren. Zwar scheint Federer als deutlicher Favorit zu gelten, es gilt jedoch zu beachten, dass er in diesem Turnier noch nicht wirklich gefordert wurde. Einzig gegen Berdych musste er gegen einen Spieler vom unteren Ende der Top 20 bestehen. Cilic hingegen bezwang den Weltranglistenersten Nadal (ok, durch Aufgabe, aber immerhin) und den Top 10-Kandidaten Pablo Carreno Busta. Jedoch dürfte der Kroate bei seinen langen Matches viel Kraft auf dem Court gelassen haben, hinzu kommt seine äußerst bescheidene Quote in bisherigen Spielen gegen Federer.

Trotz des guten Spiels von Cilic tippen wir daher eindeutig auf den 20. Grand Slam-Titel von Federer. Alles andere wäre eine faustdicke Überraschung.

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