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Davis Cup Analyse: Ausgleich! Nadal lässt Zverev keine Chance

Rafael Nadal hat Spanien im Davis Cup-Viertelfinale in Valencia in beeindruckender Manier zurück ins Spiel gebracht. Der Weltranglistenerste besiegte Alexander Zverev mit 6:1, 6:4 und 6:4 . Die deutsche Nummer eins probierte alles, letztlich war Nadal auf Sand vor Heimpublikum aber eine unlösbare Aufgabe. Die Gründe dafür gibt es in der Analyse.

Mit der Niederlage gegen den besten Sandplatzspieler der Welt lautet die Bilanz für Zverev im Davis Cup nun 4:4. Es war allerdings die erste Pleite in der diesjährigen Kampagne (3:1). Für Nadal, der körperlich und spielerisch bewies, dass er nach der Verletzungspause voll auf der Höhe ist, war es dagegen der 24. (!) Sieg in Serie in diesem Wettbewerb. Ohnehin hatte er nur sein allerstes Einzel beim Debüt verloren als Youngster.

Nach dem 2:2-Ausgleich entscheidet nun das letzte und fünfte Einzel in Valencia. David Ferrer verließ die Arena relativ früh, während Roberto Bautista Agut sitzen blieb. Für Deutschland wird wohl Philipp Kohlschreiber spielen. Die Kapitäne müsssen ihre Wahl nun gleich offiziell machen.

Die Sätze:

Satz eins, 1:6:

Nach einem lupenreinen Aufschlagspiel von Nadal wird Zverev über Einstand gebreakt. Nadal steht beim Return des entscheidenden Ballwechsels zwischen den Linienrichtern, arbeitet sich nach vorne und spielt einen tödlichen Slice – 0:2.

„Let’s go“ schreit Zverev, als er bei 0:3, 0:30 und eigenem Aufschlag noch den Spielgewinn schafft. Anschließend diktiert Zverev bei 30:30 erstmals mit seiner Vorhand, Nadal aber bleibt im Spiel und profitiert von einem Vorhandfehler des Deutschen. Ein Servicewinner später steht es 1:4.

Zverev wird erneut gebreakt und hat bei 1:5 seine einzigen beiden Breakchancen. Ein Rückhandfehler des Deutschen und ein Servicewinner des Spaniers und nach 34 Minuten steht es 1:6.

Satz zwei, 1:6, 4:6:

Das tut Zverev weh. Der 20-Jährige wird zu 15 gebreakt und wandert entnervt auf die andere Spielseite. Aber auch das ist Zverev: Auf den Punkt hellwach erarbeitet er sich ein 0:30. Bei 15:30 attackiert der Deutsche, eilt für einen Halbvolly etwas zu spät in Richtung Netz. Der Schlag kratzt an der Linie, wird aber ausgegeben. Nadal zeigt sich fair, gibt den Ball gut. Doch die Stuhlschiedsrichterin lässt den Punkt wiederholen. Zverev und Kohlmann beschweren sich beim Schiedsgericht, vergeblich. Pfiffe. Doch die Energie wandelt er wenig später direkt in zwei Breakchancen um, eine sitzt, 1:1.

Bei 2:2 wird Zverev jedoch erneut gebreakt. Nadal kann über die Vorhand des Deutschen zu viel Druck erzeugen. Wenig später steht es 2:4. Bei eigenem Aufschlag gelingt es dem Deutschen nun regelmäßiger, mit der Rückhand zu dominieren und sogar in das Feld hineinzugehen. 3:4. Ein Paradebeispiel für dieses Match der Punkt bei 30:30 und Aufschlag Nadal bei 3:4. Zverev versucht von der Grundlinie alles, spielt aggressiv, wird aber letztlich von links nach rechts geschickt und verliert bei einer Vorhand die Kontrolle – 3:5.

Nach einem glatten Servicespiel von Zverev sichert sich Nadal den zweiten Satz nach knapp anderthalb Stunden. Zverev lässt den Schläger ein erstes Mal zu Boden gehen. Gepfiffen wird nicht, denn der Jubel für Nadal ist ohrenbetäubend laut.

Satz drei: 1.6, 4:6, 4:6

Nach zwei Breaks in Folge, das zweite zu null, senkt sich der Kopf von Zverev. Doch in den Ballwechseln hält er trotz des 1:4 dagegen und belohnt sich mit einem Rebreak. Ein Ass besiegelt daraufhin erst den zweiten Aufschlaggewinn des DTB-Spielers in diesem Satz überhaupt – und das zu null, 3:4.

Die spanischen Fans erkennen den Kampfgeist von Zverev nach exakt zwei Stunden an. Doch Nadal hält sein Aufschlagspiel. Laute Espana-Rufe hallen durch das Rund. Zverev diskutiert mit den Betreuern. Sein nächstes Aufschlagspiel ist umkämpft, geht über Einstand. Doch Zverev drängt Nadal in die Defensive und platziert hervorragend, 4:5. Doch Nadal serviert das hier aus.

Der Schlag des Spiels

Der Vorhandstopp von Rafael Nadal, den er regelmäßig einstreute. Früher hieß es oft, der Spanier hätte aus der Weltklasse am wenigsten Ballgefühl. Großer Schman. Mit tollen Winkeln holte er den Deutschen an das Netz, wo dieser meistens einen Ticken zu spät ankam. Zverev bewegt sich für seine Größe herausragend. Doch Nadals Stilmittel hatte die gleiche Qualität: herausragend.

Der Ballwechsel des Spiels

Statistikecke

– Normalerweise gehört der zweite Aufschlag zu den Stärken von Zverev. Normalerweise: In Satz eins gewann er in acht Versuchen nur einmal den Punkt. Nadal stand während des Returns teilweise zwischen den Linienrichtern, arbeitete sich mit Länge und Spin gekonnt in Richtung Punktgewinn.

– Im Laufe der Partie steigerte Zverev seine Vorhand, ging Risiko, versuchte den Druck zu erzeugen, den es gegen Nadal benötigt. Aber mit der Qualität, wie er das mit der Rückhand ablieferte, ging es einfach nicht. Klar, dass bei dem gegen Nadal nötigen Risiko ebenfalls die Fehlerquote anstieg. Anfang des dritten Satzes zeigte die Statistik 40 unerzwungene Fehler des Deutschen an (Nadal 29). Wobei gegen Nadals Spin immer zu relativieren ist: Sind das noch unerzwungene Fehler? Der Spanier hatte dreimal so viele Vorhandwinner mit seinem klassischen Inside-Out-Spiel.

– Das Netzspiel: Bei Zverev kaum bis wenig vorhanden, bei Nadal kaum nötig. Zverev gelang es nicht, die Grundlinienduelle so zu gestalten und vorzubereiten, um Netzangriffe zu starten. Wenn doch, dann waren die volleys nicht sicher genug.

 

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