Day One: The Championships – Wimbledon 2015

Die Ballkinder von Wimbledon

Neben den Athleten auf dem Court stehen auch die Ballkinder bei einem Grand Slam-Turnier unter besonderer Beobachtung. Das Auswahlverfahren für die French Open gilt als das schwierigste, doch auch in Wimbledon müssen die Anwärter hohe Anforderungen erfüllen.



Bis zu 800 Kinder im Auswahlverfahren

Zwischen 700 und 800 Kinder nehmen an dem Auswahlverfahren für Wimbledon teil, 250 von ihnen kommen beim bedeutendsten Tennisturnier der Welt zum Einsatz. Je nach Turnier gibt es Unterschiede, wie man den Spielern die Bälle zuwirft: Mal strecken die Ballkinder beide Hände in die Höhe, ehe sie einem Spieler die Filzkugel zuwerfen. Mal ist nur eine Hand nach oben gereckt, die andere hinter dem Rücken angewinkelt. In Wimbledon wird die zweite Variante angewendet. Wenn der Arm in die Höhe gestreckt wird, ist er vollkommen durchgestreckt. Auch diese Übung wird vorher ausgiebig trainiert.

Ballkinder Wimbledon

1 A-Haltungsnoten: Das Rollen der Bälle ist eine der wichtigsten Aufgaben der Ballkinder und wird ausgiebig trainiert.

Eine der wichtigsten Aufgaben für die Ballkinder ist das Rollen der Bälle. BBG-Managerin (Ballboy or Ballgirl) Sarah Goldson bereitet die Ballkinder auf das Grand Slam-Turnier in London vor. Dabei hat eine Übung besondere Wichtigkeit: „Wer die Bälle nicht flach und schnell rollen kann, ist als Ballkind nicht geeignet.“

Ab Ostern trainieren für den Auftritt auf der großen Bühne

Die Teilnehmer für das Auswahlverfahren werden beim Training für Wimbledon verschiedenen Stresssituationen ausgesetzt, damit sie auch bei dem großen Turnier vor tausenden von Zuschauern fokussiert bleiben können. Alle Ballkinder kommen von benachbarten Schulen und müssen ein strenges Auswahlverfahren mit Fitnesstest und schriftlicher Prüfung überstehen. Im Durchschnitt sind sie 15 Jahre. Die 250 Ballkinder, die es durch das Auswahlverfahren geschafft haben, trainieren ab Ostern für ihren großen Einsatz.

Alle im Blick: Während die Weißrussin Voctoria Azarenka einen Schluck aus der Wasserflasche nimmt, muss der Balljunge stets fokussiert bleiben.

Alles im Blick: Während Voctoria Azarenka einen Schluck aus der Wasserflasche nimmt, muss der Balljunge nicht nur den Sonnenschirm halten, sonder auch stets fokussiert bleiben.

Wo ein Balljunge oder -mädchen wann zu stehen oder zu sitzen hat, unterliegt festen Regeln. Ob wartend am Netz, in der Courtecke mit einem Handtuch oder in der Spielpause mit einem Sonnenschirm in der Hand – Jede Bewegung ist perfekt einstudiert. Wie ein Schwarm Vögel in Formation bewegen sich die Kinder über den Court.

Trost-, Schatten- und Wasserspender

Im Anforderungsprofil für Balljungen und -mädchen steht auch die Fähigkeit, ein Tennisnetz ordentlich aufzustellen und zu spannen. Erstmals wurden 1920 Ballkinder beim Turnier in Wimbledon eingesetzt. Seit 1977 dürfen auch Mädchen beim Bällesammeln auf dem Tennissplatz helfen. Ein Ballkind muss viele Aufgaben erledigen und dabei stets auf die Vorlieben der Spieler auf dem Court achten. Bälle zuwerfen, das Handtuch- oder die Wasserflasche reichen, alles muss im richtigen Zeitpunkt passieren, damit die Spieler sich wohlfühlen.

Ballkinder Wimbledon

Trostspender: Die Ballkinder, wie dieses Ballmädchen im Arm von Nick Kyrgios, sorgen neben ihren Pflichtaufgaben auch dafür, dass die Tennisspieler sich wohlfühlen.

Zudem sollten die Ballkinder auf die Macken der Spieler achten: Goran Ivanisevic wollte immer den Ball wieder zugeworfen bekommen, mit dem er zuletzt gepunktet hatte. Andere Spieler lassen sich stets drei Bälle geben, kreisen diese durch die Hand und spielen den überflüssigen wieder zurück. Manchmal sind die Ballkinder auch zur Belustigung der Tennisstars und des anwesenden Publikums zuständig – oft unfreiwillig, dafür sehr amüsant und sympathisch.

Mehr Ballkinder haben nur die Australian Open

Auch in der prallen Sonne müssen die Jungen und Mädchen ihr Durchhaltevermögen beweisen. Da es bei vielen Turnieren keine Sonnenschirmständer gibt, müssen die Ballkinder den Tennisspielern mit Schirmen Schatten spenden. Nach dem 90-sekündigen Seitenwechsel erlöst der Schiedsrichters sie mit einem „Time“ und sie dürfen sich wieder zurückziehen.

In Wimbledon kommen ingesamt 250 Ballkinder zum Einsatz. Damit liegt das Event in London aber nur an zweiter Stelle. Bei den Australian Open sind es 380 Ballkinder. Die French Open haben ca. 220 Ballkinder und die US Open kommen mit 80 aus.

Den Ballkindern können jedoch auch Fehler passieren – dabei manchmal auch zum Unmut der Spieler auf dem Court.

Promis im Stadion und die größten Tennisspieler der Gegenwart auf dem Rasen: Bei allem Drill und den Anforderungen an die Ballkinder für ein solches Turnier darf man nicht vergessen, dass auch sie oft Fans der Spieler auf den Courts sind. Die Blicke der Jungen und Mädchen werden akribisch darauf trainiert, dass sie sich nicht ablenken lassen. Vor einem so großen Publikum wie in Wimbledon fällt dies wahrscheinlich umso schwerer.

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