2018 Australian Open – Day 11

Duelle um Platz 1 – wer gewann in der Vergangenheit?

Am Samstag Morgen ist es soweit: Caroline Wozniacki und Simona Halep spielen im Finale der Australian Open nicht nur um den Tuniersieg, sondern auch um den ersten Platz in der Weltrangliste. Wie gingen solche Duelle in der Vergangenheit aus, wenn die Nummer 1 auf die Nummer 2 der Weltrangliste in einem Grand Slam-Finale traf? Wir blicken auf fünf Damen-Spiele zurück, bei denen es nicht nur um Titel, sondern auch um die Nummer eins der Welt ging.



Australian Open Finale 1993

Monika Seles gegen Steffi Graf

Als die Australian Open 1993 begannen, saß Monika Seles seit über einem Jahr fest im Sattel an der Spitze der Weltrangliste. Im September 1991 hatte sie Steffi Graf die Führung entrissen, da allerdings ohne direktes Duell. Zum ersten Grand Slam 1993 war Graf in Schlagreichweite: Ein Sieg bei den Australian Open hätte ihr garantiert die Weltranglistenführung beschert. Entsprechend motiviert besiegte Graf auf dem Weg ins Finale die Top-Spielerinnen Arantxa Sanchez-Vicario (damals Nr. 4) und Jennifer Capriati (damals Nr. 7). Im Finale stand sie dann der Führenden der Gesamtwertung gegenüber, ein Sieg fehlte noch, um an die Spitze der Welt zurückzukehren.

Seleš am Aufschlag bei den Australian Open 1993 – damals noch auf grünem Belag

Auch gegen Seles startete Graf stark, gewann den ersten Satz mit 6:4, alles schien bereit für die Übernahme der Führung. Dann aber drehte Seles auf: Mit 6:3 und 6:2 in den folgenden Sätzen entschied sie das Spiel für sich, gewann das Tunier und sicherte sich ihre Nummer 1. Die Freude war aber nur von kurzer Dauer: Im Juni 1993 eroberte Graf sich die Spitze zurück.

Sieger: Die Nummer 1

French Open Finale 1995

Arantxa Sanchez-Vicario gegen Steffi Graf

Steffi Graf feiert ihren Triumpf gegen Arantxa Sanchez-Vicario

Im Februar 1995 verlor Steffi Graf die Führung in der Weltrangliste erneut – dieses Mal an die Spanierin Arantxa Sanchez-Vicario. In den folgenden Monaten lieferten sich die beiden ein hitziges Duell: Bis zum Juni 1995 wechselte die Nummer 1 vier mal zwischen den Konkurrentinnen hin und her – ohne, dass sie  sich in einem direkten Duell trafen.

Dies änderte sich beim French Open: Nachdem die beiden Führenden ihre Halbfinals jeweils für sich entschieden hatten, war klar, dass es im Finale auch darum ging, wer die Nummer eins in der Welt ist. Die Antwort: Steffi Graf! Nach zwei umkämpften Sätzen, von denen beide Spielerinnen jeweils einen gewannen, drehte Graf im letzten Satz richtig auf: Mit einem 6:0-Satz schaffte es die Deutsche ihre Konkurrentin endgültig von der Spitze zu verdrängen. Sanchez-Vicario übernahm nie wieder die Führung in der Weltrangliste, Graf hingegen blieb für 94 Wochen am Stück ganz oben.

Sieger: Die Nummer 2

Wimbledon Finale 2002

Venus Williams gegen Serena Williams

Zwei Schwestern, die Nummer eins und die Nummer zwei der Welt. Eine, Venus Williams, kämpfte seit Monaten immer wieder um die Spitze, im ständigen Wechsel mit der ebenfalls aus den USA stammenden Jennifer Capriati. Die andere, Serena Williams, hatte sich gerade erst auf Position zwei der Weltrangliste vorgeschoben und hatte die Führungsposition noch nie inne gehabt.

Nachdem die großen Wettbewerber Capriati und Seles jeweils im Viertelfinale ausschieden, war der Weg frei für einen „SisterAct“ im Finale: Venus gegen Serena – und es ging auch noch um die Führung in der Weltrangliste. In einem umkämpften ersten Satz setzte sich Serena im Tie-Break durch. Den zweiten Satz gestaltete sie deutlich dominanter und gewann das Match am Ende mit 7:6, 6:3. Die jüngere Schwester hatte die ältere vom Thron gestoßen – und das auf Dauer: Venus kehrte nie wieder auf die Spitzenposition zurück, Serena hingegen hielt sie für über ein Jahr am Stück und eroberte sie auch danach zahlreiche Male zurück.

Sieger: Die Nummer 2

Venus Williams gratuliert ihrer Schwester Serena zum Sieg in Wimbledon 2002 und zur Führung in der Weltrangliste

Australian Open Finale 2004

Überschwängliche Freude: Henin nachdem sie die Nummer 1 verteidigt hat

Justine Henin gegen Kim Clijsters

Die erste, die Serena Williams von Rang eins verdrängte, war Kim Clijsters. In schneller Abfolge wechselte Clijsters sich dann mit Justine Henin an der Spitze ab – dreimal gaben sie sich innerhalb von 14 Wochen den Staffelstab in die Hand. Im November 2003 aber setzte sich Henin fest an die Spitze und behielt die Führung auch bis zu den Australian Open im folgenden Jahr.

In einem Tunier, in dem die Konkurentinnen wie Serena Williams (Runde 3) und Lindsay Davenport (Viertelfinale) relativ früh ausschieden, standen schließlich Henin und Clijsters einander im Finale gegenüber. Das war die Chance für Clijsters, ihrer belgischen Landsfrau die Führung in der Weltrangliste wieder zu entreißen. Beide Frauen bestätigten im Finale ihre gute Form, das Spiel war umkämpft. Am Ende setzte sich aber die amtierende Nummer 1 Henin mit 6:3, 4:6, 6:3 durch. Henin behielt die Führung noch bis in den September – Clijsters hingegen schaffte es erst zwei Jahre später zurück an die Spitze der Weltrangliste.

Sieger: Die Nummer 1

Australian Open Finale 2015

Serena Williams gegen Maria Sharapova

Das letzte Mal, dass sich die Nummer eins und die Nummer zwei der Welt gegenüber standen ist noch gar nicht so lang her: Im Australian Open trafen Serena Williams, die die Nummer eins bereits seit fast zwei Jahren inne hatte, und Maria Sharapova aufeinander. Sharapova war in guter Form, hatte die Nummer 6 und Nummer 10 der Welt geschlagen und im Vorjahr die French Open und drei weitere Tuniere gewonnen. Nun sollte der Triumph bei den Australian Open ihr den ersten Platz in der Weltrangliste sichern.

Williams im Duell mit Sharapova

Es half jedoch nichts: Die Nummer eins der Welt, Serena Williams, lief Sharapova im Finale kaum eine Chance: Mit 6:3, 7:6 besiegte die Amerikanerin die Russin in zwei Sätzen. Williams blieb bis September 2016 an der Spitze der Weltrangliste – und egalisierte damit einen alten Rekord von Steffi Graf für den längsten zusammenhängenden Zeitraum an Weltranglisten-Position eins (186 Wochen).

Sieger: Die Nummer 1

Fazit: Die Vergangenheit lässt keine eindeutige Schlussfolgerung zu, ob die Nummer eins, oder die Nummer zwei der Welt im direkten Duell im Vorteil ist. Eines ist aber klar: Bei einer Niederlage kann es lange dauern, bis die Herausforderin wieder so eine Chance erhält. Spannung ist für morgen also garantiert!

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  1. Stefan Höfel

    Dass Steffi Graf im Juni 1993 die Nr. 1 wurde, hängt doch in erster Linie mit dem Attentat auf Monica Seles zusammen. Das hätte man hier nicht verschweigen dürfen!


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