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Fed Cup: Welche Chancen hat die Rumpfbesetzung?

Kader und Form der Deutschen



Die deutsche Mannschaft muss in der ersten Runde des Fed Cups ohne Angelique Kerber und Julia Görges auskommen, die beide frühzeitig absagten. Auch bei Andrea Petkovic passte der Fed Cup nicht in die Saisonplanung und zu guter Letzt konnte Carina Witthöft wegen einer Ohrenentzündung nicht die Reise nach Minsk antreten. Teamkapitän Jens Gerlach muss daher auf vier der fünf höchstplatziertesten deutschen Spielerinnen verzichten. Nominiert hat er stattdessen Tatjana Maria, Anna-Lena Friedsam, Antonia Lottner und Doppel-Spezialistin Lena Grönefeld.

Bei Tatjana Maria handelt es sich um ein regelrechtes Fed Cup-Urgestein: Ihr Debüt gab sie 2006 noch unter ihrem Mädchennamen Malek. Seitdem war sie in sechs Saisons Teil des deutschen Aufgebots. In diesen Jahr sucht die 30-Jährige jedoch noch nach ihrer Form: 4 Turniere hat sie bis dato gespielt, bei allen vier schied sie in der ersten Runde aus. Vergangene Woche unterlag sie in St. Petersburg in zwei Sätzen gegen die fast 200 Plätze niedriger bewertete Russin Anastasia Postapova. Hoffnung macht allerdings ihr Auftritt bei den Australian Open: Dort verlor sie zwar auch, zeigte gegen Maria Sharapova aber ein starkes Spiel und eine tolle kämpferische Leistung.

Langsam wieder in Fahrt kommt hingegen Anna-Lena Friedsam. Nach ihrer Schulter-OP letztes Jahr verpasste sie den Großteil der Saison. Mittlerweile steht die 24-Jährige aber wieder auf dem Tennisplatz. Anfang des Jahres qualifizierte sie sich für das ITF-Turnier in Playforth (Australien), wo sie immerhin bis ins Viertelfinale kam. In Hobart schaffte sie es in Runde zwei. Bei den Australian Open schied sie zwar in der ersten Runde gegen Kerber aus, zeigte im zweiten Satz aber zeitweise tolles Tennis.

Alles gegeben: In Melbourne schied Friedsam zwar in der ersten Runde aus – zeigte aber eine gute kämpferische Leistung.

Die 21-jährige Antonia Lottner feiert dieses Wochenende ihr Fed Cup-Debüt, nachdem sie schon länger im Porsche Talent Team gefördert wird. Vergangenen November schafft sie den größten Erfolg ihrer Karriere und zog beim ITF-Turnier in Limoges ins Endspiel ein. 2018 scheiterte Lottner in Brisbane und bei den Australian Open jeweils in der Qualifikation. Ende Januar schied sie zudem bei einem ITF Turnier in Frankreich in der ersten Runde aus. So richtig rund läuft es daher in diesem Jahr noch nicht für die Düsseldorferin. Dennoch wird Lottner auf jeden Fall zumindest ein Einzel spielen.

Komplettiert wird das deutsche Team durch Anna-Lena Grönefeld. Die Frau aus Nordhorn steht in der Doppelrangliste auf Platz 21 und ist daher auch fest als eine Hälfte eines Duos eingeplant. Die bisherige Saison verläuft für die 32-Jährige zufriedenstellend: Während sie in Sydney noch in Runde eins ausschied, schaffte sie es in Melbourne schon bis in Runde drei. Beim Turnier in St. Petersburg kam Grönefeld dann sogar bis ins Halbfinale.

Starkes Duo: Zusammen mit Raquel Atawo (l.) erreichte Grönefeld zuletzt das Halbfinale in St. Petersburg.

Direkter Vergleich

Da Weißrussland erst vor kurzem in die Weltgruppe aufgestiegen ist, gab es bislang noch kein Aufeinandertreffen von Deutschland und Weißrussland im Fed Cup.

Auch auf Spielerebene ist der direkte Vergleich relativ kurz: Vier Duelle gab es insgesamt zwischen den nominierten Spielerinnen. 2017 unterlag Tatjana Maria gegen Aryna Sabalenka in zwei Sätzen. Die anderen Spiele liegen schon länger zurück: Insgesamt dreimal verlor Aliaksandra Sasnovich gegen die deutschen Spielerinnen. 2012 und 2015 gewann Anna-Lena Friedsam, 2014 zog Sasnovich gegen Antonia Lottner den Kürzeren.

Obwohl die Deutschen somit beim direkten Vergleich in Führung liegen (3:1-Siege), ist die Aussagekraft hiervon relativ gering. Die Spiele sind größtenteils lange her und vor allem sind es zu wenige, als dass man aus ihnen eine klare Tendenz für die anstehende Partie ableiten könnte.

Prognose

Sollte Deutschland weiterkommen, dürfte sich dies erst im abschließenden Doppel entscheiden. In diesem haben die deutschen Damen auch gute Chancen: Anna-Lena Grönefeld ist gut drauf, bedeutend besser als die beiden vorgesehenen Doppel-Spielerinnen der Konkurrenz. Unabhängig davon, wer an ihrer Seite spielt, dürfte Deutschland sich daher im Doppel durchsetzen.

Übersicht über die Einzelmatches der Fed Cup Partie

Schwieriger wird es dafür zu sorgen, dass das Doppel überhaupt noch entscheidend ist. Hierfür müssen zwei der vier Einzelspiele gewonnen werden. Gerade aus psychologischer Sicht ist es dabei elementar, dass die Deutschen nach Tag 1 nicht schon 0:2 zurückliegen. Allerdings dürfte Aliaksandra Sasnovich in Spiel 2 auf jeden Fall gegen Antonia Lottner gewinnen. Entsprechend muss Tatjana Maria im ersten Spiel gegen Aryna Sabalenka direkt liefern. Grundsätzlich spielen die beiden auf Augenhöhe, Sabalenka ist allerdings derzeit besser in Form. Wenn Tatjana Maria aber einen guten Tag erwischt, ist ein Sieg auf jeden Fall möglich.

Auch am zweiten Tag ist Sasnovich in ihrem Spiel favorisiert. Es scheint unwahrscheinlich, dass Maria gegen die Weißrussin bestehen kann. Anna-Lena Friedsam dürfte, wenn überhaupt, vermutlich eher im vierten Einzel zum Einsatz kommen. Dieses vierte Spiel gegen Aryna Sabalenka ist nämlich, im Falle eines Sieges an Tag 1, das vorgezogene Entscheidungsmatch: Lottner oder Friedsam müssen hier auf jeden Fall gewinnen. Bei beiden wäre der Sieg allerdings eine Überraschung – auf dem Papier ist Sabalenka favorisiert.

Zusammengefasst muss es für das deutsche Aufgebot schon perfekt laufen, damit sie ins Halbfinale einziehen. Sollte ihnen der Coup gelingen, dann auf jeden Fall erst im entscheidenden Abschluss-Doppel. Favorisiert sind jedoch definitiv die Weißrussinen, und so tippen auch wir darauf, dass mindestens drei der Einzelspiele von eben diesen gewonnen werden. Daher dürfte Weißrussland weiterkommen und Deutschland wird das dritte Jahr in Folge in die Relegation müssen.

Wahrscheinlicher Ausgang: Vermutlich wird das weißrussische Team auch in diesem Jahr Grund zu jubeln haben.

Text: Lennart Rasche

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