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Karolina Pliskova: Tschechiens Ice-Queen

Karolina Pliskova übernimmt nach Wimbledon erstmals die Führung in der Weltrangliste. Darüber freut sich auch der kleine TC Fallersleben. Als Kind lebte Pliskova zwei Jahre in Niedersachsen. Aber wer ist diese Frau mit dem Pokerface? 



Der Tour-Guide der WTA vermerkt Angeln als Hobby von Karolina Pliskova. Dieser ungewöhnlichen Leidenschaft für eine junge Frau in den Zwanzigern geht sie an Seen in ihrer tschechischen Heimat nach. Wenn sie mal mindestens zwei freie Tage hat, fährt sie zu ihrem Vater Radek, der außerhalb der Stadt wohnt, und sitzt gelassen am Wasser. „Momentan fische ich nur noch, ein-, zweimal im Jahr. Mein Terminplan ist zu hart“, sagt Pliskova. Aber wenn sie es schafft: „Dann genieße ich die schöne Natur und die Ruhe.“

Pliskova: „Ich bin introvertiert und phlegmatisch“

Die Stille vor dem Biss. So lässt sich auch Karolina Pliskovas Tennis überschreiben. Der Fach-Blog „Baseline“ analysiert: „Es gibt Spielerinnen mit Pokerface und als Steigerung gibt es Karolina Pliskova. Ob sie gewinnt oder verliert – man weiß nie, was sie denkt.“ Die 25-Jährige wirkt auf dem Court stoisch wie ihr großer Landsmann Ivan Lendl. Ihre Kritiker nennen sie „Ice Queen“ und finden sie langweilig. „Ich bin introvertiert und phlegmatisch, deshalb zeige ich meine Freude nicht“, sagte sie einmal. „Ich weiß, dass die Welt schlecht ist, es gibt so viel Leid auf dem Planeten. Deshalb wird mir ein Winner, ein Spiel, ein  Satz, ein Match niemals immense  Freude bereiten, nur Genugtuung. Die Welt wird sich dadurch nicht ändern.“

Karolina Pliskova übernimmt nach Wimbledon erstmals Weltranglistenplatz 1. Als Kind lebte sie 2 Jahre in Niedersachsen. Wer ist die Frau mit dem Pokerface?

Zwei Maori-Tattoos: Das erste Tattoo auf ihrem Oberarm ließ sie sich schon als 15-Jährige stechen. Die „Tribal“-Symbole haben inhaltlich keine Bedeutung für sie, sie gefallen ihr einfach.

Um im Anglerbild zu bleiben: Die coole Karolina Pliskova ist ein stilles Wasser, das tief ist. Eine Tennisspielerin, von der man erst auf den zweiten Blick Fan wird. Es gibt so viele, noch zu selten aufgeschriebene Geschichten über die Weltranglistendritte.* Wie das Verhältnis zu ihrer eineiigen Zwillingsschwester Kristyna oder den Umzug der Familie nach Fallersleben, einen Stadtteil von Wolfsburg, als die Mädchen zehn waren. Die belastende Verurteilung des Vaters wegen bandenmäßiger Markenzigaretten-Fälschung im Jahr 2012 (er beteuerte, bei der 2005 aufgeflogenen Bande nur für den Transport zuständig gewesen zu sein) oder Karolinas polynesisches Maori-Tattoo auf dem Oberschenkel, das sich die Schwester, der Vater und die Mutter nachstechen ließen. Nicht zu vergessen: ihre Liaison mit dem Sportmoderator Michal Hrdlicka. Im Juli 2016 beim Filmfest im tschechischen Karlsbad wurde der Womanizer, der bereits eine Tochter mit einer ehemaligen TV-Kollegin hat, beim Fremdküssen mit anderen Frauen beobachtet und pinkelte sturzbetrunken gegen eine Mülltonne. Alles mit Fotos dokumentiert auf dem Promi-Portal Celebwiki.cz.

Pliskova ist die Königin der Asse

Langweilig also ist Karolina Pliskova definitiv nicht. Und schon gar nicht ihr Tennis. Sie lässt diesen schweren Sport so leicht aussehen. Aus ihren lockeren Schwüngen schießt die 1,86 Meter lange Rechtshänderin Vor- und Rückhände wie Raketen ab und kann mit ihren Hebeln zugleich Winkel spielen wie kaum eine andere. „Es ist definitiv so, dass ich groß bin, lange Arme habe und alles etwas leichter für mich ist.“ Das gilt auch für ihren schnörkellosen Aufschlag: Die „Queen of Aces“ der WTA-Tour in den Jahren 2015 und 2016  hält die Tradition der fein aufschlagenden Tschechinnen hoch, wie auch Petra Kvitova und Lucie Safarova. 2016 servierte Pliskova  530 Asse, mehr als jemals eine Frau in einer Saison und gut 200 mehr als die zweitplatzierte Serena Williams (324), die allerdings nur sieben Turniere bestritt.

Den Rekord für die meisten Asse in einem Match – 31 – hält Kristyna Pliskova, Karolinas nur zwei Zentimeter kleinere Zwillingsschwester. Sie stellte ihn 2016 bei den Australian Open gegen Monica Puig (6:4, 6:7, 7:9) in Runde zwei auf. Die Weltranglisten-58. ist Linkshänderin; die Zwillinge sind quasi Spiegelbilder. Beide waren erfolgreiche Juniorinnen, 2010 gewann Karolina die Australian Open und Kristyna Wimbledon. Bis sie 18 waren, galt Kristyna, die Dominantere in der Beziehung, als die Bessere. „Ich brauche für alles etwas länger“, sagt Karolina. 2015 mit 23 feierte sie ihr Top Ten-Debüt, 2016 stieß sie in die Top 5 – mit dem knapp verlorenen US-Open-Finale gegen Angelique Kerber (3:6, 6:4, 4:6) als  Highlight. Zuvor war sie nie über die dritte Runde eines Grand Slam-Turniers hinaus gekommen.

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